Stalin über den Trotzkismus

Nachfolgend werden zwei Werke von J.W. Stalin über das Wesen und die Erscheinungsform des Trotzkismus abgedruckt. Es sind dies einmal das Werk „Trotzkismus oder Leninismus?“ (vom 19. November 1924. In: Stalin Werke Band 6, S. 290-319) sowie „Die trotzkistische Opposition früher und jetzt“ (vom 23. Oktober 1927. In: Stalin Werke Band 11, S. 150-179):

Arbeiterverräterpartei AfD

Nachfolgend wird ein Artikel aus dem Internetportal http://www.rf-news.de gespiegelt:

Dumm gelaufen: AfD entlarvt – unfreiwillig? – ihre Wahlverwandschaft mit dem Monopolverband BDI

Da hat der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Fraktion und Vorsitzender der Deutsch-Chinesischen Parlamentariergruppe im Bundestag, Peter Felser, einen Coup gelandet, den er sicher noch bereuen wird.

rf-news.de vom 2. Oktober 2026

Am 29. September nämlich reagierte Felser so auf das neue Grundsatzpapier des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI):

„Wie viele Weckrufe sind eigentlich noch nötig, damit die Merz-Regierung endlich das tut, wofür sie gewählt wurde: Unser Land durch Reformen wieder wettbewerbsfähig zu machen! Gerade im harten internationalen Wettbewerb mit China. Fakt ist: Im Maschinenraum unserer Wirtschaft brennt es lichterloh, industriepolitische Weichenstellungen werden dramatisch verschlafen. All dies bekommt die Bundesregierung durch das BDI-Grundsatzpapier nun zum x-ten Mal schriftlich. Viele der dort enthaltenen Forderungen hat die AfD-Fraktion der heillos zerstrittenen und blockierten Merz-Regierung gerade mit Blick auf den Wettbewerb mit China längst vorgelegt. Vor diesem Hintergrund liest sich das BDI-Grundsatzpapier in weiten Teilen wie das Wirtschaftsprogramm der AfD-Fraktion.“

Der Mann ist sichtlich stolz auf diesen Gleichklang! Die AfD hat der Merz-/Klingbeil-Regierung das Gleiche gepredigt, die gleichen „Reformen“ gefordert wie der größte deutsche Monopolverband – die gleichen arbeiterfeindlichen Maßnahmen. Im BDI sind die in Deutschland agierenden Vertreter des allein herrschenden internationalen Finanzkapitals organisiert. Da schütteln sich die Herren Porsche und Piech die Hände, Ola Källenius tafelt mit dem Chef von Thyssenkrupp, BMW-Aktionärin Susanne Klatten fordert von VDA-Chefin Hildegard Müller mehr Einsatz für höhere Rendite. Erklärte Arbeiterfeinde sind hier am Werk, verhasst bei den Arbeiterinnen und Arbeitern, das personifizierte kapitalistische Ausbeutungssystem. Arbeitshetze, Lohnkürzungen, Massenentlassungen, Werksschließungen – hier werden sie vorbereitet und an die Regierung lanciert. Maßnahmen, gegen die Arbeiterinnen und Arbeiter erbittert kämpfen, um ihre sozialen Rechte zu verteidigen.

Mit ihnen macht sich die AfD ganz offen gemein. Die AfD, die so tut, als sei sie Anwalt der Arbeiter und der Bevölkerung, als sei sie eine Arbeiterpartei. Felser fordert im Gleichklang mit den Herren aus den Chefetagen: „Arbeit und Energie müssen wieder bezahlbar werden und die steuerliche Belastung unserer Unternehmen muss sofort und spürbar sinken.“ 

Arbeit sei nicht mehr bezahlbar: Damit stellt sich die AfD direkt hinter Maßnahmen des VW-Vorstands, der diktatorisch alle Tarifverträge kündigt, um die Löhne zu kürzen und die Arbeitszeit zu verlängern. Die Unternehmer sprechen von „Kosten der Arbeit“ – in Wahrheit verursachen die Arbeiter keine Kosten, sondern schaffen die Werte, die die Gesellschaft am Laufen halten und den Kapitalisten maximale Profite sichern.

Die AfD stellt sich damit auch hinter die massiven Angriffe auf Gesundheitsversorgung, Renten, Pflege usw., die alle damit begründet werden, dass die nicht mehr bezahlbar seien. Scheinheilig kritisierte AfD-Frontfrau Beatrix von Storch im Juli im Bundestag die hohen Schulden von „Blackrockanzler“ Merz: „Ich, Friedrich Merz werde Deutschland damit in die Hände der Kapitalmärkte geben, und die explodierenden Zinsen, die hole ich rein, indem ich spare bei den Alten, den Kranken, den Pflegebedürftigen und den Familien.“ So will sich die AfD als Partei der kleinen Leute darstellen. Wenn sie jetzt Senkung der Arbeitskosten und Senkung der Unternehmenssteuern fordern, ist das genau die Politik auf Kosten der Alten, der Kranken, der Pflegebedürftigen und der Familien und vor allem der Arbeiter.

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Energiekrise in der Europäischen Union

Nachfolgend wird eine nicht autorisierte deutsche Übersetzung eines Artikels aus der vietnamesischen Tageszeitung „Nhan Dan“ (Das Volk. Zentralorgan der KP Vietnams) über die drohende Energiekrise in der EU abgedruckt:

Europa sucht nach Lösungen für die Energieengpässe

Die Energieversorgung und die Preise in Europa geraten zunehmend unter Druck, da die Öl- und Gaslieferungen durch die Straße von Hormus weiterhin unterbrochen sind. Da die strategischen Ölreserven bereits zur Neige gehen, wächst die Besorgnis auf dem Kontinent angesichts des bevorstehenden kalten Winters.

Nhan Dan (Das Volk. Zentralorgan der KPV) vom Freitag, 25. September 2026

Frankreich hat ein dringendes Schreiben an die Europäische Union (EU) gerichtet, in dem es eine rasche Lockerung der Vorschriften fordert, um die Versorgung mit Diesel und Flugkraftstoff zu verbessern. Paris hat offen vorgeschlagen, dass die EU die Anforderungen an die Qualitätsberichterstattung für importiertes Öl und Gas vorerst aussetzt. In dem Schreiben an die Präsidentin der Europäischen Kommission (EK), Ursula von der Leyen, warnte der französische Präsident Emmanuel Macron, dass die in den letzten Monaten ergriffenen Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Versorgung – darunter die Steigerung der Raffineriekapazitäten, die Nutzung strategischer Reserven, die schwächere Nachfrage in Asien und Handelsumleitungen – rasch an Wirksamkeit verlieren.

Nach Angaben der französischen Regierung sind etwa 14 % der Tankstellen im Land von Kraftstoffengpässen betroffen. Da der Konflikt im Nahen Osten keine Anzeichen für ein baldiges Ende zeigt, hofft Präsident Macron, dass die EU bei der Bewältigung des zunehmenden Energiepreisdrucks geeint auftritt. Der französische Staatschef erklärte gegenüber der EU, dass sich die Energieversorgung nach wie vor nicht verbessert habe, vor allem weil Europa den Zugang zu günstigen und reichlich vorhandenen Lieferungen aus Russland verloren habe. Sollte die Straße von Hormus weiterhin gesperrt bleiben und der Betrieb der Ost-West-Pipeline in Saudi-Arabien weiterhin unterbrochen sein, könnten die schwindenden Vorräte in den Ländern des Nahen Ostens dazu führen, dass die weltweiten Rohölvorräte um mindestens weitere 4 Millionen Barrel pro Tag sinken.

Angesichts der zunehmend knappen Vorräte hat Frankreich vorgeschlagen, dass die Europäische Kommission einige EU-Kraftstoffqualitätsstandards vorübergehend lockert, darunter diejenigen bezüglich Dichte, Flüchtigkeit und Entschwefelung, was es Raffinerien ermöglichen könnte, ihre Produktion um etwa 5 bis 20 % zu steigern. Paris hat außerdem vorgeschlagen, den Einsatz von B10-Diesel, der bis zu 10 % Biokraftstoff enthält, anstelle des derzeit üblichen B7 in größerem Umfang zuzulassen.

Die EU ist derzeit in erheblichem Maße auf Kraftstofflieferungen aus dem Nahen Osten angewiesen, der 36 % des in die EU importierten Flugkraftstoffs und 18 % des importierten Diesels liefert. Neben Maßnahmen zur Erhöhung der Liefermengen hat Frankreich vorgeschlagen, dass die EU die Verpflichtung zur Meldung und Überprüfung des Methangehalts in importierten Rohöl- und Gaslieferungen um ein Jahr, bis zum 1. Januar 2028, aufschiebt.

Zuvor hatte die Europäische Kommission vorgeschlagen, die mit der Verordnung verbundenen finanziellen Sanktionen bis Ende 2029 aufzuschieben, einer Verschiebung der Meldepflicht jedoch nicht zugestimmt. Paris hat die Europäische Kommission zudem gebeten, eine Ausweitung des gemeinsamen EU-Gaseinkaufsmechanismus auf Diesel und Flugkraftstoff in Betracht zu ziehen, um die Versorgungsbemühungen besser zu koordinieren.

Als Reaktion auf die Vorschläge Frankreichs erklärte die Europäische Kommission, dass das Risiko von Kraftstoffengpässen in den Mitgliedstaaten als sehr hohe Priorität behandelt werde und dass sie das Thema bald mit den EU-Ländern erörtern werde. Es sind nicht nur Öl- und Gasengpässe, die der Europäischen Kommission Sorgen bereiten; auch die Stromversorgung bereitet Kopfzerbrechen. Die Europäische Kommission hat gerade einen Entwurf für eine Strom- und Energieverordnung vorgelegt, der darauf abzielt, ihre Befugnisse zu stärken, um das Risiko von Stromausfällen zu verhindern und die Energieversorgung sicherzustellen.

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Was ist los im Syrien von HTS-Al Jolani?

Am 18. Januar 2026 wurden die deutsche Journalistin Eva Maria Michelmann und ihr kurdischer Kollege Ahmet Polad in Rakka von Kräften der syrischen Übergangsregierung und islamistischen Milizen verschleppt. Beide hatten aus Nordostsyrien über die Offensive der Übergangsregierung berichtet, bei der Zivilisten in den umkämpften Gebieten in Gefahr waren. In einem Jugendzentrum, in dem Dutzende Menschen Schutz gesucht hatten, wurden sie nach stundenlangem Beschuss festgesetzt. Michelmann schildert im Gespräch mit junge Welt-Chefredakteur Nick Brauns, wie sie und Polad getrennt und in verschiedene Haftanstalten gebracht wurden. Sie selbst wurde über Aleppo, Idlib und Damaskus verlegt und mehr als drei Monate vollständig isoliert.

Keine Opfer für die Profite und Kriege der Imperialisten!

Nachfolgend wird eine nicht autorisierte deutsche Übersetzung eines Aufrufes des Weltgewerkschaftsbundes (WGB) für den 2. Internationalen Aktionstag der Hafenarbeiter am 30. Oktober 2026 abgedruckt:

30. OKTOBER 2026: 2. INTERNATIONALER AKTIONSTAG DER HAFENARBEITER

vom Weltgewerkschaftsbund

Keine Opfer für die Profite und Kriege der Imperialisten!

Der Weltgewerkschaftsbund richtet einen kämpferischen, klassenorientierten und internationalistischen Aufruf an seine Mitgliedsorganisationen und Gewerkschaften weltweit, den 2. Internationalen Aktionstag der Hafenarbeiter am 30. Oktober 2026 zu ihrer eigenen Sache zu machen und ihn zu unterstützen.

Die Mobilisierung findet zu einem kritischen Zeitpunkt statt, da sich militärische Konflikte ausbreiten und die Kriegsfronten gefährlich erweitert werden und miteinander verflochten sind – von der Ukraine bis zum Nahen Osten. Der mörderische Staat Israel setzt mit Unterstützung der USA, der Europäischen Union und der NATO sein Verbrechen gegen das palästinensische Volk fort und eskaliert seine militärische Aggression gegen den Iran und den Libanon, wodurch die Gefahr eines noch umfassenderen Konflikts zunimmt.

Hinter den verschiedenen Vorwänden verbirgt sich der Konflikt zwischen mächtigen kapitalistischen Staaten sowie die Konfrontation zwischen dem euro-atlantischen Block aus USA, NATO und EU und anderen imperialistischen Zentren um Märkte, Energie, Rohstoffe, Handelswege und die Kontrolle über strategische Infrastruktur.

Imperialistische Kriege stellen keine Abweichung vom „normalen“ Funktionieren des kapitalistischen Systems dar. Sie sind die Fortsetzung von Ausbeutung und Wettbewerb mit anderen Mitteln. Milliarden werden für Rüstung und die Kriegswirtschaft ausgegeben, während Löhne gedrückt, Sozialausgaben gekürzt, Gesundheitsversorgung und Bildung zur Ware gemacht werden und die Ausbeutung extreme Ausmaße annimmt – mit zermürbenden Arbeitszeiten, darunter 13-Stunden-Arbeitstage und Arbeit an sieben Tagen in der Woche.

Die Völker haben nichts von Kriegen und den Gegensätzen der Imperialisten zu gewinnen. Sie werden aufgefordert, für Profite, Kriege und die Folgen einer neuen kapitalistischen Wirtschaftskrise zu bezahlen, sich für Interessen zu opfern, die ihnen fremd sind, während Konzerne immer größere Anteile an der Beute für sich beanspruchen.

Häfen, Eisenbahnen, Flughäfen und die Verkehrsinfrastruktur insgesamt werden zu kritischen Knotenpunkten für den Transport von Waffen, Munition, militärischer Ausrüstung und Truppen umfunktioniert. Die Arbeiter*innen werden unter Druck gesetzt, zu Rädchen in der Kriegsmaschinerie und zu Komplizen bei Verbrechen gegen die Völker zu werden.

Hafenarbeiter*innen haben bereits bewiesen, dass sie durch Organisation, kollektiven Kampf und koordiniertes internationalistisches Handeln verhindern können, dass Häfen zu Ausgangspunkten für Kriege gemacht werden. Sie können die Ladungen des Todes blockieren, die das Massaker des israelischen Staates am palästinensischen Volk und die Ausbreitung des Krieges im gesamten Nahen Osten befeuern.

Am 6. Februar 2026 fanden in 20 Häfen in 7 Ländern Streikaktionen statt. Im Mai bildeten Gewerkschaftsorganisationen aus 35 Häfen in Istanbul ein Koordinierungsnetzwerk, das mittlerweile mehr als 40 Häfen im Mittelmeerraum und in Europa umfasst, unter Beteiligung von Organisationen aus Frankreich, Griechenland, dem Baskenland, der Türkei, Marokko und Italien, unter dem Motto: „Hafenarbeiter arbeiten nicht für den Krieg“.

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Aktionstag zu 81 Jahren Weltgewerkschaftsbund

Nachfolgend wird eine nicht autorisierte deutsche Übersetzung eines Artikels zum 81. Jahrestag der Gründung des Weltgewerkschaftbundes (WGB) und dem dazugehörigen internationalen Aktionstag am 3. Oktober 2026 abgedruckt:

Internationaler Aktionstag am 3. Oktober 2026

vom Weltgewerkschaftsbund (WGB)

3. Oktober 2026:Internationaler Aktionstag

Der Weltgewerkschaftsbund feiert am 3. Oktober erneut sein historisches Gründungsda­tum und organisiert einen internationalen Aktionstag, der in diesem Jahr unter dem Motto steht: „Vereint im Handeln und im Kampf stellen wir unsere Forderungen!“

  • Wissenschaft und Technologie im Dienste der Menschheit und nicht im Dienste von Monopolen und der Oligarchie des Reichtums.
  • Arbeit mit Rechten zur Befriedigung der heutigen Bedürfnisse der Arbeiter.
  • Eine Wirtschaft für Fortschritt und nicht für Krieg und Zerstörung.

Die technologischen Errungenschaften und die daraus resultierenden Produkti­onskapazitäten befinden sich zweifellos auf dem fortschrittlichsten, umfassends­ten und vielversprechendsten Niveau, das die Menschheit je erlebt hat. Der technologische Fortschritt der letzten 100–200 Jahre hat das Produktionspo­tenzial der Gesellschaft in beispielloser Weise gestärkt. Das enorme Niveau der heutigen Produktivkräfte ist eine weltweit anerkannte Realität und bildet einen Be­zugspunkt im akademischen und wissen­schaftlichen Diskurs, in wirtschaft­lich-technischen Foren sowie in den Analy­sen internationaler Organisationen. Es hat zweifellos die Voraussetzungen ge­schaffen, um alle grundlegenden und ak­tuellen Bedürfnisse der Weltbevölkerung zu decken.
In der Praxis jedoch wird Technologie im Rahmen des kapitalistischen Systems zum Profit einiger weniger ausgenutzt und nicht zur Deckung der Bedürfnisse der Vielen. Anstatt die Steigerung der menschlichen Produktivität zur Verkür­zung der Arbeitszeit und zur Verbesse­rung der Arbeitsbedingungen zu nutzen, erleben wir eine Zunahme flexibler und unregulierter Beschäftigungsformen als eine weitere Methode zur Intensivierung der Ausbeutung billiger, ungeschützter Arbeitskräfte.

Das Wachstum der Plattformwirtschaft und des Outsourcing-Marktes wird oft dazu genutzt, das Arbeitgeber-Arbeiter-Verhältnis hinter Zeitarbeitsfirmen zu verbergen oder Arbeiter als „Partner“ zu bezeichnen. Obwohl Remote-[Fern-]Arbeit oft als moderne, arbeiterfreundli­che Arbeitsform dargestellt wird, führt sie in der Praxis zu längeren Arbeitszeiten und einer höheren Arbeitsbelastung, während sie gleichzeitig die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben verwischt und arbeitsbedingten Stress sowie das Gefühl der Isolation verstärkt.

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Stalin – Anarchismus oder Sozialismus?

Nachfolgend wird das klassische Werk von J.W. Stalin „Anarchismus oder Sozialismus?“ (aus Stalin-Werke Band 1, S. 257-342) aus dem Jahr 1907 als PDF-Datei abgedruckt. Hier entwickelt J.W. Stalin die drei Grundpfeiler des Sozialismus in Abgrenzung zu den anarchistischen Ideen seiner Zeit und der Vergangenheit:

Zu den Wahlergebnissen in Sachsen-Anhalt

Nachfolgend wird eine nicht autorisierte deutsche Übersetzung einer Analyse aus der Zeitschrift „KAAR“ der Fadaian (Aghaliyat)-Minderheit aus dem Iran zu den Wahlergebnissen der faschistischen AfD im deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt abgedruckt:

Sachsen-Anhalt: Kapitalkrise und organisatorisches Vakuum der Arbeiterklasse

Das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt lässt sich nicht lediglich als „Schwankung der Parteistimmen“ verstehen.
Die Alternative für Deutschland (AfD) wurde mit 8,43 Prozent der Stimmen zur stärksten Partei des Landes und hat damit ihren Stimmenanteil gegenüber der Wahl von 2021 mehr als verdoppelt. Die Christlich-Demokratische Union fiel von 37,1 auf 17,2 Prozent, und die Wahlbeteiligung stieg von 60,3 auf 77,8 Prozent.
Doch die entscheidende Zahl ist nicht nur 43,8 Prozent. 61 Prozent der Wähler aus der Arbeiterklasse stimmten für die AfD. Diese Zahl stellt einen Widerspruch dar, von dem wir ausgehen müssen: Wie hat es eine Partei geschafft, fast zwei Drittel der Stimmen der Arbeiterklasse zu gewinnen, die weder das kapitalistische Eigentum ins Visier nimmt, noch die Macht des Kapitals am Arbeitsplatz und in der Wirtschaft in Frage stellt, noch die unabhängige Organisation der Arbeiterklasse auf ihrer Agenda hat?

Dieser Widerspruch lässt sich nicht mit „Täuschung“, „Unwissenheit“ oder den rechtsgerichteten Tendenzen der Arbeiterinnen erklären. Die soziale Zusammensetzung der Wählerschaft einer Partei bestimmt nicht ihren Klassencharakter. Eine Partei kann einen großen Anteil der Stimmen der Arbeiterklasse gewinnen, während ihre Politik und ihr Programm dazu dienen, genau jene Verhältnisse aufrechtzuerhalten, die die Arbeiterinnen in einer untergeordneten Position halten.

Die grundlegende Frage lautet daher: Wie kommt es, dass die Unzufriedenheit, die zum großen Teil in Ausbeutung, Arbeitsplatzunsicherheit, der Wohnungskrise, sinkendem Lebensstandard und sozialer Ohnmacht begründet liegt, nicht in Klassenbewusstsein und Organisation mündet, sondern in rechtsextremen Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und Identitätspolitik?
Die kapitalistische Krise erzeugt für sich genommen kein Klassenbewusstsein. Elend, Unsicherheit und Wut haben keine vorgegebene politische Richtung. Ihre Richtung hängt vom Kräfteverhältnis zwischen den Klassen, dem Organisationsgrad der Arbeiterinnen und dem Vorhandensein oder Fehlen einer unabhängigen politischen Alternative ab. Wenn der Druck auf Löhne, Arbeitsbedingungen, soziale Leistungen und Arbeitsplatzsicherheit zunimmt, breitet sich auch die Unzufriedenheit aus. Doch diese Unzufriedenheit ist noch keine Politik; sie muss interpretiert, mit einem Ziel versehen und organisiert werden. Gibt es keine Kraft, die den Zusammenhang zwischen Löhnen, Lebenshaltungskosten, Wohnsituation, Arbeitslosigkeit, Werksschließungen, Krieg und der Konzentration von Reichtum und kapitalistischer Macht aufdeckt, kann die extreme Rechte diese Wut für sich vereinnahmen und eine alternative Erklärung anbieten.

Dieser Prozess beschränkt sich nicht auf Deutschland. In den letzten Jahren war vor dem Hintergrund aufeinanderfolgender wirtschaftlicher und sozialer Krisen, Sparpolitik, Arbeitsplatzunsicherheit, sinkendem Lebensstandard, der Wohnungskrise, Krieg und verschärftem Wettbewerb zwischen kapitalistischen Mächten in vielen Ländern der Boden fruchtbar für das Wachstum von Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und autoritären Tendenzen. Dieser Zusammenhang ist natürlich kein mechanischer. Eine Krise bringt nicht zwangsläufig die extreme Rechte hervor, noch führt sie automatisch zu einer auf die Arbeiterklasse ausgerichteten, klassenbasierten Politik. Entscheidend ist, welche Kraft in der Lage ist, soziale Unsicherheit und Wut zu erklären, einen Feind und eine Lösung dafür zu definieren und diese Kräfte zu organisieren. Unter den Bedingungen einer schwachen, unabhängigen Organisation der Arbeiterklasse ist es der extremen Rechten in verschiedenen Ländern gelungen, einen Teil der sozialen Unzufriedenheit in die Sprache der Nation, der Grenzen, der Migration und der „Wiederherstellung der Ordnung“ zu übersetzen.

Wie wird aus einem Klassenwiderspruch ein Widerspruch der nationalen Identität?

Ein Arbeiter, der die AfD wählt, könnte mit der Schließung seiner Fabrik konfrontiert sein, unter sinkender Kaufkraft und steigenden Mieten leiden, sich Sorgen um seine Altersvorsorge machen oder das Gefühl haben, dass er nach Jahren der Arbeit nicht die Sicherheit und den Status erreicht hat, die er erwartet hatte.
Die extreme Rechte geht genau von dieser realen Erfahrung aus. Sie sagt dem Arbeiter nicht, dass mit ihm alles in Ordnung sei. Im Gegenteil: Sie sagt ihm, dass er jedes Recht habe, wütend zu sein, dass ihm niemand zuhöre und dass ihm das, was ihm rechtmäßig zustünde, weggenommen worden sei. Doch hier stellt sich die entscheidende Frage: Wer hat es ihm weggenommen?
Die Antwort der extremen Rechten lenkt den Blick von der eigentlichen Quelle der Unzufriedenheit ab: nicht die Eigentumsverhältnisse, sondern der Einwanderer; nicht die Macht des Kapitals, sondern der Asylbewerber; nicht der Arbeitgeber, sondern der Sozialhilfeempfänger; nicht der große Wohnungsbaukonzern, sondern die Einwandererfamilie; nicht der Wettbewerb der Kapitalmärkte und die Verlagerung der Produktion, sondern die Europäische Union; und neben all dem noch die Medien, die Feministinnen, die Linke und die „Eliten“. Somit leugnet die extreme Rechte das Leid nicht; sie verlagert lediglich dessen Ursache. In dieser Erzählung wird der Feind sowohl oben als auch unten konstruiert, doch das Kapital wird fast vollständig aus dem Bild getilgt. Die Gesellschaft wird in „wir“ und „die anderen“ unterteilt, statt in Arbeiter und Kapitalisten.

Bei diesem Prozess geht es jedoch nicht nur darum, Wut umzulenken. Die extreme Rechte lenkt nicht bloß die Klassenwut ab, sondern reproduziert auch Spaltungen innerhalb der Arbeiterklasse. Einheimische Arbeiter gegen Arbeitsmigranten, Beschäftigte gegen Arbeitslose, Steuerzahler gegen Sozialhilfeempfänger – und verschiedene Teile der Arbeiterschaft werden gegeneinander ausgespielt. Tatsächliche Unterschiede in Bezug auf Stellung, Nationalität, Aufenthaltsstatus oder Geschlecht werden zu politischen Grenzen. Wenn Arbeiterinnen einander und nicht das Kapital als Ursache ihrer Unsicherheit betrachten, wird ihre gemeinsame Organisation erschwert und die Macht des Kapitals über die Arbeit nimmt zu.
Das Vakuum einer unabhängigen Organisation der Arbeiterklasse
Aus diesem Grund reicht es nicht aus, zu sagen, dass die AfD die Arbeiterinnen „getäuscht“ habe. Die wichtigere Frage ist, warum ihre soziale Unzufriedenheit keinen anderen klassenbezogenen Ausdruck und keine andere Organisation gefunden hat.

Ein Teil der Antwort muss in der Entwicklung der europäischen Arbeiterbewegung gesucht werden. Die Sozialdemokratie hat das Ziel, den Kapitalismus zu überwinden, schon vor langer Zeit aufgegeben und beschränkt sich darauf, ihn zu verwalten. In den letzten Jahrzehnten ist sogar diese reformistische Politik unter dem Druck von Sparmaßnahmen, internationalem Kapitalwettbewerb und der Verengung der Möglichkeiten für Klassenkompromisse zurückgegangen.
Kommunistische Parteien und ein großer Teil der radikalen Linken wurden entweder geschwächt oder in den Rahmen der parlamentarischen Politik und der Reform der bestehenden Ordnung integriert. Gewerkschaften, insbesondere in Deutschland, sind so eng mit dem Mechanismus der „Übereinkunft und Zusammenarbeit zwischen Arbeit und Kapital“ – oder, in ihrer Terminologie, der „Sozialpartnerschaft“ – verflochten, dass sie in manchen Fällen die „Wettbewerbsfähigkeits“-Erwägungen des Kapitals neben oder sogar entgegen den eigenständigen Interessen der Arbeitnehmer widerspiegeln.
Doch mit dem Rückzug dieser Kräfte ist der Widerspruch zwischen Arbeit und Kapital nicht verschwunden. Das Kapital hat nach wie vor die entscheidende Macht über Investitionen, Einstellungen, Entlassungen, die Verlagerung der Produktion und die Schließung von Fabriken. Löhne, Wohnraum, Arbeitszeiten, Renten und soziale Leistungen bleiben Klassenfragen.

Was geschwächt wurde, ist nicht der Klassenwiderspruch selbst, sondern die Fähigkeit, die alltägliche Erfahrung dieses Widerspruchs in Klassenbewusstsein, Organisation und Kampf umzuwandeln.
Die Schwäche unabhängiger Klassenorganisationen verschärft die Unfähigkeit, vereinzelte Unzufriedenheit in kollektiven Kampf umzuwandeln, und schafft ein Vakuum, das die Rechte mit nationalistischer und identitätspolitischer Rhetorik füllen kann. Aus genau dieser Realität ergibt sich die Notwendigkeit, die unabhängige und revolutionäre Organisation der Arbeiterklasse wieder aufzubauen.

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Erfahrungen der Rojava-Revolution

Nachfolgend wird eine nicht autorisierte deutsche Übersetzung eines Interviews über die Rolle der Rojava-Revolution in Syrien durch die Nachrichtenagentur ETHA aus der Türkei/Nordkurdistan abgedruckt:

Wer hat durch die Rojava-Erfahrung Recht behalten: Lenin oder Bookchin? – Ein Interview mit Fred Weston

ETHA vom 12. August 2026

Im Grunde wurden sie besiegt oder vollständig zurückgedrängt. Sie werden militärisch und wirtschaftlich in den neuen syrischen Staat integriert. Das war also eine Niederlage. Dabei galt Rojava einst als Vorbild für eine Revolution und als Beispiel dafür, wie eine Revolution durchgeführt werden kann.

Anmerkung des Übersetzers:

Nach dem letzten Krieg in Rojava und dem großen Rückzug versuchen nicht nur türkische Revolutionäre, sondern auch Sozialisten aus verschiedenen Teilen der Welt, die Lage in Rojava zu verstehen und theoretisch-politische Schlussfolgerungen aus dieser schweren Erfahrung der kurdischen Bewegung zu ziehen.

In diesem Zusammenhang hat die Zeitschrift „In Defence Of Marxism“, die ihre Auseinandersetzung vertieft und sich selbst als trotzkistisch definiert, ihre Juli-Ausgabe der Analyse der Rojava-Erfahrung und des als Niederlage bezeichneten letzten Kriegsprozesses gewidmet. In dieser Ausgabe wurde ein Artikel mit dem Titel „Warum wurde die Rojava-Revolution besiegt?“ veröffentlicht, der von Fred Wetson, einem bekannten Autor der Zeitschrift, verfasst wurde. Ein Interview unter demselben Titel wurde für Interessierte auf YouTube hochgeladen.

Der erwähnte Artikel wurde noch nicht digital veröffentlicht. Die Website von „In Defence Of Marxism“ führte jedoch ein weiteres Interview mit Fred Wetson, das als kurze Zusammenfassung desselben Artikels angesehen werden kann, und veröffentlichte es.

Bevor wir zur Übersetzung dieses Interviews kommen, müssen für den Leser einige kritische Punkte hervorgehoben werden. Fred Wetson betrachtet in seinem Interview den Nahen Osten und die Revolution in Rojava aus einer aufrichtigen, aber strengen theoretischen Perspektive. Diese Distanz schafft eine Sichtweise, die es mitunter erschwert, die politische Lebendigkeit, die Komplexität, die ineinandergreifenden Widersprüche und die konkreten Kampfdynamiken zu verstehen, die Revolutionären aus der Türkei und dem Nahen Osten nur allzu gut bekannt sind.

Doch keine Revolution lässt sich allein anhand einer theoretischen Abstraktion verstehen; die politischen Probleme, die Richtigkeiten und die Fehler einer Revolution ausschließlich anhand vorgefasster theoretischer Kategorien zu bewerten, birgt die Gefahr, die spezifische historische und politische Realität dieser Revolution aus den Augen zu verlieren.

Die Geschichte der Weltrevolutionen liefert uns hierfür unzählige Beispiele. Wie Gramsci hervorhob, haben sich manche Revolutionen nicht in der von den bestehenden theoretischen Schemata vorhergesagten Form vollzogen, sondern quasi als „Revolution gegen das Kapital“. Auch die Bewertung der Rojava-Revolution ausschließlich anhand klassisch-marxistischer Revolutionskategorien kann zu einer ähnlichen Begrenzung führen.

In dem Interview, das Sie gleich lesen werden, geht Fred Wetson so weit, der kurdischen Bewegung – dem eigentlichen Subjekt der Rojava-Revolution – eine politische Mission aufzuerlegen, die sie gar nicht übernommen hat – nämlich die Mission, ein kommunistisches, proletarisches oder im klassischen Sinne marxistisches revolutionäres Subjekt zu sein –, und dieses Subjekt anschließend anhand dieser Maßstäbe zu beurteilen. Daher bin ich der Meinung, dass es nicht besonders aufschlussreich ist, einen Teil der Kritik auf der Grundlage dieser Annahme zu vertiefen.

Dennoch muss man anerkennen, dass das Interview einen wichtigen und wertvollen Aspekt aufweist. Schließlich handelt es sich um eine reale, konkrete und gelebte revolutionäre Erfahrung. Es ist wichtig, dass die Marxisten und Revolutionäre weltweit aus dieser Erfahrung Lehren ziehen, ihre eigenen Theorien an einer gelebten historischen Realität prüfen und gegebenenfalls nach einer theoretisch-politischen Erneuerung suchen.

Jede ernsthafte Auseinandersetzung mit der Rojava-Erfahrung dieser Art ist wertvoll, ungeachtet ihrer Mängel und Grenzen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Interviews ist der Versuch, die historische Entwicklung der Rojava-Revolution und insbesondere den Prozess der schweren „Niederlage“ aus der Perspektive der marxistisch-leninistischen Theorie zu Staat, Revolution und Macht zu beleuchten. Das Interview enthält wichtige Hinweise zu Themen wie der Natur des Staates, der Machtfrage, der Zersplitterung des Staatsapparats, den praktischen Konsequenzen der Unterscheidungen zwischen Anarchismus und Kommunismus; der Vorübergehlichkeit von Doppelherrschaft und Gleichgewichtszuständen, die Revolutionen durchlaufen können; sowie der Funktionsweise des bürgerlichen Staates sowohl in theoretischer als auch in praktischer Hinsicht. Zudem wurde ein Teil davon durch die konkreten Entwicklungen in Rojava und Syrien auf die Probe gestellt und bestätigt.

Daher sollte man das Interview nicht nur anhand politischer Thesen lesen, die sich lediglich als richtig oder falsch bezeichnen lassen. Die Berücksichtigung des dualen Charakters des Interviews, das sowohl wichtige Einschränkungen als auch bemerkenswerte neue Perspektiven aufweist, wird den Leser zu einer fundierteren Bewertung führen. Es ist offensichtlich, dass bestimmte theoretische Rahmen das Risiko bergen, die einzigartige politische Realität der Rojava-Erfahrung einzuschränken; doch können dieselben Rahmen auch wichtige Türen öffnen, um über bestimmte Probleme, die diese Erfahrung aufgezeigt hat, neu nachzudenken und Antworten auf einige Fragen zu finden. Der eigentliche Wert des Interviews liegt nicht darin, dass es alle Fragen zur Rojava-Revolution beantwortet, sondern darin, dass es uns dazu anregt, erneut und eingehender über die Probleme nachzudenken, die eine gelebte revolutionäre Erfahrung aufgezeigt hat.

Hier ist der vollständige Text des Interviews mit Fred Weston, das die Zeitschrift „In Defence of Marxism“ unter dem Titel „Rojava: Warum ist die Revolution gescheitert?“ geführt hat:

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Von der Automobil- zur Kriegsindustrie in der BRD

Nachfolgend wird eine nicht autorisierte deutsche Übersetzung eines Artikels über die Automobil- und Rüstungsindustrie in der BRD von der Nachrichtenagentur ETHA aus der Türkei/Nordkurdistan abgedruckt:

Die Suche des Kapitals nach einem Ausweg aus der Krise: Von der Automobilindustrie zur Rüstungsindustrie in Deutschland

ETHA vom 10. September 2026. Von Umut Demir

In Deutschland lässt sich die Krise der Automobilindustrie nicht losgelöst von der Rüstungsindustrie betrachten. Beide sind zwei unterschiedliche Folgen ein und derselben Krise. Während die Rentabilität im alten Export- und Industriemodell zurückgeht, wendet sich das Kapital neuen Akkumulationsbereichen zu. Auch der Staat setzt öffentliche Mittel ein, um diesen Wandel zu unterstützen.

Die Krise, in die die deutsche Automobilindustrie geraten ist, lässt sich nicht allein mit der Misswirtschaft einzelner Unternehmen oder mit Fehlern beim Übergang zum Elektroauto erklären. Das Bild, das sich von Volkswagen über BMW bis hin zu Mercedes und Porsche abzeichnet, zeigt, dass das Akkumulationsmodell, auf das der deutsche Kapitalismus über viele Jahre hinweg gesetzt hat, heute ernsthaft ins Wanken geraten ist. Deutschlands exportorientiertes Wachstumsmodell verliert nicht nur den Vorteil des Zugangs zu billiger Energie und Rohstoffen, sondern auch seine früheren Wettbewerbsvorteile gegenüber China, das in den Produktionstechnologien rasante Fortschritte macht.

Die Stärke des deutschen Industriekapitals auf dem Weltmarkt beruhte nicht allein auf der Produktion von Hochtechnologie. Hinter dieser Produktion stand zugleich relativ billige und stabile Energie. Insbesondere das aus Russland bezogene Erdgas verschaffte Deutschlands energieintensiven Branchen wie der Chemie-, Stahl-, Maschinenbau- und Automobilindustrie einen bedeutenden Kostenvorteil. Das deutsche Kapital schuf durch die Kombination von hoher Produktivität und fortschrittlicher Technologie mit niedrigen Energiekosten eine starke Wettbewerbsposition auf den Weltmärkten. Das exportorientierte deutsche Modell basierte jahrelang auf dieser Beziehung.

Mit dem Krieg in der Ukraine geriet dieses Gleichgewicht ins Wanken. Der Wettbewerb zwischen dem imperialistischen Block aus Russland und China und den westlichen Mächten verschärfte sich nicht nur im militärischen Bereich, sondern auch im Energie- und Rohstoffsektor. Der weitgehende Wegfall des Zugangs zu russischem Gas führte zu einem direkten Anstieg der Produktionskosten der deutschen Industrie. Teurere Energie erschwerte die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der vom deutschen Kapital hergestellten Waren auf den Weltmärkten. Dies verstärkte den Kostendruck auf die deutsche Industrie, die gegenüber China ohnehin schon ins Straucheln geraten war, noch weiter.

Das deutsche Kapital hatte über Jahrzehnte hinweg eine große Überlegenheit in der Diesel- und Verbrennungsmotortechnologie erlangt. Die weltweite Stärke von Monopolen wie Volkswagen, Mercedes und BMW beruhte auf ihrer Motorentechnologie und ihren ingenieurtechnischen Kapazitäten. Der Übergang zu Elektrofahrzeugen hat jedoch einen wesentlichen Teil dieser Überlegenheit untergraben. Während Batterien, Software, Elektronik und ein anderes Produktionssystem in den Mittelpunkt der neuen Automobiltechnologie rücken, verschaffte sich China durch seine Rolle als Produktionsstandort einen Vorteil in diesem Wettbewerb.

Dass bis 2025 etwa 75 Prozent der weltweiten Produktion von Elektrofahrzeugen in China stattfinden werden, verdeutlicht das Ausmaß dieses Wandels. Noch wichtiger ist, dass chinesische Unternehmen mittlerweile nicht mehr nur billiger produzieren. Sie verfügen auch über eine starke Position in den Bereichen Technologieentwicklung, Batterieproduktion und Systeme für Elektrofahrzeuge. Während sich die Automobiltechnologie, in der Deutschland jahrelang einen Wettbewerbsvorteil hatte, wandelt, ist deutsches Kapital im Bereich der neuen Technologien nicht mehr in der Lage, mit den chinesischen Konkurrenten zu konkurrieren.

Die Folge davon ist für Deutschland nicht nur ein Marktverlust, sondern ein direkter wirtschaftlicher Rückgang. Im Jahr 2025 beliefen sich die Exporte der deutschen Automobilindustrie auf rund 280 Milliarden Euro, was 16,2 Prozent der gesamten Exporte des Landes entsprach. In der Branche, in der – ohne Zulieferer – rund 725.000 Menschen beschäftigt waren, ging die Beschäftigung um 6,2 Prozent zurück. Die Automobilproduktion in Deutschland ist seit 2016 um rund 28 Prozent zurückgegangen. Ein derartiger Produktionsrückgang in einem der wichtigsten Exportsektoren eines Landes zeigt, dass es dem Kapital zunehmend schwerfällt, die früheren Gewinnniveaus mit derselben Produktionsstruktur zu erzielen.

Auch die Entwicklung im Handel mit China verläuft in die gleiche Richtung. Deutschlands Exporte nach China gingen im ersten Halbjahr 2026 um mehr als 12 Prozent zurück und fielen unter 37 Milliarden Euro, während die Importe aus China um rund 9 Prozent auf 91,8 Milliarden Euro stiegen. Damit erreichte das Handelsdefizit Deutschlands gegenüber China rund 55 Milliarden Euro. Chinas Rang unter den deutschen Exportmärkten fiel zudem von Platz zwei im Jahr 2021 auf Platz neun im ersten Halbjahr 2026 zurück. Diese Zahlen zeigen, dass deutsches Kapital nicht nur auf dem chinesischen Markt Umsatz einbüßt, sondern auch auf dem heimischen Markt und in traditionellen Industriebereichen mit chinesischem Kapital konkurriert.

Die Unterschiede bei den Produktionskosten verschärfen diesen Wettbewerb noch weiter. Während die Arbeitskosten pro Auto in Deutschland bei etwa 3.307 Dollar liegen, betragen sie in China 597 Dollar und in Mexiko 305 Dollar. Aus Sicht des Kapitals spiegeln diese Zahlen nicht nur den Lohnunterschied wider, sondern zeigen auch, in welchem Produktionsstandort höhere Gewinne erzielt werden können. Deutsche Konzerne verlagern daher die Produktion in andere Länder, bauen Arbeitsplätze ab und reduzieren die Kapazitäten ihrer Werke. In Krisenzeiten des Kapitalismus gehört es zu den ersten Maßnahmen des Kapitals, die Arbeitskosten zu senken und die Produktionskapazitäten zu verringern, um die Rentabilität wieder zu steigern.

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