Lenins Imperialismusanalyse und der Antikommunismus der jungen Welt

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Achtung! ANTIKOMMUNISMUS im Gewand der „jungen Welt“

Vor etlichen Monaten druckte die sich selbst marxistisch nennende Tageszeitung „junge Welt“ in ihren Wochenendbeilagen vom 15./16.12.2017 (und weitere) Auszüge aus Rosa Luxemburgs Werk „Die Akkumulation des Kapitals. Ein Beitrag zur ökonomischen Erklärung des Imperialismus“ von 1913 aus dem „Dritten Abschnitt. Die geschichtlichen Bedingungen der Akkumulation“ ab (In: Rosa Luxemburg, Gesammelte Werke, Band 5, S. 279-411). Dabei veröffentlichten die „Marxisten“ der „jungen Welt“ genau die Textstellen von Rosa Luxemburg, in denen sie falsch lag und den Leninismus angriff. Was es dazu zu sagen gibt, hat der Genosse, DDR-Ökonom und –Politiker Fred Oelßner in seiner kritischen biographischen Skizze zu „Rosa Luxemburg“ (Berlin/DDR, 1951, S. 164-185 „Die ökonomische Konzeption“) dargelegt. Wer sich also genauer mit der Akkumulation des Kapitals und seinen Folgen auseinandersetzen möchte, dem seien die Marxschen Originalstellen in „Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie“ und W.I. Lenins Schrift „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ von 1916 (In Lenin-Werke Band 22, S. 189-309) empfohlen.

Allerdings sei vor der jüngst im „Verlag 8. Mai“, dem Verlag der auch die „junge Welt“ herausgibt, erschienen „kritischen Neuausgabe“ der klassischen Leninschen Schrift über den Imperialismus gewarnt. Hier werden neben dem Originaltext von Lenin zwei Aufsätze sowie Kommentare und Quellen von ausgemachten Antikommunisten abgedruckt. Der erste Aufsatz von Dietmar Dath kommt noch moderat daher. Er versteht sich als Kommunist, lobt Lenin und dessen dialektische Methode und verteidigt ihn gegen pseudolinke Antideutsche sowie gegen Versöhnler mit dem Imperialismus, wie Antonio Negri.

Mit dem zweiten Kommentar aber wird der ganze Zweck der Neuausgabe deutlich. Autor ist Christoph Türcke, Theologe und Philosophie-Professor. Er bescheinigt Lenin, die „Erneuerbarkeit des Imperialismus“ nicht verstanden zu haben, die er als „Deregulierung“ lobpreist. Die Große Sozialistische Oktoberrevolution, mit der der I. Weltkrieg beendet und die Voraussetzungen für den Aufbau des Sozialismus geschaffen worden sind, ist für Türcke eine „sozialistische Rosskur, die Lenin einleitete, […] furchtbar und durch nichts zu rechtfertigen“ (S. 32). So wird Geschichte auf den Kopf gestellt: Der Überfall von Truppen aus 14 Ländern auf das revolutionäre Russland, die Massaker, die diese gestützt auf Kirche und Großgrundbesitzer anrichteten, und der dadurch notwendige Bürgerkrieg zur Verteidigung der jungen Sowjetmacht – für alles macht Türcke kurzerhand Lenin verantwortlich. Es war aber das blutige Werk der Konterrevolution.

Die beiden Herausgeber schließlich, die auch die Kommentare und Verzeichnisse verfasst haben, haben sich vor allem als Antikommunisten einen Namen gemacht: Wladislaw Hedeler als Autor von Büchern über den „großen Terror“, eine entsprechende Bucharin-Biographie usw.; und Volker Külow als Mitglied der „Linkspartei“. Das ist also Lenin „neu herausgeben“: Zum Abgewöhnen und damit niemand auf die Idee kommt, Lehren für heute aus Lenins Genialität – in Theorie und Praxis – zu ziehen. Statt also 24,90 Euro für das Machwerk der antikommunistischen „jungen Welt“ zum Fenster hinauszuschmeißen, empfiehlt sich die Originalschrift „Der Imperialismus als höchstes Stadium der Kapitalismus“ von W.I. Lenin oder den Band 22 der Lenin-Werke für ein paar Euro antiquarisch zu besorgen.

(Gestützt auf die „Rote Fahne der MLPD“ Nr. 5/2018, S. 33)

 

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