Sie haben Gesetzbücher und Verordnungen. Im Gefängnis zu singen

„Eine Revolution ist kein Gastmahl, kein Aufsatzschreiben, kein Bildermalen oder Deckchenstricken; sie kann nicht so fein, so gemächlich und zartfühlend, so maßvoll, gesittet, höflich, zurückhaltend und großherzig durchgeführt werden. Die Revolution ist ein Aufstand, ein Gewaltakt, durch den eine Klasse eine andere Klasse stürzt.“

Worte des Vorsitzenden Mao Tse-tung, Peking, 1968, S. 14

Das folgende Lied „Im Gefängnis zu singen“ aus dem Stück von Bert Brecht „Die Mutter“ ist allen gegen den Notstand des AKP-Faschismus in der Türkei Kämpfenden gewidmet, insbesondere den beiden inhaftierten Hungerstreikenden Nuriye Gülmen und Semih Özakca, die schon über 135 Tage im Hungerstreik gegen ihre Entlassung aus dem öffentlichen Dienst in der Türkei sind (weitere Infos hier und hier). Ebenso soll es für den immer noch in Hamburger Knästen inhaftierten G20-Protestlern unsere Solidarität zeigen (weitere Infos hier).

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Bert Brecht: Sie haben Gesetzbücher und Verordnungen. Im Gefängnis zu singen

Sie haben Gesetzbücher und Verordnungen

Sie haben Gefängnisse und Festungen

(Ihre Fürsorgeanstalten zählen wir nicht!)

Sie haben Gefängniswärter und Richter

Die viel Geld bekommen und zu allem bereit sind.

Ja, wozu denn?

Glauben sie denn, dass sie uns damit kleinkriegen?

Eh sie verschwinden, und das wird bald sein

Werden sie gemerkt haben, dass ihnen das alles nichts mehr nützt.

 

Sie haben Zeitungen und Druckereien

Um uns zu bekämpfen und mundtot zu machen

(Ihre Staatsmänner zählen wir nicht!)

Sie haben Pfaffen und Professoren

Die viel Geld bekommen und zu allem bereit sind.

Ja, wozu denn?

Müssen sie denn die Wahrheit so fürchten?

Eh sie verschwinden, und das wird bald sein

Werden sie gemerkt haben, dass ihnen das alles nichts mehr nützt.

 

Sie haben Tanks und Kanonen

Maschinengewehre und Handgranaten

(Die Gummiknüppel zählen wir nicht!)

Sie haben Polizisten und Soldaten

Die wenig Geld bekommen und zu allem bereit sind.

Ja, wozu denn?

Haben sie denn so mächtige Feinde?

Sie glauben, da muss doch ein Halt sein

Der sie, die Stürzenden, stützt.

Eines Tages, und das wird bald sein

Werden sie sehen, dass ihnen alles nichts mehr nützt.

Und da können sie noch so laut „Halt!“ schrein

Weil sie weder Geld noch Kanone mehr schützt!

Ernst Busch singt „Im Gefängnis zu singen“

Quelle: Bertolt Brecht, Gesammelte Werke Band 2, Frankfurt/Main, 1990, S. 865-866

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