150 Jahre „Das Kapital“ von Karl Marx

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Am 11. September 1867, also vor 150. Jahren, erscheint in Leipzig der erste Band von Karl Marx Hauptwerk „Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie“. Dieses Werk hat Auswirkungen, von denen der Autor selbst nicht träumen konnte. Marx befasst sich in „Das Kapital“ mit der Politischen Ökonomie, weil sie der Schlüssel zum Begreifen der menschlichen Gesellschaft und ihrer Geschichte ist. Sich heute mit „Das Kapital“ zu beschäftigen, ist eine Pflicht, die für jeden Kommunisten und jede Kommunistin selbstverständlich sein sollte. Zumal zum diesjährigen 100. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution, in der die Bolschewiki unter Führung W.I. Lenins erstmals einen Sieg über die Gesetze des Kapitalismus in Russland errungen haben. Aber auch, um am 5. Mai 2018 den 200. Geburtstag von Karl Marx selbst, würdig begehen zu können.

Eine leichte Einführung in die ökonomische Lehre von Karl Marx, geben die beiden Texte von W.I. Lenin:

  • W.I. Lenin: DREI QUELLEN UND DREI BESTANDTEILE DES MARXISMUS (März 1913) In: W.I. Lenin, Werke (LW) Band 19, S. 3-9 Hier ist der Punkt II. (zur Politischen Ökonomie) zu empfehlen (LW Band 19, S. 5-7).
  • W.I. Lenin: KARL MARX (Kurzer biographischer Abriss mit einer Darlegung des Marxismus) (1915) In: LW Band 21, S. 33-80. Hier ist im Anschluss das Kapitel „DIE ÖKONOMISCHE LEHRE VON MARX“ abgedruckt.

Diese beiden Texte von W.I. Lenin sollen Lust auf die Beschäftigung mit den drei Bänden des Marxschen Kapitals.

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Aus: W.I. Lenin: DREI QUELLEN UND DREI BESTANDTEILE DES MARXISMUS

II

Nachdem Marx erkannt hatte, daß die ökonomische Struktur die Basis ist, worauf sich der politische überbau erhebt, wandte er seine Aufmerksamkeit vor allem dem Studium dieser ökonomischen Struktur zu. Das Hauptwerk von Marx – „Das Kapital“ – ist der Erforschung der ökonomischen Struktur der modernen, d. h. der kapitalistischen Gesellschaft gewidmet.

Die vormarxistische klassische politische Ökonomie entstand in England, dem entwickeltsten kapitalistischen Land. Adam Smith und David Ricardo, die die ökonomische Struktur untersuchten, legten den Grundstein der Arbeitswerttheorie. Marx setzte ihr Werk fort. Er begründete diese Theorie exakt und entwickelte sie folgerichtig. Er zeigte, daß der Wert einer jeden Ware durch die Menge der gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit bestimmt wird, die zur Produktion der Ware erforderlich ist.

Wo die bürgerlichen Ökonomen ein Verhältnis von Dingen sahen (Austausch von Ware gegen Ware), dort enthüllte Marx ein Verhältnis von Menschen . Der Austausch von Waren drückt die Verbindung zwischen den einzelnen Produzenten vermittels des Marktes aus. Das Geld bedeutet, daß diese Verbindung immer enger wird und das gesamte wirtschaftliche Leben der einzelnen Produzenten untrennbar zu einem Ganzen verknüpft. Das Kapital bedeutet eine weitere Entwicklung dieser Verbindung: Die Arbeitskraft des Menschen wird zur Ware. Der Lohnarbeiter verkauft seine Arbeitskraft dem Besitzer des Bodens, der Fabriken, der Arbeitsmittel. Einen Teil des Arbeitstages verwendet der Arbeiter darauf, die zu seinem und seiner Familie Unterhalt notwendigen Ausgaben zu decken (Arbeitslohn), den anderen Teil des Tages jedoch arbeitet der Arbeiter unentgeltlich; er schafft Mehrwert für den Kapitalisten, die Quelle des Profits, die Quelle des Reichtums der Kapitalistenklasse. Die Lehre vom Mehrwert ist der Grundpfeiler der ökonomischen Theorie von Marx.

Das durch die Arbeit des Arbeiters geschaffene Kapital unterdrückt den Arbeiter, ruiniert die Kleinbesitzer und erzeugt eine Armee von Arbeitslosen. In der Industrie ist der Sieg des Großbetriebs auf den ersten Blick sichtbar, aber auch in der Landwirtschaft sehen wir die gleiche Erscheinung: Die Überlegenheit des kapitalistischen landwirtschaftlichen Großbetriebs wächst, die Anwendung von Maschinen nimmt zu, die Bauernwirtschaft gerät in die Schlinge des Geldkapitals, sie verfällt unter der Last ihrer technischen Rückständigkeit dem Niedergang und Ruin. In der Landwirtschaft nimmt der Niedergang des Kleinbetriebs andere Formen an, doch der Niedergang selbst ist eine unbestreitbare Tatsache.

Durch die Zerschlagung der Kleinproduktion bewirkt das Kapital eine Steigerung der Arbeitsproduktivität und die Schaffung einer Monopolstellung der Vereinigungen der Großkapitalisten. Die Produktion selbst wird immer mehr zur gesellschaftlichen Produktion – Hunderttausende und Millionen von Arbeitern werden zu einem planmäßigen Wirtschaftsorganismus zusammengefaßt -, das Produkt der gemeinsamen Arbeit aber eignet sich eine Handvoll Kapitalisten an. Es wachsen die Anarchie der Produktion, die Krisen, die tolle Jagd nach Märkten, die Existenzunsicherheit für die Masse der Bevölkerung. Die kapitalistische Ordnung, die die Abhängigkeit der Arbeiter vom Kapital steigert, schafft gleichzeitig die gewaltige Macht der vereinigten Arbeit.

Von den ersten Anfängen der Warenwirtschaft, vom einfachen Austausch an, verfolgte Marx die Entwicklung des Kapitalismus bis zu seinen höchsten Formen, bis zur Großproduktion. Und die Erfahrungen aller kapitalistischen Länder, der alten wie der neuen, zeigen einer von Jahr zu Jahr wachsenden Zahl von Arbeitern anschaulich die Richtigkeit dieser Lehre von Marx. Der Kapitalismus hat in der ganzen Welt gesiegt, aber dieser Sieg ist nur die Vorstufe zum Sieg der Arbeit über das Kapital.

aus: LW Band 19, S. 5-7

 

 

Aus: W.I. Lenin: KARL MARX

  

DIE ÖKONOMISCHE LEHRE VON MARX

 „Es ist der letzte Endzweck dieses Werks“, sagt Marx im Vorwort zum „Kapital“, „das ökonomische Bewegungsgesetz der modernen Gesellschaft zu enthüllen“, d.h. der kapitalistischen, der bürgerlichen Gesellschaft. Die Erforschung der Produktionsverhältnisse der gegebenen, historisch bestimmten Gesellschaft in ihrer Entstehung, ihrer Entwicklung und ihrem Verfall – das ist der Inhalt der ökonomischen Lehre von Marx. In der kapitalistischen Gesellsdiaft herrscht die Produktion von Waren, und die Marxsche Analyse beginnt daher mit der Analyse der Ware.

 

Der Wert

Eine Ware ist erstens ein Ding, das irgendein menschliches Bedürfnis befriedigt; sie ist zweitens ein Ding, das gegen ein anderes austauschbar ist. Die Nützlichkeit eines Dings macht es zum Gebrauchswert. Der Tauschwert (oder einfach Wert) ist vor allem ein Verhältnis, die Proportion, worin sich eine bestimmte Anzahl von Gebrauchswerten einer Art gegen eine bestimmte Anzahl von Gebrauchswerten anderer Art austauscht. Die tägliche Erfahrung zeigt uns, daß Millionen und Milliarden soldier Tauschakte alle, selbst die verschiedensten und miteinander nicht vergleichbaren Gebrauchswerte fortwährend einander gleichsetzen. Was haben nun diese verschiedenartigen Dinge miteinander gemein, die in einem bestimmten System gesellschaftlicher Verhältnisse fortwährend einander gleichgesetzt werden? Was sie miteinander gemein haben, ist, daß sie Arbeitsprodukte sind. Indem die Menschen Produkte austauschen, setzen sie die verschiedensten Arten von Arbeit einander gleich. Die Warenproduktion ist ein System von gesellschaftlichen Verhältnissen, bei dem die einzelnen Produzenten verschiedenartige Produkte erzeugen (gesellschaftliche Arbeitsteilung) und alle diese Produkte beim Austausch einander gleichgesetzt werden. Das Gemeinsame, das in allen Waren enthalten ist, ist also nicht die konkrete Arbeit eines bestimmten Produktionszweiges, nicht Arbeit einer bestimmten Art, sondern abstrakte menschliche Arbeit, menschliche Arbeit schlechthin. Die gesamte Arbeitskraft einer gegebenen Gesellschaft, die sich in der Summe der Werte aller Waren darstellt, gilt als ein und dieselbe menschliche Arbeitskraft: Milliarden von Tauschakten beweisen das. Folglich stellt jede einzelne Ware nur einen bestimmten Teil der gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit dar. Die Wertgröße wird bestimmt durch das Quantum der gesellschaftlich notwendigen Arbeit oder die zur Herstellung einer gegebenen Ware, eines gegebenen Gebrauchswerts gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit.

„Indem sie“ (die Menschen) „ihre verschiedenartigen Produkte einander im Austausch als Werte gleichsetzen, setzen sie ihre verschiednen Arbeiten einander als menschliche Arbeit gleich. Sie wissen das nicht, aber sie tun es.“ Der Wert ist ein Verhältnis zwischen Personen, wie ein alter Ökonom gesagt hat; er hätte bloß hinzusetzen müssen: ein unter dinglicher Hülle verstecktes Verhältnis. Nur vom Standpunkt des Systems der gesellschaftlichen Produktionsverhältnisse einer bestimmten historischen Gesellschaftsformation, und zwar von Verhältnissen, die in der milliardenmal sich wiederholenden Massenerscheinung des Austausches zum Vorschein kommen, kann man begreifen, was der Wert ist. „Als Werte sind alle Waren nur bestimmte Maße festgeronnener Arbeitszeit.“ Nach eingehender Analyse des Doppelcharakters der in den Waren verkörperten Arbeit geht Marx zur Analyse der Wertform und des Geldes über. Die Hauptaufgabe, die sich Marx dabei stellt, ist die Untersuchung der Entstehung der Geldform des Wertes, die Untersuchung des historischen Prozesses der Entwicklung des Austausches, von den einzelnen, zufälligen Tauschakten („einfache, einzelne oder zufällige Wertform“: ein bestimmtes Quantum einer Ware wird gegen ein bestimmtes Quantum einer anderen Ware ausgetauscht) bis zur allgemeinen Wertform, bei der eine Reihe von verschiedenen Waren gegen ein und dieselbe bestimmte Ware ausgetauscht wird, und bis zur Geldform des Wertes, bei der als diese bestimmte Ware, als das allgemeine Äquivalent, das Gold auftritt. Das Geld als das höchste Produkt der Entwicklung des Austausches und der Warenproduktion vertuscht und verschleiert den gesellschaftlichen Charakter der privaten Arbeiten, den gesellschaftlichen Zusammenhang zwischen den einzelnen Produzenten, die durch den Markt vereinigt sind. Marx unterzieht die verschiedenen Funktionen des Geldes einer außerordentlich eingehenden Analyse, wobei es auch hier (wie überhaupt in den ersten Kapiteln des „Kapitals“) von besonderer Wichtigkeit ist, festzustellen, daß die abstrakte und mitunter scheinbar rein deduktive Form der Darstellung in Wirklichkeit ein gewaltiges Tatsachenmaterial zur Entwicklungsgeschichte des Austausches und der Warenproduktion wiedergibt. „ . . . das Geld . . . setzt… eine gewisse Höhe des Warenaustausches voraus. Die besondren Geldformen, bloßes Warenäquivalent, oder Zirkulationsmittel, oder Zahlungsmittel, Schatz und Weltgeld, deuten, je nach dem verschiednen Umfang und dem relativen Vorwiegen einer oder der andren Funktion, auf sehr verschiedne Stufen des gesellschaftlichen Produktionsprozesses.“ („Das Kapital“, I.)

Der Mehrwert

Auf einer bestimmten Entwicklungsstufe der Warenproduktion verwandelt sich Geld in Kapital. Die Formel der Warenzirkulation war: W (Ware) – G (Geld) – W (Ware), d. h. eine Ware verkaufen, um eine andere zu kaufen. Die allgemeine Formel des Kapitals dagegen ist: G-W-G, d. h. kaufen, um (mit Profit) zu verkaufen. Mehrwert nennt Marx diesen Zuwachs zum ursprünglichen Wert des in Umlauf gesetzten Geldes. Die Tatsache dieses „Zuwachses“ des Geldes im kapitalistischen Umlauf ist allgemein bekannt. Eben dieser „Zuwachs“ verwandelt das Geld in ‚Kapital, als ein besonderes, historisch bestimmtes gesellschaftliches Produktionsverhältnis. Der Mehrwert kann nicht aus der Warenzirkulation entspringen, denn diese kennt nur den Austausch von Äquivalenten; er kann auch nicht aus einem Preisaufschlag entspringen, denn die gegenseitigen Verluste und Gewinne der Käufer und Verkäufer würden sich ausgleichen, es handelt sich aber gerade um eine gesellschaftliche Massen- und Durchschnittserscheinung und nicht um eine individuelle Erscheinung. Um Mehrwert zu erhalten, muß der „Geldbesitzer . . . auf dem Markte eine Ware… entdecken, deren Gebrauchswert selbst die eigentümliche Beschaffenheit besäße, Quelle von Wert zu sein“, eine Ware also, deren wirklicher Verbrauch zugleich Wertschöpfung wäre. Eine solche Ware gibt es. Es ist die Arbeitskraft des Menschen. Ihr Verbrauch ist Arbeit, Arbeit aber schafft Wert. Der Geldbesitzer kauft die Arbeitskraft zu ihrem Wert, der gleich dem Wert jeder anderen Ware durch die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit bestimmt wird, die zu ihrer Herstellung erforderlich ist (d. h. durch die Unterhaltskosten des Arbeiters und seiner Familie). Hat der Geldbesitzer die Arbeitskraft gekauft, so hat er das Recht, sie zu gebrauchen, d. h., sie einen ganzen Tag, sagen wir 12 Stunden, arbeiten zu lassen. Indes erzeugt der Arbeiter im Laufe von 6 Stunden (der „notwendigen“ Arbeitszeit) ein Produkt, durch das sein Lebensunterhalt gedeckt wird, im Laufe der übrigen 6 Stunden (der ,,Surplus“arbeitszeit) aber erzeugt er ein vom Kapitalisten nicht bezahltes „Mehrprodukt oder den Mehrwert. Folglich muß man vom Standpunkt des Produktionsprozesses zwei Teile des Kapitals unterscheiden: das konstante Kapital, das für die Produktionsmittel (Maschinen, Arbeitswerkzeuge, Rohmaterial usw.) verausgabt wird – sein Wert geht (auf einmal oder in Teilen) unverändert auf das fertige Produkt über -, und das variable Kapital, das für die Arbeitskraft verausgabt wird. Der Wert dieses Kapitals bleibt nicht unverändert, sondern nimmt im Arbeitsprozeß durch Schaffung des Mehrwerts zu. Um den Grad der Ausbeutung der Arbeitskraft durch das Kapital auszudrücken, hat man daher den Mehrwert nicht mit dem Gesamtkapital, sondern nur mit dem variablen Kapital zu vergleichen. Die Rate des Mehrwerts, wie Marx dieses Verhältnis nennt, wird also in unserem Beispiel 6:6, d.h. 100 Prozent, betragen.

Historische Voraussetzung für die Entstehung des Kapitals ist erstens die Akkumulation einer bestimmten Geldsumme in den Händen einzelner Personen bei verhältnismäßig hohem Entwicklungsniveau der Warenproduktion im allgemeinen, zweitens das Vorhandensein eines in doppeltem Sinne „freien“ Arbeiters – frei von allen Behinderungen oder Einschränkungen beim Verkauf der Arbeitskraft und frei von Grund und Boden sowie von Produktionsmitteln überhaupt -, eines an keinen Herrn gebundenen Arbeiters, eines „Proletariers“, der nicht anders als vom Verkauf seiner Arbeitskraft existieren kann.

Der Mehrwert kann hauptsächlich durch zwei Methoden vergrößert werden: durch Verlängerung des Arbeitstags („absoluter Mehrwert“) und durch Verkürzung des notwendigen Arbeitstags („relativer Mehrwert“). Bei der Analyse der ersten Methode entwirft Marx ein grandioses Bild vom Kampf der Arbeiterklasse für die Verkürzung des Arbeitstags und vom Eingreifen der Staatsgewalt zuerst zugunsten der Verlängerung des Arbeitstags (14.-17. Jahrhundert) und dann zugunsten seiner Verkürzung (die Fabrikgesetzgebung des 19. Jahrhunderts). Seit dem Erscheinen des „Kapitals“ hat die Geschichte der Arbeiterbewegung in allen zivilisierten Ländern der Welt Tausende und aber Tausende neuer Tatsachen geliefert, die dieses Bild vervollständigen.

Bei seiner Analyse der Produktion des relativen Mehrwerts untersucht Marx die drei historischen Hauptstadien der Erhöhung der Arbeitsproduktivität durch den Kapitalismus: 1. einfache Kooperation; 2. Teilung der Arbeit und Manufaktur,- 3. Maschinerie und große Industrie. Wie tief Marx hier die grundlegenden, typischen Züge der kapitalistischen Entwicklung aufgedeckt hat, wird unter anderem daraus ersichtlich, daß die Untersuchungen über die sogenannte „Kustar“industrie* in Rußland sehr reiches Material zur Illustrierung der beiden ersten von den drei genannten Stadien liefern. Die revolutionierende Wirkung der großen maschinellen Industrie aber, wie sie von Marx im Jahre 1867 beschrieben worden ist, off enbarte sich im Laufe des seitdem verflossenen halben Jahrhunderts in einer ganzen Reihe „neuer“ Länder (Rußland, Japan u. a.).

Weiter. Höchst wichtig und neu ist Marx‘ Analyse der Akkumulation des Kapitals, d. h. der Verwandlung eines Teils des Mehrwerts in Kapital, der Verwendung dieses Teils nicht für die persönlichen Bedürfnisse oder Launen des Kapitalisten, sondern zu neuer Produktion. Marx wies den Fehler der ganzen früheren klassischen politischen Ökonomie (seit Adam Smith) nach, die angenommen hatte, daß aller Mehrwert, der in Kapital verwandelt wird, zu variablem Kapital geschlagen würde. In Wirklichkeit aber zerfällt er in Produktionsmittel plus variables Kapital. Von gewaltiger Bedeutung im Prozeß der Entwicklung des Kapitalismus und seiner Umwandlung in den Sozialismus ist die Tatsache, daß der Anteil des konstanten Kapitals (an der Gesamtsumme des Kapitals) rascher wächst als der des variablen Kapitals.

Indem die Akkumulation des Kapitals die Verdrängung der Arbeiter durch die Maschine beschleunigt und auf dem einen Pol Reichtum, auf dem Gegenpol Elend produziert, erzeugt sie auch die sogenannte „industrielle Reservearmee“, den „relativen Überfluß“ an Arbeitern oder die „kapitalistische Übervölkerung“, die außerordentlich mannigfaltige Formen annimmt und dem Kapital die Möglichkeit bietet, die Produktion außerordentlich rasch zu erweitern. Diese Möglichkeit in Verbindung mit dem Kredit und der Akkumulation des Kapitals in Produktionsmitteln liefert unter anderem den Schlüssel zum Verständnis der ‚Krisen durch Überproduktion, die in den kapitalistischen Ländern periodisch ausbrachen, anfänglich im Durchschnitt alle 10 Jahre, dann in längeren und weniger bestimmten Zeitabständen. Von der Akkumulation des Kapitals auf der Basis des Kapitalismus muß die sogenannte ursprüngliche Akkumulation unterschieden werden: die gewaltsame Trennung des Arbeitenden von den Produktionsmitteln, die Verjagung der Bauern von ihrem Boden, der Raub von Gemeindeländereien, das System der Kolonien, der Staatsschulden, des Schutzzolls usw. Die „ursprüngliche Akkumulation“ erzeugt auf dem einen Pol den „freien“ Proletarier, auf dem Gegenpol den Geldbesitzer, den Kapitalisten.

Die „geschichtliche Tendenz der kapitalistischen Akkumulation“ wird von Marx in folgenden berühmten Worten charakterisiert: „Die Expropriation der unmittelbaren Produzenten wird mit schonungslosestem Vandalismus und unter dem Trieb der infamsten, schmutzigsten, kleinlichst gehässigsten Leidenschaften vollbracht. Das selbst erarbeitete, sozusagen auf Verwachsung des einzelnen, unabhängigen Arbeitsindividuums“ (des Bauern und Handwerkers) „mit seinen Arbeitsbedingungen beruhende Privateigentum wird verdrängt durch das kapitalistische Privateigentum, welches auf Exploitation fremder, aber formell freier Arbeit beruht… Was jetzt zu expropriieren, ist nicht länger der selbstwirtschaftende Arbeiter, sondern der viele Arbeiter exploitierende Kapitalist. Diese Expropriation vollzieht sich durch das Spiel der immanenten Gesetze der kapitalistischen Produktion selbst, durch die Zentralisation der Kapitale. Je ein Kapitalist schlägt viele tot. Hand in Hand mit dieser Zentralisation oder der Expropriation vieler Kapitalisten durch wenige entwickelt sich die kooperative Form des Arbeitsprozesses auf stets wachsender Stufenleiter, die bewußte technische Anwendung der Wissenschaft, die planmäßige Ausbeutung der Erde, die Verwandlung der Arbeitsmittel in nur gemeinsam verwendbare Arbeitsmittel, die Ökonomisierung aller Produktionsmittel durch ihren Gebrauch als Produktionsmittel kombinierter, gesellschaftlicher Arbeit, die Verschlingung aller Völker in das Netz des Weltmarkts, und damit der internationale Charakter des kapitalistischen Regimes. Mit der beständig abnehmenden Zahl der Kapitalmagnaten, welche alle Vorteile dieses Umwandlungsprozesses usurpieren und monopolisieren, wächst die Masse des Elends, des Drucks, der Knechtschaft, der Entartung, der Ausbeutung, aber auch die Empörung der stets anschwellenden und durch den Mechanismus des kapitalistischen Produktionsprozesses selbst geschulten, vereinten und organisierten Arbeiterklasse. Das Kapitalmonopol wird zur Fessel der Produktionsweise, die mit und unter ihm aufgeblüht ist. Die Zentralisation der Produktionsmittel und die Vergesellschaftung der Arbeit erreichen einen Punkt, wo sie unverträglich werden mit ihrer kapitalistischen Hülle. Sie wird gesprengt. Die Stunde des kapitalistischen Privateigentums schlägt. Die Expropriateurs werden expropriiert.“ („Das Kapital“, I.)

Höchst wichtig und neu ist ferner die von Marx im II. Band des „Kapitals“ gegebene Analyse der Reproduktion des gesellschaftlichen Gesamtkapitals. Auch hier untersucht Marx nicht eine individuelle, sondern eine Massenerscheinung, nicht einen Bruchteil der Ökonomie der Gesellschaft, sondern diese ganze Ökonomie in ihrer Gesamtheit. Den obenerwähnten Fehler der Klassiker korrigierend, teilt Marx die gesamte gesellschaftliche Produktion in zwei große Abteilungen: I. Produktion von Produktionsmitteln und II. Produktion von Konsumtionsmitteln, und untersucht eingehend an Hand von Zahlenbeispielen die Zirkulation des gesellschaftlichen Gesamtkapitals im Ganzen, sowohl bei Reproduktion im früheren Umfang als auch bei Akkumulation. Im III. Band des „Kapitals“ wird das Problem der Bildung der Durchschnittsprofitrate auf Grund des „Wertgesetzes gelöst. Ein großer Fortschritt der ökonomischen Wissenschaft ist es, daß Marx bei seiner Analyse von den ökonomischen Massenerscheinungen, von der Gesamtheit der gesellschaftlichen Wirtschaft ausgeht, nicht aber von Einzelfällen oder von äußerlichen Erscheinungen der Konkurrenz, worauf sich die vulgäre politische Ökonomie oder die moderne „Grenznutzentheorie“ oft beschränken. Zunächst analysiert Marx die Entstellung des Mehrwerts, um erst dann zu dessen Spaltung in Profit, Zins und Grundrente überzugehen. Der Profit ist das Verhältnis des Mehrwerts zum gesamten in einem Unternehmen angelegten Kapital.

Kapital von „hoher organischer Zusammensetzung“ (d. h. mit Oberwiegen des konstanten Kapitals über das variable in einem den gesellschaftlichen Durchschnitt übersteigenden Ausmaß) ergibt eine Profitrate, die niedriger ist als die durchschnittliche. Kapital von „niedriger organischer Zusammensetzung“ ergibt eine Profitrate, die höher ist als die durchschnittliche. Die Konkurrenz zwischen den Kapitalen, ihr freies Abwandern aus einem Produktionszweig in den anderen gleichen in-beiden Fällen die Profitrate zur durchschnittlichen aus- Die Summe der Werte aller Waren einer gegebenen Gesellschaft fällt mit der Summe der Warenpreise zusammen; aber in den einzelnen Unternehmungen und in den einzelnen Produktionszweigen werden die Waren unter dem Einfluß der Konkurrenz nicht zu ihren Werten verkauft, sondern zu den Produktionspreisen, die dem aufgewandten Kapital plus Durchschnittsprofit gleich sind.

Die allgemein bekannte und unbestreitbare Tatsache des Abweichens der Preise von den Werten und der Gleichheit des Profits wird also von Marx auf Grund des Wertgesetzes vollauf erklärt, denn die Summe der Werte aller Waren fällt mit der Summe der Preise zusammen. Aber die Zurückführung des (gesellschaftlichen) Wertes auf die (individuellen) Preise ist kein einfacher, unmittelbarer, sondern ein sehr komplizierter Vorgang: Es ist ganz natürlich, daß in einer Gesellschaft zersplitterter Warenproduzenten, die nur durch den Markt miteinander verbunden sind, die Gesetzmäßigkeit sich nicht anders als in einer durchschnittlichen, gesellschaftlichen, massenhaften Gesetzmäßigkeit äußern kann, durch gegenseitige Aufhebung der individuellen Abweichungen nach der einen oder anderen Seite.

Steigerung der Arbeitsproduktivität bedeutet schnelleres Anwachsen des konstanten Kapitals im Vergleich zum variablen. Da aber der Mehrwert Funktion des variablen Kapitals allein ist, so ist es begreiflich, daß die Profitrate (das Verhältnis des Mehrwerts zum gesamten Kapital, nicht aber zu seinem variablen Teil allein) eine Tendenz zum Sinken hat. Marx analysiert eingehend diese Tendenz und eine Reihe sie verhüllender oder ihr entgegenwirkender Umstände. Ohne uns bei der Wiedergabe der außerordentlich interessanten Abschnitte des III. Bandes aufzuhalten, die dem Wucher-, Handels- und Geldkapital gewidmet sind, gehen wir zum Wichtigsten über: zur Theorie der Grundrente. Der Produktionspreis der landwirtschaftlichen Erzeugnisse wird infolge der Beschränktheit der Bodenfläche, die in den kapitalistischen Ländern ganz von Einzelwirtschaften besetzt ist, durch die Produktionskosten nicht auf dem mittleren, sondern auf dem schlechtesten Boden, nicht unter den durchschnittlichen, sondern unter den schlechtesten Bedingungen bestimmt, unter denen das Erzeugnis auf den Markt gebracht wird. Die Differenz zwischen diesem Preis und dem Produktionspreis auf besserem Boden (bzw. unter besseren Bedingungen) ergibt die Unterschieds- oder Differentialrente. Marx analysiert eingehend die Differentialrente, weist nach, daß sie der unterschiedlichen Fruchtbarkeit der einzelnen Grundstücke, der unterschiedlichen Größe des im Boden angelegten Kapitals entspringt, und deckt dadurch (siehe auch die „Theorien über den Mehrwert“, wo die Kritik an Rodbertus besondere Aufmerksamkeit verdient) restlos den Irrtum Ricardos auf, wonach die Differentialrente unbedingt sukzessiven Fortgang von besserem zu schlechterem Boden voraussetze. Im Gegenteil, es findet auch ein umgekehrter Fortgang statt, die Umwandlung einer bestimmten Bodenart in eine andere (dank dem Fortschritt der Agrotechnik, dem Wachstum der Städte usw.), und das vielgerühmte „Gesetz des abnehmenden Bodenertrags“ erweist sich als ein tiefer Irrtum, als ein Versuch, die Unzulänglichkeiten, Beschränktheiten und Widersprüche des Kapitalismus auf die Natur abzuwälzen. Ferner setzt die Gleichheit des Profits in allen Zweigen der Industrie und der Volkswirtschaft überhaupt die volle Freiheit der Konkurrenz voraus, die Freiheit der Übertragung des Kapitals aus einem Produktionszweig in den anderen. Das Privateigentum an Grund und Boden erzeugt indes ein Monopol, eine Schranke für diese freie Übertragung.

Infolge dieses Monopols gehen die Erzeugnisse der Landwirtschaft, die durch eine niedrigere Zusammensetzung des Kapitals und folglich durch eine individuell höhere Profitrate gekennzeichnet ist, nicht in den völlig freien Prozeß der Ausgleichung der Profitrate ein. Der Grundeigentümer als Monopolist erlangt die Möglichkeit, den Preis über dem Durchschnitt zu halten, und dieser Monopolpreis erzeugt die absolute Rente. Die Differentialrente kann, solange der Kapitalismus besteht, nicht abgeschafft werden, die absolute Rente dagegen kann es – z. B. wenn der Boden nationalisiert wird, wenn der Boden in Staatseigentum übergeht.

Ein solcher Übergang würde die Untergrabung des Monopols der Privateigentümer und eine konsequentere, vollkommenere Durchführung der Konkurrenzfreiheit in der Landwirtschaft bedeuten. Aus diesem Grunde sind auch, wie Marx vermerkt, radikale Bourgeois in der Geschichte wiederholt mit dieser progressiven bürgerlichen Forderung nach Nationalisierung des Bodens aufgetreten, die jedoch die Mehrheit der Bourgeoisie abschreckt, da sie noch einem anderen, in unserer Zeit besonders wichtigen und „empfindlichen“ Monopol allzusehr „auf den Leib rückt“: dem Monopol an den Produktionsmitteln überhaupt. (Unübertrefflich populär, gedrängt und klar hat Marx selbst seine Theorie des Durchschnittsprofits des Kapitals und der absoluten Grundrente in dem Brief an Engels vom 2. August 1862 dargelegt. Siehe „Briefwechsel“, Bd. III, S. 77-81; vgl. auch den Brief vom 9. August 1862, ebenda, S. 86/87..M) Zur Geschichte der Grundrente ist es wichtig, auch auf die Analyse von Marx hinzuweisen, die zeigt, wie sich die Arbeitsrente (wobei der Bauer das Mehrprodukt durch seine Arbeit auf dem Boden des Grundherrn erzeugt) in Produkten- oder Naturalrente verwandelt (wobei der Bauer das Mehrprodukt auf seinem eigenen Boden erzeugt, es aber kraft „außerökonomischen Zwanges“ an den Grundherrn abliefert), weiter in Geldrente (dieselbe Naturalrente, aber infolge der Entwicklung der Warenproduktion in Geld umgewandelt, der „obrok“* im alten Rußland) und schließlich in kapitalistische Rente, wobei an Stelle des Bauern der landwirtschaftliche Unternehmer tritt, der den Boden mit Hilfe von Lohnarbeit bestellt. Im Zusammenhang mit dieser Analyse der „Genesis der kapitalistischen Grundrente“ ist auf eine Reihe von tiefschürfenden (und für rückständige Länder wie Rußland besonders mächtigen) Marxschen Gedanken über die Entwicklung des Kapitalismus in der Landwirtschaft zu verweisen. „Die Verwandlung der Naturalrente in Geldrente wird… nicht nur notwendig begleitet, sondern selbst antizipiert durch Bildung einer Klasse besitzloser und für Geld sich verdingender Tagelöhner. Während ihrer Entstehungsperiode, wo diese neue Klasse nur noch sporadisch auftritt, hat sich daher notwendig bei den bessergestellten rentepflichtigen Bauern die Gewohnheit entwickelt, auf eigne Rechnung ländliche Lohnarbeiter zu exploitieren, ganz wie schon in der Feudalzeit die vermögenderen hörigen Bauern selbst wieder Hörige hielten. So entwickelt sich nach und nach bei ihnen die Möglichkeit, ein gewisses Vermögen anzusammeln und sich selbst in zukünftige Kapitalisten zu verwandeln. Unter den alten, selbstarbeitenden Besitzern des Bodens selbst entsteht so eine Pflanzschule von kapitalistischen Pächtern, deren Entwicklung durch die allgemeine Entwicklung der kapitalistischen Produktion außerhalb des flachen Landes bedingt i s t . . . “ („Das Kapital“, III, 332.) „Die Expropriation und Verjagung eines Teils des Landvolks setzt mit den Arbeitern nicht nur ihre Lebensmittel und ihr Arbeitsmaterial für das industrielle Kapital frei, sie schafft den innern Markt.“ („Das Kapital“, I2,778.) Die Verelendung und Ruinierung der Landbevölkerung trägt ihrerseits dazu bei, daß eine Reservearmee von Arbeitern für das Kapital geschaffen wird. In jedem kapitalistischen Land „befindet sich daher ein Teil der Landbevölkerung fortwährend im Übergang zur Metamorphose in städtische oder Manufakturbevölkerung… (Manufaktur hier im Sinn aller nichtagrikolen Industrie.)

Diese Quelle der relativen Übervölkerung fließt also beständig . . . Der Landarbeiter wird daher auf das Minimum des Salärs herabgedrückt und steht mit einem Fuß stets im Sumpf des Pauperismus.“ („Das Kapital“, I2, 668.) Das Privateigentum des Bauern am Boden, den er bestellt, ist die Grundlage des Kleinbetriebs und die Bedingung seiner Blüte, die Voraussetzung dafür, daß er seine klassische Form erreicht. Aber dieser Kleinbetrieb ist nur mit engen, primitiven Schranken der Produktion und der Gesellschaft vereinbar. Im Kapitalismus „unterscheidet sich die Exploitation der Bauern von der Exploitation des industriellen Proletariats nur durch die Form. Der Exploiteur ist derselbe: das Kapital.

Die einzelnen Kapitalisten exploitieren die einzelnen Bauern durch die Hypotheke und den Wucher, die Kapitalistenklasse exploitiert die Bauernklasse durch die Staatssteuer.“ („Die Klassenkämpfe in Frankreich“.) „Die Parzelle des Bauern ist nur noch der Vorwand, der dem Kapitalisten erlaubt, Profit, Zinsen und Rente von dem Acker zu ziehn und den Ackerbauer selbst zusehn zu lassen, wie er seinen Arbeitslohn herausschlägt.“ („Der achtzehnte Brumaire“.) In der Regel tritt der Bauer sogar der kapitalistischen Gesellschaft, d. h. der Kapitalistenklasse, einen Teil des Arbeitslohns ab und sinkt „auf die Stufe des irischen Pächters“ herab — „und alles unter dem Vorwande, Privateigentümer zu sein“. („Die Klassenkämpfe in Frankreich“.) Worin bestellt nun „eine der Ursachen, warum der Getreidepreis in Ländern vorherrschenden Parzelleneigentums niedriger steht als in den Ländern kapitalistischer Produktionsweise“? („Das Kapital“, III, 340.) Darin, daß der Bauer der Gesellschaft (d. h. der Kapitalistenklasse) einen Teil des Mehrprodukts umsonst abgibt. „Dieser niedrigere Preis“ (des Getreides und anderer landwirtschaftlicher Produkte) „ist also ein Resultat der Armut der Produzenten und keineswegs der Produktivität ihrer Arbeit.“ („Das Kapital“, III, 340.) Das Parzelleneigentum, die normale Form des Kleinbetriebs, wird unter dem Kapitalismus degradiert, zerstört und geht unter. „Das Parzelleneigentum schließt seiner Natur nach aus: Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte der Arbeit, gesellschaftliche Formen der Arbeit, gesellschaftliche Konzentration der Kapitale, Viehzucht auf großem Maßstab, progressive Anwendung der Wissenschaft. Wucher und Steuersystem müssen es überall verelenden. Die Auslage des Kapitals im Bodenpreis entzieht dies Kapital der Kultur. Unendliche Zersplitterung der Produktionsmittel und Vereinzelung der Produzenten selbst.“ (Kooperativen, d. h. Genossenschaften von Kleinbauern, die eine außerordentlich große bürgerlich-progressive Rolle spielen, vermögen diese Tendenz nur abzuschwächen, ohne sie jedoch aufzuheben; man darf auch nicht vergessen, daß diese Genossenschaften den vermögenden Bauern viel, der Masse der Dorfarmut aber sehr wenig, fast gar nichts einbringen und daß die Genossenschaften überdies selbst zu Ausbeutern von Lohnarbeit werden.) „Ungeheure Verschwendung von Menschenkraft. Progressive Verschlechterung der Produktionsbedingungen und Verteuerung der Produktionsmittel ein notwendiges Gesetz des Parzelleneigentums.“ In der Landwirtschaft gestaltet der Kapitalismus ebenso wie in der Industrie den Produktionsprozeß nur um den Preis der „Martyrologie der Produzenten“ um. „Die Zerstreuung der Landarbeiter über größre Flächen bricht zugleich ihre Widerstandskraft, während Konzentration die der städtischen Arbeiter steigert.

Wie in der städtischen Industrie wird in der modernen (kapitalistischen) Agrikultur die gesteigerte Produktivkraft und größre Flüssigmachung der Arbeit erkauft durch Verwüstung und Versiechung der Arbeitskraft selbst. Und jeder Fortschritt der kapitalistischen Agrikultur ist nicht nur ein Fortschritt in der Kunst, den Arbeiter, sondern zugleich in der Kunst, den Boden zu berauben… Die kapitalistische Produktion entwickelt daher nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquellen allen Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter.“ („Das Kapital“, I, Schluß des 13. Kapitels.)

aus: LW Band 21, S. 48-60

 

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