Rote Hilfe wohin?

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Rote Hilfe wohin?

Wera Richter zum DDR-Bashing der Zeitung der Hilfsorganisation
Unsere Zeit (Zeitung der DKP) Ausgabe vom 15. März 2019 (Quelle)

In die­sem Jahr fei­ern wir den 70. Jah­res­tag der Grün­dung der DDR. Die DDR war ein an­ti­fa­schis­ti­scher und Frie­dens­staat, von dem 40 Jahre lang kein Krieg aus­ging. Ein Staat, in dem Grund­be­dürf­nis­se der Men­schen auf Ar­beit, Bil­dung, Woh­nen und Ge­sund­heit ge­währ­leis­tet waren. Ein Staat, der dem deut­schen Im­pe­ria­lis­mus 40 Jahre lang Fes­seln an­ge­legt hat.

Dafür ist er bis aufs Mes­ser be­kämpft wor­den. An die Zer­schla­gung des So­zia­lis­mus wer­den wir heute nicht zu­letzt durch NA­TO-Trup­pen, deut­sche Sol­da­ten, in­klu­si­ve die, die vor Russ­land ste­hen, er­in­nert.
Für uns Kom­mu­nis­ten in der DKP war die DDR das bes­se­re Deutsch­land; wir sagen, die größ­te Er­run­gen­schaft der deut­schen Ar­bei­ter­be­we­gung. Wir sind stolz auf die Ge­nos­sin­nen und Ge­nos­sen, die sie auf­ge­baut, ge­stal­tet und ver­tei­digt haben. Ein Wol­ken­ku­ckucks­heim war die DDR nicht, konn­te es vor allem wegen des ver­schärf­ten Klas­sen­kamp­fes, der stän­di­gen Be­dro­hung nicht sein. Feh­ler und Schwä­chen hatte sie ohne Zwei­fel und auch die han­deln­den Ge­nos­sin­nen und Ge­nos­sen waren nicht frei davon. Dar­über ge­mein­sam und so­li­da­risch zu dis­ku­tie­ren, hal­ten wir für not­wen­dig, um für die Zu­kunft zu ler­nen.
Die Main­stream­me­di­en haben das Ge­gen­teil im Sinn und wer­den Gift und Galle spu­cken im 70. Jahr der DDR-Grün­dung. Das ist ihr Auf­trag. Dass sich die Zei­tung der Roten Hilfe mit der ak­tu­el­len Aus­ga­be „‚Wenn wir brü­der­lich uns einen …‘, Re­pres­si­on gegen linke Op­po­si­tio­nel­le in der DDR“ hier ein­reiht, schmerzt.
Nicht weil die Ge­nos­sen und Freun­de der Roten Hilfe einen Fin­ger in die Wunde legen, son­dern weil sie die Sache ahis­to­risch, ein­sei­tig, ja völ­lig an­ti­kom­mu­nis­tisch an­ge­hen. Stasi, Spit­ze­lei, Rote Kapos in Bu­chen­wald mit dem His­to­ri­ker Lutz Nietham­mer als Stich­wort­ge­ber, An­ti­se­mi­tis­mus, Schwu­len­feind­lich­keit, Un­ter­drü­ckung der op­po­si­tio­nel­len Ju­gend und Sub­kul­tur, Ver­bre­chen gegen Ge­nos­sen – alles dabei. Es feh­len nur die Mau­er­to­ten. Un­se­ren Ge­nos­sen wird ab­ge­spro­chen, einen so­zia­lis­ti­schen Ver­such un­ter­nom­men zu habe und vor­ge­wor­fen, den Grund­stein für die nächs­te Nie­der­la­ge ge­legt zu haben. Im Vor­bei­ge­hen wer­den mal eben KPD und Kom­mu­nis­ti­sche In­ter­na­tio­na­le in die Pfan­ne ge­hau­en.


Aus­ge­blen­det wer­den die kon­kre­ten his­to­ri­schen Be­din­gun­gen, unter denen der So­zia­lis­mus in der DDR auf­ge­baut wurde. Als hätte es kei­nen Klas­sen­geg­ner ge­ge­ben. Eben­so die Er­run­gen­schaf­ten des an­ti­fa­schis­ti­schen und Frie­dens­staa­tes, kein Wort über den In­ter­na­tio­na­lis­mus, die So­li­da­ri­tät der DDR nicht zu­letzt mit po­li­ti­schen Ge­fan­ge­nen.
Das Heft soll eine Ant­wort auf eine Aus­ga­be der Mit­glie­der­zei­tung von 2016 sein, die So­li­da­ri­tät mit den Op­fern der Sie­ger­jus­tiz übte. Ist diese So­li­da­ri­tät falsch? Soll sie zu­rück­ge­nom­men wer­den? Sind die Ge­nos­sen, die für die Ver­tei­di­gung der DDR in der BRD ver­folgt und ver­ur­teilt wur­den, denen ihre Ren­ten be­schnit­ten und deren Le­bens­leis­tung ent­wer­tet wurde, der So­li­da­ri­tät der Roten Hilfe nicht wür­dig?
Wir er­le­ben in die­sem Land eine Rechts­ent­wick­lung hin zum au­to­ri­tä­ren Si­cher­heits­staat und spre­chen von Ten­den­zen der Fa­schi­sie­rung. Dazu ge­hö­ren zu­neh­men­de Re­pres­si­on, neue Po­li­zei­ge­set­ze und die Dro­hung, unter an­de­rem der VVN/BdA die Ge­mein­nüt­zig­keit ab­zu­er­ken­nen und die Rote Hilfe zu ver­bie­ten. Da­ge­gen weh­ren wir uns ge­mein­sam. In­ner­halb we­ni­ger Wo­chen tra­ten rund 800 neue Mit­glie­der in die Rote Hilfe ein – auch Mit­glie­der der DKP aus Ost und West, dar­un­ter unser Vor­sit­zen­der und die Ber­li­ner Lan­des­spre­che­rin. An­de­re Ge­nos­sen wie ich sind viele Jahre dabei.
Die Rote Hilfe ist eine „strö­mungs­über­grei­fen­de“ und keine kom­mu­nis­ti­sche Or­ga­ni­sa­ti­on. Un­se­re Hal­tung zur DDR und zum je­weils real exis­tie­ren­den So­zia­lis­mus kann si­cher kein Kon­sens in ihr sein, aber sie darf auch nicht dif­fa­miert wer­den. Bleibt die­ses Heft von der Or­ga­ni­sa­ti­on un­wi­der­spro­chen, grenzt sie einen Teil der Be­we­gung aus und ent­le­digt sich ihrer Wur­zeln. An­ti­kom­mu­nis­mus als Dis­kus­si­ons­grund­la­ge wäre Spal­tung und nicht rote Hilfe.

 

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