Lenins Denkanstoß für die Pazifisten, Rüstungsgegner und Ostermarschierer

L17

Wie imperialistische Kriege beendet und verhindert werden können, zeigt W.I. Lenin in seinem „Aufruf an die Soldaten aller kriegführenden Länder“ vom April 1917. Zu einer Zeit als die menschewistisch-sozialrevolutionäre (heute würde man sagen sozialdemokratische) Provisorische Regierung unter Kerenski in Russland den imperialistischen Weltkrieg weiterführte, stellt W.I. Lenin klar, dass es nur eine Möglichkeit für Kriegsgegner und Friedensfreunde gibt: „Imperialismus und Krieg – oder Sozialismus und Frieden – kein Drittes gibt`s.“ (Karl Liebknecht im April 1918):

WI Lenin

W.I. Lenin:

AUFRUF AN DIE SOLDATEN

ALLER KRIEGFÜHRENDEN LÄNDER

Brüder Soldaten!

Wir alle sind bis aufs Blut gepeinigt durch den furchtbaren Krieg, derMillionen von Menschenleben hinweggerafft, Millionen Menschen zu Krüppeln gemacht und namenloses Elend, Ruin und Hunger mit sich gebracht hat.

Immer größer wird die Zahl der Menschen, die sich die Frage stellen: Wofür wurde dieser Krieg begonnen, wofür wird er geführt?

Mit jedem Tag wird es uns, den Arbeitern und Bauern, die die schwersten Lasten des Krieges zu tragen haben, klarer, daß er von den Kapitalisten aller Länder um der Interessen der Kapitalisten willen begonnen wurde und geführt wird, daß es dabei um die Weltherrschaft, um Märkte für die Fabrikanten, Unternehmer, Bankiers, um die Ausraubung der schwachen Völkerschaften geht. Sie teilen Kolonien auf, sie erobern Gebiete auf dem Balkan und in der Türkei, und dafür müssen die europäischen Völker zugrunde gehen, dafür müssen wir sterben und den Ruin, den Hunger und den Untergang unserer Familien mit ansehen.

Die Klasse der Kapitalisten heimst in allen Ländern durch Regierungsaufträge und Heereslieferungen, durch Konzessionen in den annektierten Ländern, durch Verteuerung der Lebensmittel gigantische, maßlose, skandalös hohe Profite ein. Die Kapitalistenklasse hat allen Völkern auf lange Jahrzehnte hinaus einen Tribut in Form hoher Zinsen der Milliardenanleihen für den Krieg auferlegt. Und wir, die Arbeiter und Bauern, sollen zugrunde gehen, verelenden, hungern und das alles geduldig ertragen, wir sollen unsere Unterdrücker, die Kapitalisten, dadurch stärken, daß die Arbeiter der verschiedenen Länder einander ausrotten, sich gegenseitig hassen.

Werden wir wirklich unser Joch weiterhin ergeben dulden, uns weiterhin mit dem Krieg zwischen den Kapitalistenklassen abfinden? Werden wir wirklich diesen Krieg dadurch in die Länge ziehen, daß wir uns auf die Seite unserer nationalen Regierungen, unserer nationalen Bourgeoisie, unserer nationalen Kapitalisten stellen und so die internationale Einheit der Arbeiter aller Länder, der ganzen Welt zerstören?

Nein, Brüder Soldaten, es ist an der Zeit, daß wir die Augen öffnen, es ist an der Zeit, daß wir unser Schicksal selbst in die Hände nehmen. In allen Ländern wächst, verbreitet und verstärkt sich“ die Volksempörung gegen die Kapitalistenklasse, die das Volk in diesen Krieg hineingezogen hat. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in England, das vor dem Krieg als besondere freies Land galt, schmachten Hunderte und aber Hunderte von wahren Freunden und Vertretern der Arbeiterklasse hinter Kerkermauern, weil sie ein ehrliches und wahres Wort gegen den Krieg und gegen die Kapitalisten wagten. Die Revolution in Rußland ist nur der erste Schritt der ersten Revolution, ihr müssen und werden weitere folgen. Die neue Regierung in Rußland – die Nikolaus II. abgesetzt hat, einen ebensolchen gekrönten Räuber wie Wilhelm II. – ist eine Regierung der Kapitalisten. Sie führt einen ebenso räuberischen, imperialistischen Krieg wie die Kapitalisten Deutschlands, Englands und der anderen Länder. Sie hat die räuberischen Geheimverträge bestätigt, die Nikolaus II. mit den Kapitalisten Englands, Frankreichs usw. geschlossen hat, sie bringt diese Verträge nicht zur allgemeinen Kenntnis, wie auch die deutsche Regierung ihre geheimen, ebenso räuberischen Verträge mit Österreich, Bulgarien usw. nicht veröffentlicht.

Die russische Provisorische Regierung hat am 20. April eine Note veröffentlicht, in der sie nochmals die alten, vom Zaren abgeschlossenen, räuberischen Verträge bestätigt und ihrer Bereitschaft Ausdruck gibt, den Krieg bis zum vollen Siege weiterzuführen, womit sie die Empörung selbst derer hervorgerufen hat, die ihr bisher Vertrauen schenkten und Unterstützung erwiesen.

Die russische Revolution hat aber, außer der Regierung der Kapitalisten, selbständige revolutionäre Organisationen geschaffen, die die gewaltige Mehrheit der Arbeiter und Bauern vertreten: die Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten in Petrograd und in den meisten Städten Rußlands. Bis jetzt sind noch die Mehrheit der Soldaten und ein Teil der Arbeiter in Rußland – wie. auch sehr viele Arbeiter und Soldaten in Deutschland – gegenüber der Regierung der Kapitalisten, gegenüber ihrem leeren und verlogenen Gerede von einem Frieden ohne Annexionen, vom Verteidigungskrieg und dergleichen mehr blind vertrauensselig.

Aber die Arbeiter und armen Bauern sind zum Unterschied von den Kapitalisten weder an Annexionen noch an der Verteidigung der Profite der Kapitalisten interessiert. Deshalb wird jeder Tag, wird jeder Schritt der Regierung der Kapitalisten sowohl in Rußland wie auch in Deutschland den Betrug der Kapitalisten enthüllen, wird enthüllen, daß es, solange die Herrschaft der Kapitalisten andauert, keinen wirklich demokratischen, gewaltlosen Frieden geben kann, keinen Frieden, der auf wirklichem Verzicht auf alle Annexionen, d. h. auf der Befreiung ausnahmslos aller Kolonien, ausnahmslos aller unterdrückten, gewaltsam einverleibten oder nicht vollberechtigten Völkerschaften beruht – daß sich der Krieg solange aller Wahrscheinlichkeit nach immer mehr verschärfen und in die Länge ziehen wird.

Nur wenn die Staatsmacht in beiden jetzt einander feindlich gegenüberstehenden Staaten, zum Beispiel in Rußland wie in Deutschland, völlig und ausschließlich in die Hände der revolutionären Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten übergeht, die imstande sind, nicht in Worten, sondern in der Tat das ganze Netz der Beziehungen und Interessen des Kapitals zu zerreißen – nur in diesem Fall werden die Arbeiter beider kriegführenden Länder zueinander Vertrauen fassen und dem Krieg auf der Grundlage eines wirklich demokratischen, wirklich alle Völker und Völkerschaften befreienden Friedens rasch ein Ende machen können.

Brüder Soldaten!

Tun wir alles, was in unseren Kräften steht, um das zu beschleunigen, um dieses Ziel zu erreichen. Schrecken wir vor keinen Opfern zurück — alle Opfer für die Arbeiterrevolution werden weniger schwer sein als die Opfer des Krieges. Jeder siegreiche Schritt der Revolution wird Hunderttausende und Millionen Menschen vor Tod, Ruin und Hunger retten.

Friede den Hütten, Krieg den Palästen! Friede den Arbeitern aller Länder! Es lebe die brüderliche Einheit der revolutionären Arbeiter aller Länder! Es lebe der Sozialismus!

Zentralkomitee der SDAPR

Petersburger Komitee der SDAPR

Redaktion der „Prawda“

„Prawda“ Nr.  37, 4. Mai (21. April) I917

 

Quelle: W.I. Lenin, Werke Band 24, S. 174-176

 

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