W.I. Lenin: Erst Klarheit, dann Einheit!

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Im Folgenden wird ein Ausschnitt aus der „Ankündigung der Redaktion der Iskra“ von W.I. Lenin (veröffentlicht 1900 als Sonderdruck der „Iskra“, Lenin-Werke (LW) Band 4, S. 348-354) abgedruckt. Grundsätzlich sind diese Ausführungen Lenins auch heute von großer Bedeutung bei der Arbeit für die Schaffung der Kommunistischen Partei in der BRD und sie geben uns das richtige Handwerkszeug für den Kampf um den Wiederaufbau der KPD an die Hand:

WI Lenin

W.I. Lenin:

ANKÜNDIGUNG DER REDAKTION DER „ISKRA“

(September 1900)

 

[…] Die Partei schaffen und festigen heißt die Vereinigung aller russischen Sozialdemokraten schaffen und festigen, aus den oben aufgezeigten Gründen aber läßt sich eine solche Vereinigung nicht dekretieren; sie kann nicht durch den bloßen Beschluß irgendeiner, sagen wir, Versammlung von Delegierten herbeigeführt, sondern muß allmählich entwickelt werden. Entwickelt werden muß erstens eine feste ideologische Vereinigung, die das Durcheinander und die Verwirrung beseitigt, die — seien wir offen — gegenwärtig bei den russischen Sozialdemokraten herrschen; und diese ideologische Vereinigung muß verankert werden durch ein Parteiprogramm. Zweitens muß eine Organisation entwickelt werden, die speziell der Verbindung zwischen allen Zentren der Bewegung, der Beschaffung vollständiger und rechtzeitiger Informationen über die Bewegung und der regelmäßigen Versorgung aller Teile Rußlands mit der periodischen Presse dient. Erst wenn eine solche Organisation geschaffen ist, wenn eine russische sozialistische Post besteht, wird die Partei festen Bestand haben und zu einer realen Tatsache, also auch zu einer mächtigen politischen Kraft werden. Der ersten Hälfte dieser Aufgabe, d. h. der Schaffung einer gemeinsamen, prinzipienfesten Literatur, die imstande wäre, die revolutionäre Sozialdemokratie ideologisch zu vereinigen, beabsichtigen wir unsere Kräfte zu widmen, da wir hierin ein dringendes Bedürfnis der gegenwärtigen Bewegung und einen notwendigen vorbereitenden Schritt zur Wiederaufnahme der Tätigkeit der Partei erblicken.

Wie wir bereits sagten, muß die ideologische Vereinigung der russischen Sozialdemokraten erst geschaffen werden, wozu, unseres Erachtens, eine offene und allseitige Erörterung der wichtigsten prinzipiellen und taktischen Fragen notwendig ist, die von den heutigen „Ökonomisten“, Bernsteinianern und „Kritikern“ aufgeworfen worden sind. Bevor wir uns vereinigen und um uns zu vereinigen, müssen wir uns zuerst entschieden und bestimmt voneinander abgrenzen. Sonst wäre unsere Einigung lediglich eine Fiktion, die die vorhandene Zerfahrenheit verhüllt und ihre radikale Beseitigung verhindert. Es ist also begreiflich, daß wir nicht die Absicht haben, unser Organ zu einem einfachen Sammelplatz der verschiedenartigen Anschauungen zu machen. Wir werden es im Gegenteil im Geiste einer streng festgelegten Richtung führen. Diese Richtung kann durch ein Wort gekennzeichnet werden: Marxismus, und es braucht wohl kaum hinzugefügt zu werden, daß wir für die konsequente Entwicklung der Ideen von Marx und Engels eintreten und jene halbschlächtigen, verschwommenen und opportunistischen Korrekturen entschieden ablehnen, die jetzt nach dem Beispiel Ed. Bernsteins, P. Struves und vieler anderer so sehr in Mode gekommen sind. Wenn wir auch alle Fragen yon unserem eigenen bestimmten Standpunkt aus erörtern, so lehnen wir doch eine Polemik zwischen Genossen in unserem Organ keineswegs ab. Eine offene Polemik vor allen russischen Sozialdemokraten und klassenbewußten Arbeitern ist notwendig und wünschenswert, damit die Tiefe der bestehenden Meinungsverschiedenheiten klargelegt, die strittigen Fragen allseitig erörtert und die Extreme bekämpft werden können, in die nicht nur Vertreter“ verschiedener Auffassungen unweigerlich verfallen, sondern sogar Vertreter verschiedener Gegenden oder verschiedener „Professionen“ der revolutionären Bewegung. Wir betrachten es sogar, wie bereits oben erwähnt, als einen Mangel der gegenwärtigen Bewegung, daß die offene Polemik zwischen offenkundig auseinandergehenden Anschauungen fehlt, daß man bestrebt ist, Meinungsverschiedenheiten in sehr ernsten Fragen verborgen zu halten.

Wir wollen nicht alle Fragen und Themen einzeln aufzählen, die zum Programm unseres Blattes gehören, denn dieses Programm ergibt sich ganz von selbst aus der allgemeinen Auffassung von dem, was eine unter den gegebenen Verhältnissen erscheinende politische Zeitung zu sein hat.

Wir werden nach Maßgabe unserer Kräfte danach streben, daß alle russischen Genossen unsere Publikation als ihr Organ betrachten, dem jede Gruppe alle Informationen über die Bewegung zukommen- läßt, dem sie Mitteilung macht über ihre Erfahrungen, über ihre Ansichten, über ihre Anforderungen an die Literatur, ihre Beurteilung der sozialdemokratischen Publikationen, mit einem Wort, dem sie alles mitteilt, was sie in die Bewegung hineinträgt und was sie aus ihr gewinnt. Nur unter dieser Bedingung wird es möglich sein, ein wirklich gesamtrussisches sozialdemokratisches Organ zu schaffen. Nur ein solches Organ ist imstande, die Bewegung auf den breiten Weg des politischen Kampfes hinauszuführen. „Den Rahmen ausdehnen und den Inhalt unserer propagandistischagitatorischen und organisatorischen Tätigkeit erweitern“ — diese Worte P. B. Axelrods müssen zu der Losung werden, die die Tätigkeit der russischen Sozialdemokraten in nächster Zeit bestimmt, und diese Losung nehmen wir in das Programm unseres Organs auf. […]

Quelle: Lenin-Werke Band 4, S. 351-353

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