Von Zîlan Kaplan
Clara Zetkin hatte in ihrer historischen Rede vor dem Reichstag im Jahr 1932 zu einer Einheitsfront gegen den Faschismus aufgerufen. 94 Jahre später scheinen die Probleme, auf die Clara Zetkin hingewiesen hat, angesichts des Aufstiegs faschistischer Parteien wie der AfD wie aus der heutigen Zeit zu stammen.
Clara Zetkin hatte 1932 in ihrer historischen Rede im Reichstag zu einer Einheitsfront gegen den Faschismus aufgerufen. 94 Jahre später, angesichts des Aufstiegs faschistischer Parteien wie der AfD, scheinen die Probleme, auf die Clara Zetkin hingewiesen hat, die heutige Zeit zu beschreiben. Wir dürfen weder die Last der kapitalistischen Krise tragen noch faschistische Rechtsverletzungen hinnehmen. Mit Zetkins Gedanken „Die Jugend, die keine andere Zukunft hat, muss kämpfen“ organisiert sich heute die antifaschistische Jugend gegen neue faschistische Kräfte und geht ihren Weg, indem sie von ihr lernt.
Am 30. August 1932, also vor genau 94 Jahren, hielt die 75-jährige kommunistische Vorkämpferin Clara Zetkin trotz ihrer schweren Krankheit und der massiven Drohungen der Faschisten in Berlin als ältestes Mitglied und „Alterspräsidentin“ des Reichstags die Eröffnungsrede. Einen Monat zuvor, im Juli 1932, wurden die Völker der Welt Zeugen, wie die faschistische Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) im Reichstag zur stärksten Partei gewählt wurde. Einen Monat später, an der Schwelle zum deutschen Faschismus, in einem entscheidenden historischen Moment, wendet sich Clara Zetkin an die Öffentlichkeit und ruft dazu auf, gegen den Faschismus vorzugehen und die proletarische Revolution zu organisieren.
In ihrer Rede weist Zetkin darauf hin, dass die sich verschärfende kapitalistische Krise die Massen in den Hunger treibt, dass Arbeitslosigkeit und Elend immer weiter zunehmen, und erklärt, dass die Außenpolitik das Land in einen neuen Weltkrieg treibt. Gleichzeitig betont sie, dass der Liberalismus und die reformistische Sozialdemokratie verrottet seien, dass die Massen außerhalb des Parlaments aktiv werden müssten und dass nur die Sowjetrevolution die Lage ändern könne.
Clara Zetkin stellt den Kampf gegen den Faschismus in den Mittelpunkt ihrer Rede und ruft dazu auf, alle politischen, gewerkschaftlichen und religiösen Differenzen beiseite zu lassen und die Arbeiter, Frauen, die Jugend und die Intellektuellen als eine einzige Einheitsfront („Einheitsfront“) zu organisieren. Clara Zetkin verwendet in ihrer Rede folgende Formulierungen:
„Die Auflehnung von Millionen werktätiger Männer und Frauen in Deutschland gegen Hunger, Entrechtung, faschistischen Mord und imperialistische Kriege ist ein Ausdruck der unzerstörbaren Schicksalsgemeinschaft der Schaffenden der ganzen Welt. Diese internationale Schicksalsgemeinschaft muß ehern geschmiedete Kampfesgemeinschaft der Werktätigen in allen Herrschaftsgebieten des Kapitalismus werden, eine Kampfesgemeinschaft, die sie mit den vorausgestürmten befreiten Brüdern und Schwestern in der Sowjetunion verbindet. Streiks und Aufstände in den verschiedensten Ländern sind lodernde Flammenzeichen, die den Kämpfenden in Deutschland zeigen, daß sie nicht allein stehen. Überall beginnen die Enterbten und Niedergetretenen zur Eroberung der Macht vorzustoßen.“
Das 1932 beschriebene politische Umfeld weist Parallelen zur heutigen Situation auf. Während der Rüstungswettlauf zwischen den imperialistischen Mächten und die Bemühungen zur Stärkung der NATO weitergehen, dauern in Deutschland auch weiterhin faschistische Angriffe auf Pride-Paraden, rassistische Polizeigewalt, Versuche, antifaschistische Gruppen zu kriminalisieren, sowie die Gefahr von Massenentlassungen in bis zu 100.000 Fällen bei Kapitalriesen wie VW an. Während einerseits die Vorbereitungen für den Dritten Weltkrieg vorangetrieben werden, wird andererseits über eine Verlängerung des 8-Stunden-Arbeitstages diskutiert, der ein Ergebnis des Kampfes der Arbeiterklasse war. Die AfD, eine neue faschistische Partei, die für ihre rechte und migrationsfeindliche Propaganda bekannt ist, rechnet damit, bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt am 6. September die stärkste Partei zu werden.
Migranten, Jugendliche und Arbeiter protestieren seit Tagen. Auch wenn es heute weltweit keine „vorauseilenden, befreiten Brüder“ mehr gibt, wie zu Zetkins Zeiten, so zeigen doch die Organisation des Schülerstreiks am 8. Mai unter der Führung sozialistischer und antifaschistischer Jugendlicher in Italien, Deutschland und der Türkei sowie der erneute Aufruf zu Boykott und Streik am 20. November den internationalen antifaschistischen Jugendkampf und die Solidarität gegen die neuen faschistischen Kräfte.
Zetkin fährt in seiner Rede mit folgenden Worten fort:
„In der auch in Deutschland sich formierenden Einheitsfront der Werktätigen dürfen die Millionen Frauen nicht fehlen, die noch immer Ketten der Geschlechtssklaverei und dadurch härtester Klassensklaverei ausgeliefert sind. In den vordersten Reihen muß die Jugend kämpfen, die freies Emporblühen und Ausreifen ihrer Kräfte heischt, aber heute keine andere Aussicht hat als den Kadavergehorsam und die Ausbeutung in den Kolonnen der Arbeitsdienstpflichtigen. In die Einheitsfront gehören auch alle geistig Schaffenden, deren Können und Wollen, den Wohlstand und die Kultur der Gesellschaft zu mehren, heute in der bürgerlichen Ordnung sich nicht mehr auszuwirken vermag.“
Und er schließt seine Rede mit folgendem Aufruf und dieser Hoffnung:
„In die kämpfende Einheitsfront alle, die als Lohn- und Gehaltsangehörige oder sonstwie Tributpflichtige des Kapitals zugleich Erhalter und Opfer des Kapitalismus sind! Ich eröffne den Reichstag in Erfüllung meiner Pflicht als Alterspräsidentin und in der Hoffnung, trotz meiner jetzigen Invalidität das Glück zu erleben, als Alterspräsidentin den ersten Rätekongreß Sowjetdeutschlands zu eröffnen.“
Was sagt uns Clara Zetkins Rede von vor 94 Jahren heute? weiterlesen
