Ein weiterer Sozialdemokrat – M.S. Gorbatschow

Bush Gorbatschow Kohl
 KPdSU Generalsekretär M.S. Gorbatschow, US-Präsident George Bush, BRD-Kanzler Helmut Kohl

„Präsident Bush`s rechte Hand, der Stabschef des Weißen Hauses H. Sununu, wird einige Zeit in den Moskauer Kreml umziehen. Der erfahrene … Politmanager soll Gorbatschows Stab seine Erfahrungen … vermitteln“ (Neues Deutschland 16./17. Juni 1990)

Gorbatschows Hauptziel: Die Liquidierung des Kommunismus in Europa und die Auflösung der sozialistischen Sowjetunion. Das Gorbatschow-Interview in Ankara. Gorbatschow besuchte im Jahr 2000 als Gast ein Seminar an der American University in Ankara und wurde von einigen Journalisten nach seinen wahren Absichten befragt, die er damals als Generalsekretär der KPdSU gehabt habe, als er die Perestroika einführte. Er sagte dazu Folgendes:

„Mein Ehrgeiz bestand darin, den Kommunismus zu liquidieren, die Diktatur über alle Menschen. Meine Frau hat mich damals unterstützt und mich in meiner Mission bestärkt (Raissa Gorbatschowa, mit der Gorbatschow seit Beginn der fünfziger Jahre verheiratet war – Verf.). Sie war schon lange vor mir dieser Meinung. Mir war klar, dass ich das nur als leitender Funktionär erreichen konnte. Meine Frau bedrängte mich, die höchsten Positionen zu erklimmen.

Als ich näher mit dem Westen vertraut wurde, habe ich mich endgültig dazu entschlossen. Mir wurde klar, dass ich dazu den gesamten Apparat der KPdSU und der UdSSR zerstören musste. Das Gleiche musste auch in all den anderen sozialistischen Staaten passieren.

Mein Ideal ist der Weg der Sozialdemokratie. Nur dieses System kann den Menschen nützlich sein. Dieses Bestreben musste ich in die Tat umsetzen.

In Jakowlew und Schewardnadse fand ich Freunde, die die gleichen Gedanken hatten. Ihnen muss für die Auflösung der Sowjetunion und für die Niederlage des Kommunismus gedankt werden.

Eine Welt ohne Kommunismus wird eine bessere Welt sein. Nach dem Jahr 2000 wird die Welt viel besser sein, weil sie sich entwickeln und weil sie aufblühen wird. Aber es gibt Länder, die versuchen werden, dagegen zu kämpfen. Dazu gehört China. Ich war in China, als die Proteste auf dem Tienanmen-Platz stattfanden und ich dachte damals, dass der Kommunismus in China bald zusammenbrechen würde. Ich forderte die chinesische Führung energisch dazu auf, dass ich vor den Protestierenden sprechen durfte, aber sie erlaubten es mir nicht. Wenn der Kommunismus in China fallen würde, wäre die ganze Welt heute besser dran, auf dem Weg zum Frieden.

Ich wollte die UdSSR retten, aber nur unter einem Regime der Sozialdemokratie. Das ist mir nicht gelungen. Jelzin wollte die Macht; er hatte keine Ahnung von Demokratie und kannte auch meine Absichten nicht. Wir wollten eine demokratische UdSSR mit Recht und Freiheit.

Dann löste Jelzin die UdSSR auf, und damals war ich nicht im Kreml. Alle Journalisten fragten mich, ob ich das bedaure. Nein, ich habe das nicht bedauert, weil es mir vollständig gelungen war, den Kommunismus in der UdSSR und auch in anderen europäischen sozialistischen Staaten zu zerstören. Nein, ich bedauerte es nicht, weil ich wusste, dass ich mein Hauptziel erreicht hatte und das war die Zerstörung des Kommunismus in Europa. Aber Sie müssen auch verstehen, dass der Kommunismus auch in Asien besiegt werden muss, damit der Übergang zu Freiheit und Demokratie in der ganzen Welt zügiger vorankommt.

Die Liquidation der UdSSR nützt den USA nicht, weil sie jetzt kein mächtiges demokratisches Land neben sich haben, das ich Union Unabhängiger Souveräner Staaten nennen wollte. Ich konnte nicht alles erreichen. All die kleinen Länder sind jetzt den USA für die Hilfe dankbar. Ich wollte, dass die USA und die ehemalige Sowjetunion Partner sein sollten, ohne die Geißel des Kommunismus. Sie hätten die beiden dominierenden Weltmächte sein können. Die Straße zur Demokratie ist eine lange Straße, aber sie wird schon sehr bald kommen. Die ganze Welt muss jetzt die letzten Überreste des Kommunismus besiegen.“

Quelle: Northstar Compass, Toronto, Februar 2000, zuerst veröffentlicht in „Dialog“, Tschechien, meine Übersetzung aus dem Englischen, http://www.revolutionarydemocracy.org/rdv6n1/gorbach.htm

Aus: Gerhard Schnehen, Die Ära der Perestroika. Eine marxistische Analyse der Ereignisse und Entwicklungen in der Sowjetunion in den Jahren 1985-1991, Frankfurt/Main, 2018, S. 308-309

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