Reichskonferenz der Spartakusgruppe im Oktober 1918

karl liebknechtrosa luxemburg

Am 7. Oktober 1918 reagierte die Spartakusgruppe auf die Verfassungsänderung und Regierungsbeteiligung der SPD in der Oktoberreform vom 5. Oktober 1918 mit einer illegal abgehaltenen Reichskonferenz in Berlin. Dort wurde ein revolutionäres Programm gegen Krieg und Kapitalismus beschlossen. Gefordert wurden:

– das sofortige Kriegsende,
– Annullierung sämtlicher Kriegsanleihen ohne jede Entschädigung,
– Erkämpfung demokratischer Rechte und Freiheiten,
– eine umfassende Justizreform zur Abschaffung des Klassenwahlrechts und der Klassenjustiz,
– die basisdemokratische Entmachtung und Entwaffnung des kaiserlichen Offizierskorps,
– die Sozialisierung der Produktionsmittel, die Enteignung des gesamten Bankkapitals, der Bergwerke und Hütten – also der kriegsentscheidenden Schwerindustrie, vor allem der Rüstungsindustrie,
– schließlich die Errichtung einer sozialistischen Republik.

Besonders detailliert waren die Forderungen zur Demokratisierung des Heeres, da diese als Schlüssel für eine erfolgreiche Revolution angesehen wurde:

– Verleihung des Vereins- und Versammlungsrechtes an die Soldaten in dienstlichen und außerdienstlichen Angelegenheiten,
– Aufhebung des Disziplinarstrafrechts der Vorgesetzten; die Disziplin wird durch Soldatendelegierte aufrechterhalten,
– Aufhebung der Kriegsgerichte,
– Entfernung von Vorgesetzten auf Mehrheitsbeschluss der ihnen Untergebenen hin,
– Abschaffung der Todesstrafe und der Zuchthausstrafen für politische und militärische Vergehen.

Die Spartakusgruppe gab ein reichsweites Flugblatt mit diesen Forderungen heraus. Sie betonte, diese seien ein Prüfstein für die tatsächlichen Demokratisierungsabsichten der SPD, deren Eintreten in die kriegführende Regierung sie als Betrug an den wahren Arbeiterinteressen ansah.

Die Spartakusgruppe bezog sich auf das von Karl Marx und Friedrich Engels 1848 veröffentlichte Manifest der Kommunistischen Partei und bekannte sich zur „Diktatur des Proletariats“, somit zur Kontrolle der Arbeiter über die Produktionsmittel und Betriebe.

Quelle

Weitere Informationen gibt es im Band 3 der „Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung“ (Dietz-Verlag, Berlin/DDR, 1966, S. 70-86) und im „Bericht von der Reichskonferenz der Spartakusgruppe am 7. Oktober 1918 mit Resolution und Aufruf der Konferenz“ (In: „Dokumente und Materialien zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung“ Band 2, Dietz-Verlag, Berlin, 1957, S. 228-234)

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