„Sozialismus in den Farben der DDR“ – Über den Revisionismus Erich Honeckers – Überarbeitete Version

Im Folgenden spiegle ich einen Artikel, der zuerst auf http://www.die-rote-front.de veröffentlicht worden ist (Quelle):

Der Artikel kann auch hier als PDF heruntergeladen werden.

Vorwort 1

Diesem Thema wurde aus meiner Sicht jahrzehntelang nicht die notwendige Aufmerksamkeit ge­widmet. Womöglich lag das daran, dass Erich Honecker nach 1990 Mitglied der KPD war und man aus gewissen persönlichen Gründen keine Kritik an ihm üben wollte. Was auch immer die Gründe nun gewesen sein mögen, für einen Marxisten hat nur die objektive Realität Gültigkeit und keine subjektiven Wünsche, keine persönlichen Kungeleien. Mit dieser Überzeugung werde ich auch die­ses Thema behandeln.

Kritik muss an allem geübt werden, um es beurteilen zu können. Ein Fetisch, den man nicht kritisie­ren darf, dürfte jedem, der den dialektischen Materialismus verstanden hat, unbekannt sein. Da ist auch Erich Honecker keine Ausnahme, trotz seines Parteibuches, trotz seiner Lippenbekenntnisse zum Sozialismus. Was letztendlich zählt bei der Bewertung einer Person sind primär die Taten, nicht die Worte.

Zur Form dieses Artikels: Dieser Artikel wird neben einem Abschnitt zur Zeit vor 1971 hauptsächlich die Jahre 1971 bis 1989/90 behandeln, also die Honecker-Ära. Die chronologische Abfolge der Ka­pitel orientiert sich an den Parteitagen der SED. Ausnahme bilden die Kapitel über Honeckers Ver­hältnis zum Maoismus und den „Sozialismus in den Farben der DDR“. Zum Inhalt des Artikels: Der Artikel befasst sich mit der revisionistischen Verwandlung der SED, an der Erich Honecker maßge­benden Einfluss hatte, samt der Anhängerschaft seiner Clique1. Also sei, aufgrund seiner führenden Rolle, der Name Honecker nicht bloß als Einzelperson verstanden, sondern auch als pars pro toto („Ein Teil der für das Ganze steht“).

Nun, genug der Worte vorab – jetzt geht es zur Sache!

Vorwort 2

Ich habe den Artikel etwas überarbeitet aufgrund von Materialien, die mir erst jetzt vorliegen und einiger kritischer Anmerkungen von Seiten der Leser. Es handelt sich prinzipiell um Ergänzungen. Ich werde hier aufzeigen, was ergänzt wurde, um dem werten Leser, der wohl die erste Ausgabe bereits gelesen hat, die Suche zu erleichtern, sodass er nicht den kompletten Artikel nochmals le­sen muss. Ein paar Materialien lagen mir schon zur Zeit der Erstveröffentlichung vor, aber ich konn­te sie aufgrund scheinbar mangelnden Themenbezugs nicht nutzen (Kurt Gossweilers Ausfüh­rungen zur Verschwörung um Noel Field) oder habe sie nicht verwendet, weil mir entfallen ist, dass diese (Tschou Enlais Rede auf dem X. Parteitag der KPCh im Jahre 1973, wo er sagte, dass die VR China bereit sei mit der Sowjetunion friedliche Koexistenz zu betreiben, wie sie es mit den USA im Jahre 1972 vereinbarten und Walter Ulbrichts Warnung im September 1968 vor Brzezinskis „Alter­native zur Spaltung“-Taktik, welche Brandt als „Neue Ostpolitik“ mit dem Ziel des „Wandels durch Annäherung“ auch umsetzte).

Im ersten Kapitel behandelte ich in der Version der Erstveröffentlichung nur die Person Wilhelm Za­isser, wobei Erich Honecker auch Fred Oelßner, der in Verbindung mit der Schirdewan-Clique die Dekollektivierung forderte, und Franz Dahlem, der bei der Liquidierung der KPD-Auslandsleitung in Frankreich im Jahre 1939 beteiligt war und auch zu Paul Merker Kontakt hatte. Auch belobigt Ho­necker einige weniger bedeutsame Anhänger der Zaisser-Herrnstadt-Clique, die ich ebenfalls er­gänzt habe samt Informationen. Zu diesen liegen mir nun Quellmaterialien vor.

Im vorletzten Kapitel behandelte ich den „Sozialismus in den Farben der DDR“. Zu diesem liegen mir nun mehr Dokumente vor, hauptsächlich digitalisierte Bestände von Sitzungen des ZK und PB und die Gesprächsprotokolle seiner China-Reise 1986, sowie einige bemerkenswerte Aussagen Ho­neckers in seinem Moskau-Interview im Jahre 1991, auf welche mich ein Leser aufmerksam mach­te.

Das letzte Kapitel vor den Schlussbemerkungen wurde neue hinzugefügt. Es behandelt Honeckers Ansichten nach 1990 (hauptsächlich das Moskau-Interview und dessen Widersprüche zu seinem Kenntnisstand).

Dies sind die Änderungen.

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Demo für Musa Aşoğlu am 15.12. in Hamburg

Im Folgenden spiegle ich einen Demo-Aufruf, der zuerst auf http://www.demvolkedienen.org veröffentlicht worden ist (Quelle):

Im folgenden der Aufruf zu einer Demo „Freiheit für Musa Aşoğlu“ am 15.12. um 12 Uhr in Hamburg den wir gerne teilen:

Freiheit für Musa Aşoğlu

Unser Freund und Genosse Musa Asoglu wurde am 2. Dezember 2016 in Hamburg verhaftet und befand sich über 20 Monate in Totalisolation. Das heißt, er war 23 Stunden am Tag in der Zelle eingesperrt und durfte an keinen Gemeinschaftsaktivitäten im Knast teilnehmen. Dass seine Isolationsfolter Mitte September aufgehoben wurde, ist auch ein Erfolg unserer Öffentlichkeitsarbeit! Vorgeworfen wird ihm die Mitgliedschaft in der DHKP-C, einer marxistisch-leninistischen Organisation, die in der Türkei für Sozialismus, eine Gesellschaft ohne Unterdrückung und Ausbeutung kämpft. Dabei wird ihm mit Hilfe des §129b eine führende Rolle in der DHKP-C unterstellt. Und dies, obwohl ihn ein belgisches Gericht im Jahr 2007 von eben diesem Vorwurf frei gesprochen hat. Seit dem 25. Januar 2018 läuft der Prozess vor dem OLG Hamburg gegen unseren Genosssen und wird Anfang 2019 zu Ende gehen. Für uns Grund genug, am 15.12. in Hamburg zu einer kämpferischen Demonstration aufzurufen, um unsere Solidarität mit Musa auszudrücken!

Musa ist ein türksicher Revolutionär und kam schon als Kind in die Niederlande. In seiner Jugend begann er sich für linke Politik zu interessieren und engagierte sich im antifaschistischen Kampf. Er prangerte in der europäischen Öffentlichkeit die Politik des Verschwindenlassens durch Todesschwadrone an, welche tausende Oppositionelle, GewerkschafterInnen und kurdische PolitikerInnen entführten und hinrichteten. Er kümmerte sich um die Belange der politischen Gefangenen weltweit und organisierte Symposien, Pressekonferenzen und Demonstrationen. Seine Hingabe für die politischen Gefangenen brachte ihm die Aufmerksamkeit der faschistoiden Türkei ein, in der er als Staatsfeind gilt. Das er heute als führendes Mitglied der DHKP-C vor Gericht steht, ist Konstrukt des Verfassungsschutzes. In einer Erklärung beschuldigte Musa den Staatschutzsenat mit diesem Konstrukt der DHKP-C zu arbeiten. »Es gibt keine Organisation mit der Bezeichnung DHKP-C«, sagte er. Er äußerte, dass die DHKP (Revolutionäre Volksbefreiungspartei) und die DHKC (Revolutionäre Volksbefreiungsfront, der militärische Arm) existierten. Doch auch der deutsche und US- amerikanische Imperialismus verfolgen Musa gnadenlos. Die USA haben neben der Türkei (1,2 Millionen Euro) ein Kopfgeld von 3 Millionen Dollar auf ihn ausgesetzt. Sowohl die Türkei, als auch die USA haben seine Auslieferung beantragt.

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„Menschenrechtslage“ in der DVR Korea

logo rodong sinmun

Die deutsche Redaktion der „Stimme Koreas“ veröffentlichte in ihrem Programm am 26.11.2018 den folgenden Kommentar:

Kommentar zu den Menschenrechten

Die Zeitung „Rodong Sinmun“ vom 26. November brachte den Kommentar einer Privatperson namens Ri Sung Kwon mit dem Titel „Die böse Absicht der USA hinter der Menschenrechtskampagne“.
Historisch gesehen, so hieß es im Kommentar, haben die USA lauthals die so genannten Menschenrechten in Nordkorea im Munde geführt, und diese feindselige Kampagne erwies sich heute als sinnlos. Trotzdem hängen die USA immer noch daran und inszenieren weiter billiges Kasperltheater.
Die angeblichen Menschenrechtesprobleme in Nordkorea sind Fälschung und Sophisterei, die gar keine Gültigkeit und reale Begründung hat. Die Argumente, die sie vorlegen, sind bloß das haltlose dumme Gerede von den unverschämten Leuten, die gegen das Vaterland und Volk unverzeihliche Verbrechen begingen, ihre Eltern und Kinder alleinließen und die Republikflucht ergriffen.
Der Kommentator entlarvte ausführlich die Menschenrechtsverletzungen in den USA und bezeichnete ihre Nordkorea-Menschenrechtskampagne als eine einseitige und parteiische Feindseligkeit ohne Gerechtigkeit und Unvoreingenommenheit.
In der Vergangenheit, so fuhr er fort, hatte der japanische Imperialismus 8,4 Mio. Koreaner zu tödlichem Krieg und Zwangsarbeit ent- und abgeführt, 200 000 koreanische Frauen zu Sexualsklavinnen gemacht und über 1 Million Koreaner bestialisch ermordet. Aber die USA haben bis jetzt diese extremen Inhumanitäten weder verurteilt noch kriminalisiert.
Mit dem törichten Kasperltheater verfolgen die USA das Ziel, das Image unserer Republik zu beeinträchtigen, somit ihre Sanktionen und Embargos zu legitimieren, bei den koreanisch-amerikanischen Verhandlungen dem Gesprächspartner das Zugeständnis abzuringen und schließlich ihre Ambitionen auf den Sturz des Staatssystems der DVRK zu verwirklichen.
Die Vereinigten Staaten von Amerika sollen sich nicht mehr unsinnig benehmen, die geänderte strategische Position der DVRK und Lageentwicklung richtig einsehen und vernünftig handeln.
Auch die Länder und Kräfte, die den USA untertänig folgen, sollen,  wenn sie ein bißchen Gewissen und Vernunft haben, sich nicht der anachronistischen Nordkorea-Unterdrückungskampagne unter dem Tarnnamen „Menschenrechtsschutz“ anschließen und mit eigenem Kopf leben.

Quelle: http://www.vok.rep.kp/CBC/index.php?CHANNEL=9&lang=

Welche Partei braucht das Proletariat? Die KPD!

Diese Frage wird auch heute von verschiedenen „Linken“, die sich zum Teil auch selbst Kommunistinnen und Kommunisten nennen, verschieden beantwortet. Oft versuchen sie dabei ihre Nachtrabpolitik an die aktuell entstehenden demokratischen, linken „Massen“bewegungen (wie jüngst wieder die Sammlungsbewegung „aufstehen“ oder die Proteste gegen die Faschisierung des BRD-Staates in der Protestbewegung gegen die verschiedenen Polizeigesetze usw. zeigen) als „kommunistische Volksfrontpolitik“ zu verkaufen. Dabei gehen sie – ob subjektiv bewusst oder nicht – den Weg der Liquidation der Kommunistischen Partei, wie sie von J.W. Stalin in dem Kapitel „VIII. Die Partei“ seiner Schrift „Über die Grundlagen des Leninismus“ (von 1924) definiert wird (In: J.W. Stalin Werke, Band 6, S. 149-164):

jw stalin

J.W. Stalin:

Über die Grundlagen des Leninismus

(1924)

[…]

VIII. Die Partei

In der vorrevolutionären Periode, in der Periode der mehr oder weniger friedlichen Entwicklung, als die Parteien der II. Internationale in der Arbeiterbewegung die herrschende Kraft darstellten und die parlamentarischen Kampfformen als die Grundformen galten – unter diesen Bedingungen hatte die Partei nicht die ernste und entscheidende Bedeutung und konnte diese auch nicht haben, wie die Partei sie dann unter den Bedingungen der offenen revolutionären Schlachten gewann. Zur Verteidigung der II. Internationale gegen verschiedene Angriffe erklärte Kautsky, dass die Parteien der II. Internationale ein Friedensinstrument und kein Kriegsinstrument seien, dass sie gerade deshalb nicht imstande gewesen seien, während des Krieges, in der Periode der revolutionären Aktionen des Proletariats, irgendetwas Ernstes zu unternehmen. Das ist völlig richtig. Aber was bedeutet das? Das bedeutet, dass die Parteien der II. Internationale untauglich sind für den revolutionären Kampf des Proletariats, dass sie keine Kampfparteien des Proletariats sind, die die Arbeiter zur Macht führen, sondern ein Wahlapparat, der für Parlamentswahlen und den parlamentarischen Kampf eingerichtet ist. Daraus erklärt sich eigentlich auch die Tatsache, dass in der Periode der Herrschaft der Opportunisten der II. Internationale nicht die Partei, sondern die Parlamentsfraktion die maßgebende politische Organisation des Proletariats war.

Es ist bekannt, dass die Partei in dieser Periode in Wirklichkeit ein Anhängsel und dienstbares Element der Parlamentsfraktion war. Es erübrigt sich wohl nachzuweisen, dass unter solchen Bedingungen und mit einer solchen Partei an der Spitze von einer Vorbereitung des Proletariats auf die Revolution nicht einmal die Rede sein konnte. Die Sache änderte sich jedoch von Grund aus mit dem Anbruch der neuen Periode. Die neue Periode ist die Periode offener Zusammenstöße der Klassen, die Periode revolutionärer Aktionen des Proletariats, die Periode der proletarischen Revolution, die Periode der direkten Vorbereitung der Kräfte zum Sturz des Imperialismus, zur Ergreifung der Macht durch das Proletariat. Diese Periode stellt dem Proletariat neue Aufgaben: die gesamte Parteiarbeit auf neue, auf revolutionäre Art umzubauen, die Arbeiter im Geiste des revolutionären Kampfes um die Macht zu erziehen, Reserven auszubilden und heranzuziehen, das Bündnis mit den Proletariern der benachbarten Länder herzustellen, feste Verbindungen mit der Befreiungsbewegung der Kolonien und der abhängigen Länder zu schaffen usw. usf. Zu glauben, dass diese neuen Aufgaben mit den Kräften der alten sozialdemokratischen Parteien, die in den friedlichen Verhältnissen des Parlamentarismus erzogen wurden, gelöst werden können – heißt sich zu hoffnungsloser Verzweiflung, zu einer unausbleiblichen Niederlage verurteilen. Die alten Parteien weiter an der Spitze zu belassen, wo man solche Aufgaben zu bewältigen hat, heißt völlig ungerüstet dastehen. Es erübrigt sich wohl nachzuweisen, dass das Proletariat sich mit einer solchen Sachlage nicht abfinden konnte.

Daraus folgt die Notwendigkeit einer neuen Partei, einer Kampfpartei, einer revolutionären Partei, die kühn genug ist, die Proletarier in den Kampf um die Macht zu führen, die genügend Erfahrung hat, um sich in den komplizierten Verhältnissen der revolutionären Situation zurechtzufinden, und genügend Elastizität besitzt, um Klippen jeder Art auf dem Wege zum Ziel zu umgehen.

Ohne eine solche Partei ist an einen Sturz des Imperialismus, an die Eroberung der Diktatur des Proletariats gar nicht zu denken. Diese neue Partei ist die Partei des Leninismus.

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Die Leninisierung Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs – Zum 100. Jahrestag der Gründung der KPD und des Spartakusaufstandes

100 Jahre KPD Einladung

Nachstehend wird hier ein Artikel der KPD Hessen wiedergegeben (Quelle):

Der Artikel kann hier auch als PDF heruntergeladen werden.

Unsere Partei hat ihren 100. Jahrestag, so auch der Spartakusaufstand, der unter der Führung der KPD stattfand und in dessen Folge Karl und Rosa von Freikorps-Faschisten im Auftrage Noskes ermordet worden sind. Statt hier die allseits bekannte Geschichte dessen darzulegen, möchte ich mich eher auf das konzentrieren, was den allermeisten noch unbekannt ist: Der Leninisierungs-Prozess von Karl und Rosa.

Dieser Artikel wird sich also in drei Teile gliedern: Die Leninisierung Karl Liebknechts; Die Leninisierung Rosa Luxemburgs; Die Auswirkungen auf die KPD.

Vorab möchte ich noch sagen etwas sagen, bevor es wegen der Überschrift zu einem Missverständnis kommt: Ich behaupte nicht, dass Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg zu vollwertigen Leninisten geworden sind bis zu ihrem Tode, sondern viel mehr noch auf dem Weg dahin waren. Ich möchte hier also den Prozess darlegen, der seit der Oktoberrevolution bei ihnen ablief (bei Rosa sogar unter sehr krassen Widersprüchen anfangs), und durch ihren Tod abgebrochen wurde.

Die Leninisierung Karl Liebknechts

Es ist wenig bekannt, dass Karl Liebknecht auch ein durchaus beachtenswerter Theoretiker des Marxismus war. Meist sind bloß „Militarismus und Antimilitarismus“ oder sein letzter Artikel „Trotz alledem“ im Fokus und sonst liegt vieles im Dunkeln verborgen. Man kann sagen, im Dunkel der Gefängniszelle verborgen, denn Liebknechts Gefängnisschriften sind sehr interessante Quellen für seine Ansichten, welche sonst wohl verborgen geblieben wären, und natürlich für den Prozess der Leninisierung ab der Oktoberrevolution.

Von der Februarrevolution bis zur Oktoberrevolution

Schon zum Russland der Februarrevolution stellte Liebknecht fest: „Ein revolutionäres Rußland durfte für die preußisch-deutsche Reaktion auch heute so wenig stark sein wie eine revolutionäre Macht in Deutschland selbst: Es bedroht die innerpolitische und soziale Position der herrschenden Klassen des Deutschen Reichs.“1 Natürlich mag die Februarrevolution auch in Deutschland den Drang zur Revolution verstärkt haben, aber es war eben noch keine „Bedrohung der herrschenden Klassen“ aufgrund dessen bürgerlichen Charakters. Auch schrieb er, wohl noch zur Russischen Republik, das hier: „Das zarische Rußland war uns gewiß zu groß – ein freies, ein revolutionäres Rußland kann uns nicht groß genug sein.“2 Spätestens im September 1917 war ihm klar, dass die Menschewiki keine Diktatur des Proletariats errichtet haben, das Proletariat die Macht erst noch erobern musste. Er schrieb dazu: „Nur eine Ganzheit, keine Halbheit, kein achseltragender Kerenski, nur eine Diktatur des Arbeiter- und Soldatenrats, eine Diktatur des Proletariats kann die russische Revolution für die Massen retten; retten vor dem – noch immer – lauernden Zarismus, retten vor den Hohenzollern und Habsburgern, retten vor dem russischen Imperialismus und vor dem Imperialismus der Entente. […] Bisher fehlte dazu die Kraft – wenigstens die Kraft des Entschlusses. Im Juli (!) noch lehnte Tschcheidse die Übernahme der vollen Regierungsgewalt durch den Arbeiter- und Soldatenrat ab. Heute brennt das Feuer unter den Nägeln, daß sich das russische Proletariat anders entscheide und in kühnem Selbstvertrauen das Steuer in die Hand nehme.“3 Im November 1917 geschah durch die Oktoberrevolution unter Lenins Führung genau das.

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W.I. Lenin zu Lehren aus der Novemberrevolution

Im nachfolgenden Auszug aus W.I. Lenins „Brief an die deutschen Kommunisten“ von 1921 zeigt er die dringenden Lehren, die aus der letztlich gescheiterten Novemberrevolution in Deutschland gezogen werden müssen:

WI Lenin

W.I. Lenin:

Brief an die deutschen Kommunisten

(14. August 1921)

[…]

Soweit ich es beurteilen kann, ist die Lage der Kommunistischen Partei in Deutschland besonders schwierig. Das ist begreiflich.

Erstens, und das ist die Hauptsache, hat die internationale Lage Deutschlands seit Ende 1918 seine innere revolutionäre Krise außerordentlich rasch und jäh zugespitzt und die Vorhut des Proletariats zur sofortigen Eroberung der Macht gedrängt. Gleichzeitig hat sich die ausgezeichnet bewaffnete und organisierte, durch die „russische Erfahrung“ gewitzigte deutsche wie auch die ganze internationale Bourgeoisie mit tollem Haß auf das revolutionäre Proletariat Deutschlands gestürzt. Zehntausende der besten Menschen Deutschlands, seiner revolutionären Arbeiter, sind erschlagen und zu Tode gefoltert worden von der Bourgeoisie, von ihren Helden, den Noske und Co., von ihren direkten Lakaien, den Scheidemännern u. a., von ihren indirekten und „raffinierten“ (und daher für sie besonders wertvollen) Helfershelfern, den Rittern der „zweieinhalbten Internationale“, mit ihrer niederträchtigen Charakterlosigkeit, ihren Schwankungen, ihrer Pedanterie und ihrem Spießergeist. Die bewaffnete  Bourgeoisie stellte den wehrlosen Arbeitern Fallen, mordete sie in Massen hin, mordete ihre Führer, lauerte systematisch einem nach dem anderen auf, wobei sie das konterrevolutionäre Geheul aus den Reihen der Sozialdemokraten beider Schattierungen, sowohl der Scheidemänner als auch der Kautskyaner, glänzend auszunutzen wußte. Eine wirklich revolutionäre Partei hatten die deutschen Arbeiter im Augenblick der Krise nicht, infolge der zu spät vorgenommenen Spaltung, infolge des Drucks der verfluchten Tradition der „Einheit“ mit der korrupten (die Scheidemann, Legien, David und Co.) und charakterlosen (die Kautsky, Hilferding und Co.) Bande der Lakaien des Kapitals. In jedem ehrlichen, klassenbewußten Arbeiter, der das Basler Manifest von 1912 für bare Münze nahm und nicht für „Ausflüchte“ der Schurken „zweiter“ und „zweieinhalbter“ Sorte hielt, erwachte in unglaublicher Schärfe der Haß gegen den Opportunismus der alten deutschen Sozialdemokratie, und dieser Haß – das edelste, erhabenste Gefühl der Besten aus der unterdrückten und ausgebeuteten Masse – machte die Menschen blind, nahm ihnen die Möglichkeit, kaltblütig zu überlegen und eine eigene richtige Strategie auszuarbeiten als Antwort auf die glänzende Strategie der bewaffneten, organisierten, durch die „russische Erfahrung“ gewitzigten, von der Entente, von Frankreich, England und Amerika, unterstützten Kapitalisten. Dieser Haß trieb sie zu vorzeitigen Aufständen.

Das ist der Grund, warum die Entwicklung der revolutionären Arbeiterbewegung in Deutschland seit Ende 1918 einen besonders schweren und qualvollen Weg gegangen ist. Aber sie ist vorwärtsgeschritten und schreitet unaufhaltsam vorwärts. Die allmähliche: Linksschwenkung der Arbeitermassen, der wirklichen Mehrheit der Werktätigen und Ausgebeuteten in Deutschland, sowohl der in den alten, menschewistischen (d. h. der Bourgeoisie dienenden) Gewerkschaften organisierten als auch der gar nicht oder fast gar nicht organisierten, ist eine unbestreitbare Tatsache. Kaltes Blut und Standhaftigkeit bewahren; systematisch die Fehler der Vergangenheit korrigieren; unaufhörlich darauf bedacht sein, die Mehrheit der Arbeitermassen sowohl in den Gewerkschaften als auch außerhalb der Gewerkschaften zu erobern; geduldig eine starke und kluge kommunistische Partei aufbauen, die fähig ist, bei allen und jeglichen Wendungen der Ereignisse die Massen wirklich zu führen; sich eine, Strategie ausarbeiten, die der besten internationalen Strategie der (durch die jahrhundertelange Erfahrung im allgemeinen und durch die „russische Erfahrung“ im besondern) „am meisten aufgeklärten“ fortgeschrittenen Bourgeoisie gewachsen ist – das ist es, was man tun muß und was das deutsche Proletariat tun wird, was ihm den Sieg garantiert.

[…]

Aus: W.I. Lenin: Brief an die deutschen Kommunisten. (14. August 1921). In: Lenin-Werke (LW) Band 32, S. 537-539

Link zur kommunistischen Dokumentation zu 100 Jahre Novemberrevolution

W.I. Lenin über die Einheit

WI Lenin

W.I. Lenin:

EINHEIT

 […] Die marxistischen Arbeiter fassen die Einheit nicht so auf. Mit liberalen Arbeiterpolitikern, mit Leuten, die die Arbeiterbewegung desorganisieren und den Willen der Mehrheit verletzen, kann es keine Einheit geben, weder eine föderative noch irgendeine andere. Geben kann und soll es eine Einheit aller konsequenten Marxisten, aller Verfechter der marxistischen Gesamtheit und der uneingeschränkten Losungen, unabhängig von den Liquidatoren [1] und ohne sie.

Die Einheit ist eine große Sache und eine große Losung! Doch die Arbeitersache braucht die Einheit unter den Marxisten, nicht aber die Einheit der Marxisten mit den Gegnern und Verfälschern des Marxismus. Und wir müssen jeden, der von der Einheit spricht, fragen: Einheit mit wem? Mit den Liquidatoren? Dann haben wir nichts miteinander zu schaffen.

Wenn aber von einer tatsächlich marxistischen Einheit die Rede ist, so werden wir sagen: Seit dem Bestehen der prawdistischen Zeitungen rufen wir zum Zusammenschluß aller Kräfte des Marxismus auf, zur Einheit von unten, zur Einheit in der praktischen Arbeit.

Kein Liebäugeln mit den Liquidatoren, keine diplomatischen Verhandlungen mit den Zirkeln derer, die die Gesamtheit zerstören — alle Kräfte für den Zusammenschluß der marxistischen Arbeiter auf dem Boden der marxistischen Losungen, auf dem Boden der marxistischen Gesamtheit.

Als ein Verbrechen werden die klassenbewußten Arbeiter jeglichen Versuch betrachten, ihnen den Willen der Liquidatoren aufzuzwingen, und als ein ebensolches Verbrechen werden sie die Zersplitterung der Kräfte der wirklichen Marxisten betrachten.

Denn die Grundlage der Einheit ist die Klassendisziplin, die Anerkennung des Willens der Mehrheit, die einmütige Arbeit in den Reihen dieser Mehrheit und in gleichem Schritt mit ihr. Wir werden nicht müde werden, alle Arbeiter zu dieser Einheit, zu dieser Disziplin, zu dieser einmütigen Arbeit aufzurufen.

Quelle: W.I. Lenin: Einheit. In: Lenin-Werke Band 20, S. 228-229

 

Anmerkung:

[1] Liquidatorentum: Nach 1908 bis 1912 opportunistische, menschewistische Strömung in der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (SDAPR), die sich „um den Preis der Absage an das Programm und an die Taktik der Partei von der zaristischen Regierung die Zustimmung zur Existenz einer offenen, legalen, angeblichen „Arbeiterpartei“ erlangen“ wollten und bereit waren „sich mit dem Stolypinischen Regime auszusöhnen, um sich ihm anzupassen. Darum wurden die Liquidatoren auch „Stolypinische Arbeiterpartei“ genannt“ (Stalin).

Kim Jong Il über den Revisionismus und die Konterrevolution

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In seiner klassischen Schrift „ÜBER DIE GRUNDFRAGEN DES AUFBAUS EINER REVOLUTIONÄREN PARTEI“ (Abhandlung verfasst anlässlich des 47. Jahrestages der Gründung der Partei der Arbeit Koreas am 10. Oktober Juche 81, 1992) geht der Genosse Kim Jong Il auf die Rolle des Revisionismus und der Konterrevolution (auf den Seiten 10-14) ein (Link zum gesamten Werk):

Der Zusammenbruch der sozialistischen Ordnungen und der Parteien, die durch einen harten revolutionären Kampf die Macht ergriffen hatten und jahrzehntelang den Sozialismus gestalteten, hinterließ ernste Lehren.

Die historische Lehre aus dem Sturz der sozialistischen Regierungsparteien und Systeme in verschiedenen Ländern ist es, dass für die endgültige Vollendung des Werkes des Sozialismus die Reinheit der sozialistischen Ideologie unbeirrbar bewahrt werden muss.

Die historischen Erfahrungen zeugen davon, dass bei Entartung des Gedankengutes die Partei der Arbeiterklasse wie auch die sozialistische Ordnung verfallen und ihre Existenz beendet wird. Das Erscheinen von abtrünnigen Elementen innerhalb der Partei, deren organisatorisch-ideologische Zersetzung und die Änderung der Volksstimmung entsprangen der ideologischen Entartung. Die ideologische Degeneration entkräftet unweigerlich selbst eine mächtige ökonomische und militärische Macht und verdammt die sozialistische Ordnung, die jahrzehntelang eine Aufwärtsentwicklung erlebte, zum Verfall.

Zu den äußerst gefährlichen Geistesströmungen, die den Sozialismus untergraben, gehören Revisionismus, Dogmatismus und Kriechertum.

Es ist die bürgerliche Ideologie, die direkt mit der sozialistischen konfrontiert ist, aber sie kann niemals die Anziehungskraft der sozialistischen Ideologie hemmen. Die bürgerliche Ideologie, die gewinnsüchtige Forderungen der Ausbeuterklasse widerspiegelt, kann ihr reaktionäres Wesen nicht bemänteln, selbst wenn sie sich mit heuchlerischen Worten schönfärbt. Es ist selbstverständlich, dass die werktätigen Volksmassen nicht die bürgerliche Ideologie, die die Forderungen der ihre Souveränität mit Füßen tretenden Ausbeuterklasse widerspiegelt, sondern die sozialistische Ideologie akzeptieren, die ihren souveränen Forderungen entspricht. Aus diesem Grunde nutzten die Imperialisten und Kapitalisten den Revisionismus, ein Produkt der Revision der sozialistischen Ideologie nach ihrem eigenen Geschmack, als ein ideologisches Werkzeug aus. Der Revisionismus bleibt nach wie vor die Hauptgefahr für die Verwirklichung des Werkes des Sozialismus. Der Revisionismus, die Widerspiegelung der bürgerlichen Ideologie in der kommunistischen Bewegung, trat in den kapitalistischen Ländern dem revolutionären Übergang zum Sozialismus in den Weg, während er in den sozialistischen Ländern den Weg zur Restauration des Kapitalismus eröffnete und dabei als ein ideologisches Werkzeug der Imperialisten für die Strategie des „friedlichen Übergangs“ ausgenutzt wurde. Wie hinterlistig der moderne Revisionismus sich auch tarnen mag, wir müssen sein reaktionäres Wesen durchschauen und mit aller Konsequenz gegen ihn vorgehen und ihn zurückweisen.

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Der Anti-Stalinismus der SED

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Im Gegensatz zur damaligen KP Chinas unter Mao Tsetungs Führung (Link), welche der Linie des Marxismus-Leninismus folgte und diesen verteidigte, folgte die SED der Linie des Chruschtschow-Revisionsmus bis hin zur vollständigen Konterrevolution unter Gorbatschow. So schätzt die SED den XX. Parteitag der KPdSU (vom Februar 1956) als richtig ein und beteiligt sich an der Hetze gegen J.W. Stalin, die Chruschtschow in seiner berüchtigten „Geheimrede“ über den angeblichen Personenkult um Stalin auf dem XX. Parteitag der KPdSU entfaltete. Aber lest selbst (aus: Geschichte der SED. Abriß, Berlin/DDR, 1978, S. 343):

„Der XX. Parteitag [der KPdSU, 1956] erörterte weitere Schritte zur Überwindung des Personenkults und seinen Folgen. Dieser war im Zusammenhang mit einer Reihe konkreter historischen Bedingungen entstanden, äußerte sich in einer Überbetonung der Rolle und der Leistungen J.W. Stalins und hatte zur Verletzung der Leninschen Normen des Parteilebens und von Gesetzen des Sowjetstaates geführt. Es zeugte von der Kraft und dem revolutionären Geist der KPdSU, dass sie derartige Erscheinungen aufdeckte, entschlossen gegen den Personenkult, der dem Marxismus-Leninismus und dem Sozialismus wesensfremd ist, auftrat und alles unternahm, um seine Folgen auf allen Gebieten der Parteiarbeit, der staatlichen und ideologischen Tätigkeit auszumerzen. der Parteitag beschloss Maßnahmen, um die Leninschen Normen des Parteilebens und die Kollektivität der Leitung sorgsam zu wahren, die sozialistische Gesetzlichkeit strikt einzuhalten und die sozialistische Demokratie allseitig zu entwickeln.“ 

Diese Worte hätten auch die Chruschtschow-Revisionisten nicht „besser“ wählen können. Hier noch ein Lesetip zu eben dieser verlogenen „Geheimrede“ Chruschtschows und dem XX. Parteitag (Link).

Kommunistische Dokumentation: 100 Jahre Novemberrevolution

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Ein Jahr nach der großen sozialistischen Oktoberrevolution erhebt sich die deutsche Arbeiterklasse und fegt ihrerseits die Hohenzollern von ihrem Thron. Was waren die Voraussetzungen für die Revolution. Warum konnte sie besiegt werden? Der Revolution folgte auch die Geburt der revolutionären Arbeiterpartei des deutschen Proletariats, der KPD!

Video-Dokumentation: 100 Jahre Novemberrevolution

Zum Weiterlesen:

Lehrbriefe – Die Novemberrevolution 1918 in Deutschland

Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung in acht Bänden, Band 3, Berlin/DDR, 1966″ (S. 87-199)

Karl Liebknecht: Trotz alledem! (Artikel, 15. Januar 1919). In: Karl Liebknecht, Gesammelte Reden und Schriften, Band IX, Berlin/DDR, 1968, S. 675-679