Stalin – Anarchismus oder Sozialismus?

Nachfolgend wird das klassische Werk von J.W. Stalin „Anarchismus oder Sozialismus?“ (aus Stalin-Werke Band 1, S. 257-342) aus dem Jahr 1907 als PDF-Datei abgedruckt. Hier entwickelt J.W. Stalin die drei Grundpfeiler des Sozialismus in Abgrenzung zu den anarchistischen Ideen seiner Zeit und der Vergangenheit:

Zu den Wahlergebnissen in Sachsen-Anhalt

Nachfolgend wird eine nicht autorisierte deutsche Übersetzung einer Analyse aus der Zeitschrift „KAAR“ der Fadaian (Aghaliyat)-Minderheit aus dem Iran zu den Wahlergebnissen der faschistischen AfD im deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt abgedruckt:

Sachsen-Anhalt: Kapitalkrise und organisatorisches Vakuum der Arbeiterklasse

Das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt lässt sich nicht lediglich als „Schwankung der Parteistimmen“ verstehen.
Die Alternative für Deutschland (AfD) wurde mit 8,43 Prozent der Stimmen zur stärksten Partei des Landes und hat damit ihren Stimmenanteil gegenüber der Wahl von 2021 mehr als verdoppelt. Die Christlich-Demokratische Union fiel von 37,1 auf 17,2 Prozent, und die Wahlbeteiligung stieg von 60,3 auf 77,8 Prozent.
Doch die entscheidende Zahl ist nicht nur 43,8 Prozent. 61 Prozent der Wähler aus der Arbeiterklasse stimmten für die AfD. Diese Zahl stellt einen Widerspruch dar, von dem wir ausgehen müssen: Wie hat es eine Partei geschafft, fast zwei Drittel der Stimmen der Arbeiterklasse zu gewinnen, die weder das kapitalistische Eigentum ins Visier nimmt, noch die Macht des Kapitals am Arbeitsplatz und in der Wirtschaft in Frage stellt, noch die unabhängige Organisation der Arbeiterklasse auf ihrer Agenda hat?

Dieser Widerspruch lässt sich nicht mit „Täuschung“, „Unwissenheit“ oder den rechtsgerichteten Tendenzen der Arbeiterinnen erklären. Die soziale Zusammensetzung der Wählerschaft einer Partei bestimmt nicht ihren Klassencharakter. Eine Partei kann einen großen Anteil der Stimmen der Arbeiterklasse gewinnen, während ihre Politik und ihr Programm dazu dienen, genau jene Verhältnisse aufrechtzuerhalten, die die Arbeiterinnen in einer untergeordneten Position halten.

Die grundlegende Frage lautet daher: Wie kommt es, dass die Unzufriedenheit, die zum großen Teil in Ausbeutung, Arbeitsplatzunsicherheit, der Wohnungskrise, sinkendem Lebensstandard und sozialer Ohnmacht begründet liegt, nicht in Klassenbewusstsein und Organisation mündet, sondern in rechtsextremen Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und Identitätspolitik?
Die kapitalistische Krise erzeugt für sich genommen kein Klassenbewusstsein. Elend, Unsicherheit und Wut haben keine vorgegebene politische Richtung. Ihre Richtung hängt vom Kräfteverhältnis zwischen den Klassen, dem Organisationsgrad der Arbeiterinnen und dem Vorhandensein oder Fehlen einer unabhängigen politischen Alternative ab. Wenn der Druck auf Löhne, Arbeitsbedingungen, soziale Leistungen und Arbeitsplatzsicherheit zunimmt, breitet sich auch die Unzufriedenheit aus. Doch diese Unzufriedenheit ist noch keine Politik; sie muss interpretiert, mit einem Ziel versehen und organisiert werden. Gibt es keine Kraft, die den Zusammenhang zwischen Löhnen, Lebenshaltungskosten, Wohnsituation, Arbeitslosigkeit, Werksschließungen, Krieg und der Konzentration von Reichtum und kapitalistischer Macht aufdeckt, kann die extreme Rechte diese Wut für sich vereinnahmen und eine alternative Erklärung anbieten.

Dieser Prozess beschränkt sich nicht auf Deutschland. In den letzten Jahren war vor dem Hintergrund aufeinanderfolgender wirtschaftlicher und sozialer Krisen, Sparpolitik, Arbeitsplatzunsicherheit, sinkendem Lebensstandard, der Wohnungskrise, Krieg und verschärftem Wettbewerb zwischen kapitalistischen Mächten in vielen Ländern der Boden fruchtbar für das Wachstum von Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und autoritären Tendenzen. Dieser Zusammenhang ist natürlich kein mechanischer. Eine Krise bringt nicht zwangsläufig die extreme Rechte hervor, noch führt sie automatisch zu einer auf die Arbeiterklasse ausgerichteten, klassenbasierten Politik. Entscheidend ist, welche Kraft in der Lage ist, soziale Unsicherheit und Wut zu erklären, einen Feind und eine Lösung dafür zu definieren und diese Kräfte zu organisieren. Unter den Bedingungen einer schwachen, unabhängigen Organisation der Arbeiterklasse ist es der extremen Rechten in verschiedenen Ländern gelungen, einen Teil der sozialen Unzufriedenheit in die Sprache der Nation, der Grenzen, der Migration und der „Wiederherstellung der Ordnung“ zu übersetzen.

Wie wird aus einem Klassenwiderspruch ein Widerspruch der nationalen Identität?

Ein Arbeiter, der die AfD wählt, könnte mit der Schließung seiner Fabrik konfrontiert sein, unter sinkender Kaufkraft und steigenden Mieten leiden, sich Sorgen um seine Altersvorsorge machen oder das Gefühl haben, dass er nach Jahren der Arbeit nicht die Sicherheit und den Status erreicht hat, die er erwartet hatte.
Die extreme Rechte geht genau von dieser realen Erfahrung aus. Sie sagt dem Arbeiter nicht, dass mit ihm alles in Ordnung sei. Im Gegenteil: Sie sagt ihm, dass er jedes Recht habe, wütend zu sein, dass ihm niemand zuhöre und dass ihm das, was ihm rechtmäßig zustünde, weggenommen worden sei. Doch hier stellt sich die entscheidende Frage: Wer hat es ihm weggenommen?
Die Antwort der extremen Rechten lenkt den Blick von der eigentlichen Quelle der Unzufriedenheit ab: nicht die Eigentumsverhältnisse, sondern der Einwanderer; nicht die Macht des Kapitals, sondern der Asylbewerber; nicht der Arbeitgeber, sondern der Sozialhilfeempfänger; nicht der große Wohnungsbaukonzern, sondern die Einwandererfamilie; nicht der Wettbewerb der Kapitalmärkte und die Verlagerung der Produktion, sondern die Europäische Union; und neben all dem noch die Medien, die Feministinnen, die Linke und die „Eliten“. Somit leugnet die extreme Rechte das Leid nicht; sie verlagert lediglich dessen Ursache. In dieser Erzählung wird der Feind sowohl oben als auch unten konstruiert, doch das Kapital wird fast vollständig aus dem Bild getilgt. Die Gesellschaft wird in „wir“ und „die anderen“ unterteilt, statt in Arbeiter und Kapitalisten.

Bei diesem Prozess geht es jedoch nicht nur darum, Wut umzulenken. Die extreme Rechte lenkt nicht bloß die Klassenwut ab, sondern reproduziert auch Spaltungen innerhalb der Arbeiterklasse. Einheimische Arbeiter gegen Arbeitsmigranten, Beschäftigte gegen Arbeitslose, Steuerzahler gegen Sozialhilfeempfänger – und verschiedene Teile der Arbeiterschaft werden gegeneinander ausgespielt. Tatsächliche Unterschiede in Bezug auf Stellung, Nationalität, Aufenthaltsstatus oder Geschlecht werden zu politischen Grenzen. Wenn Arbeiterinnen einander und nicht das Kapital als Ursache ihrer Unsicherheit betrachten, wird ihre gemeinsame Organisation erschwert und die Macht des Kapitals über die Arbeit nimmt zu.
Das Vakuum einer unabhängigen Organisation der Arbeiterklasse
Aus diesem Grund reicht es nicht aus, zu sagen, dass die AfD die Arbeiterinnen „getäuscht“ habe. Die wichtigere Frage ist, warum ihre soziale Unzufriedenheit keinen anderen klassenbezogenen Ausdruck und keine andere Organisation gefunden hat.

Ein Teil der Antwort muss in der Entwicklung der europäischen Arbeiterbewegung gesucht werden. Die Sozialdemokratie hat das Ziel, den Kapitalismus zu überwinden, schon vor langer Zeit aufgegeben und beschränkt sich darauf, ihn zu verwalten. In den letzten Jahrzehnten ist sogar diese reformistische Politik unter dem Druck von Sparmaßnahmen, internationalem Kapitalwettbewerb und der Verengung der Möglichkeiten für Klassenkompromisse zurückgegangen.
Kommunistische Parteien und ein großer Teil der radikalen Linken wurden entweder geschwächt oder in den Rahmen der parlamentarischen Politik und der Reform der bestehenden Ordnung integriert. Gewerkschaften, insbesondere in Deutschland, sind so eng mit dem Mechanismus der „Übereinkunft und Zusammenarbeit zwischen Arbeit und Kapital“ – oder, in ihrer Terminologie, der „Sozialpartnerschaft“ – verflochten, dass sie in manchen Fällen die „Wettbewerbsfähigkeits“-Erwägungen des Kapitals neben oder sogar entgegen den eigenständigen Interessen der Arbeitnehmer widerspiegeln.
Doch mit dem Rückzug dieser Kräfte ist der Widerspruch zwischen Arbeit und Kapital nicht verschwunden. Das Kapital hat nach wie vor die entscheidende Macht über Investitionen, Einstellungen, Entlassungen, die Verlagerung der Produktion und die Schließung von Fabriken. Löhne, Wohnraum, Arbeitszeiten, Renten und soziale Leistungen bleiben Klassenfragen.

Was geschwächt wurde, ist nicht der Klassenwiderspruch selbst, sondern die Fähigkeit, die alltägliche Erfahrung dieses Widerspruchs in Klassenbewusstsein, Organisation und Kampf umzuwandeln.
Die Schwäche unabhängiger Klassenorganisationen verschärft die Unfähigkeit, vereinzelte Unzufriedenheit in kollektiven Kampf umzuwandeln, und schafft ein Vakuum, das die Rechte mit nationalistischer und identitätspolitischer Rhetorik füllen kann. Aus genau dieser Realität ergibt sich die Notwendigkeit, die unabhängige und revolutionäre Organisation der Arbeiterklasse wieder aufzubauen.

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Erfahrungen der Rojava-Revolution

Nachfolgend wird eine nicht autorisierte deutsche Übersetzung eines Interviews über die Rolle der Rojava-Revolution in Syrien durch die Nachrichtenagentur ETHA aus der Türkei/Nordkurdistan abgedruckt:

Wer hat durch die Rojava-Erfahrung Recht behalten: Lenin oder Bookchin? – Ein Interview mit Fred Weston

ETHA vom 12. August 2026

Im Grunde wurden sie besiegt oder vollständig zurückgedrängt. Sie werden militärisch und wirtschaftlich in den neuen syrischen Staat integriert. Das war also eine Niederlage. Dabei galt Rojava einst als Vorbild für eine Revolution und als Beispiel dafür, wie eine Revolution durchgeführt werden kann.

Anmerkung des Übersetzers:

Nach dem letzten Krieg in Rojava und dem großen Rückzug versuchen nicht nur türkische Revolutionäre, sondern auch Sozialisten aus verschiedenen Teilen der Welt, die Lage in Rojava zu verstehen und theoretisch-politische Schlussfolgerungen aus dieser schweren Erfahrung der kurdischen Bewegung zu ziehen.

In diesem Zusammenhang hat die Zeitschrift „In Defence Of Marxism“, die ihre Auseinandersetzung vertieft und sich selbst als trotzkistisch definiert, ihre Juli-Ausgabe der Analyse der Rojava-Erfahrung und des als Niederlage bezeichneten letzten Kriegsprozesses gewidmet. In dieser Ausgabe wurde ein Artikel mit dem Titel „Warum wurde die Rojava-Revolution besiegt?“ veröffentlicht, der von Fred Wetson, einem bekannten Autor der Zeitschrift, verfasst wurde. Ein Interview unter demselben Titel wurde für Interessierte auf YouTube hochgeladen.

Der erwähnte Artikel wurde noch nicht digital veröffentlicht. Die Website von „In Defence Of Marxism“ führte jedoch ein weiteres Interview mit Fred Wetson, das als kurze Zusammenfassung desselben Artikels angesehen werden kann, und veröffentlichte es.

Bevor wir zur Übersetzung dieses Interviews kommen, müssen für den Leser einige kritische Punkte hervorgehoben werden. Fred Wetson betrachtet in seinem Interview den Nahen Osten und die Revolution in Rojava aus einer aufrichtigen, aber strengen theoretischen Perspektive. Diese Distanz schafft eine Sichtweise, die es mitunter erschwert, die politische Lebendigkeit, die Komplexität, die ineinandergreifenden Widersprüche und die konkreten Kampfdynamiken zu verstehen, die Revolutionären aus der Türkei und dem Nahen Osten nur allzu gut bekannt sind.

Doch keine Revolution lässt sich allein anhand einer theoretischen Abstraktion verstehen; die politischen Probleme, die Richtigkeiten und die Fehler einer Revolution ausschließlich anhand vorgefasster theoretischer Kategorien zu bewerten, birgt die Gefahr, die spezifische historische und politische Realität dieser Revolution aus den Augen zu verlieren.

Die Geschichte der Weltrevolutionen liefert uns hierfür unzählige Beispiele. Wie Gramsci hervorhob, haben sich manche Revolutionen nicht in der von den bestehenden theoretischen Schemata vorhergesagten Form vollzogen, sondern quasi als „Revolution gegen das Kapital“. Auch die Bewertung der Rojava-Revolution ausschließlich anhand klassisch-marxistischer Revolutionskategorien kann zu einer ähnlichen Begrenzung führen.

In dem Interview, das Sie gleich lesen werden, geht Fred Wetson so weit, der kurdischen Bewegung – dem eigentlichen Subjekt der Rojava-Revolution – eine politische Mission aufzuerlegen, die sie gar nicht übernommen hat – nämlich die Mission, ein kommunistisches, proletarisches oder im klassischen Sinne marxistisches revolutionäres Subjekt zu sein –, und dieses Subjekt anschließend anhand dieser Maßstäbe zu beurteilen. Daher bin ich der Meinung, dass es nicht besonders aufschlussreich ist, einen Teil der Kritik auf der Grundlage dieser Annahme zu vertiefen.

Dennoch muss man anerkennen, dass das Interview einen wichtigen und wertvollen Aspekt aufweist. Schließlich handelt es sich um eine reale, konkrete und gelebte revolutionäre Erfahrung. Es ist wichtig, dass die Marxisten und Revolutionäre weltweit aus dieser Erfahrung Lehren ziehen, ihre eigenen Theorien an einer gelebten historischen Realität prüfen und gegebenenfalls nach einer theoretisch-politischen Erneuerung suchen.

Jede ernsthafte Auseinandersetzung mit der Rojava-Erfahrung dieser Art ist wertvoll, ungeachtet ihrer Mängel und Grenzen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Interviews ist der Versuch, die historische Entwicklung der Rojava-Revolution und insbesondere den Prozess der schweren „Niederlage“ aus der Perspektive der marxistisch-leninistischen Theorie zu Staat, Revolution und Macht zu beleuchten. Das Interview enthält wichtige Hinweise zu Themen wie der Natur des Staates, der Machtfrage, der Zersplitterung des Staatsapparats, den praktischen Konsequenzen der Unterscheidungen zwischen Anarchismus und Kommunismus; der Vorübergehlichkeit von Doppelherrschaft und Gleichgewichtszuständen, die Revolutionen durchlaufen können; sowie der Funktionsweise des bürgerlichen Staates sowohl in theoretischer als auch in praktischer Hinsicht. Zudem wurde ein Teil davon durch die konkreten Entwicklungen in Rojava und Syrien auf die Probe gestellt und bestätigt.

Daher sollte man das Interview nicht nur anhand politischer Thesen lesen, die sich lediglich als richtig oder falsch bezeichnen lassen. Die Berücksichtigung des dualen Charakters des Interviews, das sowohl wichtige Einschränkungen als auch bemerkenswerte neue Perspektiven aufweist, wird den Leser zu einer fundierteren Bewertung führen. Es ist offensichtlich, dass bestimmte theoretische Rahmen das Risiko bergen, die einzigartige politische Realität der Rojava-Erfahrung einzuschränken; doch können dieselben Rahmen auch wichtige Türen öffnen, um über bestimmte Probleme, die diese Erfahrung aufgezeigt hat, neu nachzudenken und Antworten auf einige Fragen zu finden. Der eigentliche Wert des Interviews liegt nicht darin, dass es alle Fragen zur Rojava-Revolution beantwortet, sondern darin, dass es uns dazu anregt, erneut und eingehender über die Probleme nachzudenken, die eine gelebte revolutionäre Erfahrung aufgezeigt hat.

Hier ist der vollständige Text des Interviews mit Fred Weston, das die Zeitschrift „In Defence of Marxism“ unter dem Titel „Rojava: Warum ist die Revolution gescheitert?“ geführt hat:

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Von der Automobil- zur Kriegsindustrie in der BRD

Nachfolgend wird eine nicht autorisierte deutsche Übersetzung eines Artikels über die Automobil- und Rüstungsindustrie in der BRD von der Nachrichtenagentur ETHA aus der Türkei/Nordkurdistan abgedruckt:

Die Suche des Kapitals nach einem Ausweg aus der Krise: Von der Automobilindustrie zur Rüstungsindustrie in Deutschland

ETHA vom 10. September 2026. Von Umut Demir

In Deutschland lässt sich die Krise der Automobilindustrie nicht losgelöst von der Rüstungsindustrie betrachten. Beide sind zwei unterschiedliche Folgen ein und derselben Krise. Während die Rentabilität im alten Export- und Industriemodell zurückgeht, wendet sich das Kapital neuen Akkumulationsbereichen zu. Auch der Staat setzt öffentliche Mittel ein, um diesen Wandel zu unterstützen.

Die Krise, in die die deutsche Automobilindustrie geraten ist, lässt sich nicht allein mit der Misswirtschaft einzelner Unternehmen oder mit Fehlern beim Übergang zum Elektroauto erklären. Das Bild, das sich von Volkswagen über BMW bis hin zu Mercedes und Porsche abzeichnet, zeigt, dass das Akkumulationsmodell, auf das der deutsche Kapitalismus über viele Jahre hinweg gesetzt hat, heute ernsthaft ins Wanken geraten ist. Deutschlands exportorientiertes Wachstumsmodell verliert nicht nur den Vorteil des Zugangs zu billiger Energie und Rohstoffen, sondern auch seine früheren Wettbewerbsvorteile gegenüber China, das in den Produktionstechnologien rasante Fortschritte macht.

Die Stärke des deutschen Industriekapitals auf dem Weltmarkt beruhte nicht allein auf der Produktion von Hochtechnologie. Hinter dieser Produktion stand zugleich relativ billige und stabile Energie. Insbesondere das aus Russland bezogene Erdgas verschaffte Deutschlands energieintensiven Branchen wie der Chemie-, Stahl-, Maschinenbau- und Automobilindustrie einen bedeutenden Kostenvorteil. Das deutsche Kapital schuf durch die Kombination von hoher Produktivität und fortschrittlicher Technologie mit niedrigen Energiekosten eine starke Wettbewerbsposition auf den Weltmärkten. Das exportorientierte deutsche Modell basierte jahrelang auf dieser Beziehung.

Mit dem Krieg in der Ukraine geriet dieses Gleichgewicht ins Wanken. Der Wettbewerb zwischen dem imperialistischen Block aus Russland und China und den westlichen Mächten verschärfte sich nicht nur im militärischen Bereich, sondern auch im Energie- und Rohstoffsektor. Der weitgehende Wegfall des Zugangs zu russischem Gas führte zu einem direkten Anstieg der Produktionskosten der deutschen Industrie. Teurere Energie erschwerte die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der vom deutschen Kapital hergestellten Waren auf den Weltmärkten. Dies verstärkte den Kostendruck auf die deutsche Industrie, die gegenüber China ohnehin schon ins Straucheln geraten war, noch weiter.

Das deutsche Kapital hatte über Jahrzehnte hinweg eine große Überlegenheit in der Diesel- und Verbrennungsmotortechnologie erlangt. Die weltweite Stärke von Monopolen wie Volkswagen, Mercedes und BMW beruhte auf ihrer Motorentechnologie und ihren ingenieurtechnischen Kapazitäten. Der Übergang zu Elektrofahrzeugen hat jedoch einen wesentlichen Teil dieser Überlegenheit untergraben. Während Batterien, Software, Elektronik und ein anderes Produktionssystem in den Mittelpunkt der neuen Automobiltechnologie rücken, verschaffte sich China durch seine Rolle als Produktionsstandort einen Vorteil in diesem Wettbewerb.

Dass bis 2025 etwa 75 Prozent der weltweiten Produktion von Elektrofahrzeugen in China stattfinden werden, verdeutlicht das Ausmaß dieses Wandels. Noch wichtiger ist, dass chinesische Unternehmen mittlerweile nicht mehr nur billiger produzieren. Sie verfügen auch über eine starke Position in den Bereichen Technologieentwicklung, Batterieproduktion und Systeme für Elektrofahrzeuge. Während sich die Automobiltechnologie, in der Deutschland jahrelang einen Wettbewerbsvorteil hatte, wandelt, ist deutsches Kapital im Bereich der neuen Technologien nicht mehr in der Lage, mit den chinesischen Konkurrenten zu konkurrieren.

Die Folge davon ist für Deutschland nicht nur ein Marktverlust, sondern ein direkter wirtschaftlicher Rückgang. Im Jahr 2025 beliefen sich die Exporte der deutschen Automobilindustrie auf rund 280 Milliarden Euro, was 16,2 Prozent der gesamten Exporte des Landes entsprach. In der Branche, in der – ohne Zulieferer – rund 725.000 Menschen beschäftigt waren, ging die Beschäftigung um 6,2 Prozent zurück. Die Automobilproduktion in Deutschland ist seit 2016 um rund 28 Prozent zurückgegangen. Ein derartiger Produktionsrückgang in einem der wichtigsten Exportsektoren eines Landes zeigt, dass es dem Kapital zunehmend schwerfällt, die früheren Gewinnniveaus mit derselben Produktionsstruktur zu erzielen.

Auch die Entwicklung im Handel mit China verläuft in die gleiche Richtung. Deutschlands Exporte nach China gingen im ersten Halbjahr 2026 um mehr als 12 Prozent zurück und fielen unter 37 Milliarden Euro, während die Importe aus China um rund 9 Prozent auf 91,8 Milliarden Euro stiegen. Damit erreichte das Handelsdefizit Deutschlands gegenüber China rund 55 Milliarden Euro. Chinas Rang unter den deutschen Exportmärkten fiel zudem von Platz zwei im Jahr 2021 auf Platz neun im ersten Halbjahr 2026 zurück. Diese Zahlen zeigen, dass deutsches Kapital nicht nur auf dem chinesischen Markt Umsatz einbüßt, sondern auch auf dem heimischen Markt und in traditionellen Industriebereichen mit chinesischem Kapital konkurriert.

Die Unterschiede bei den Produktionskosten verschärfen diesen Wettbewerb noch weiter. Während die Arbeitskosten pro Auto in Deutschland bei etwa 3.307 Dollar liegen, betragen sie in China 597 Dollar und in Mexiko 305 Dollar. Aus Sicht des Kapitals spiegeln diese Zahlen nicht nur den Lohnunterschied wider, sondern zeigen auch, in welchem Produktionsstandort höhere Gewinne erzielt werden können. Deutsche Konzerne verlagern daher die Produktion in andere Länder, bauen Arbeitsplätze ab und reduzieren die Kapazitäten ihrer Werke. In Krisenzeiten des Kapitalismus gehört es zu den ersten Maßnahmen des Kapitals, die Arbeitskosten zu senken und die Produktionskapazitäten zu verringern, um die Rentabilität wieder zu steigern.

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Revolutionäre Erzählungen aus dem Iran

Hier werden im Anschluss drei Broschüren des iranischen Revolutionärs Samad Behranghi (1938-1968) mit Geschichten und Erzählungen (nicht nur) für Kinder als PDF-Dateien abgedruckt.

Samad Behranghi wurde 1938 in einem Dorf in der Provinz Aserbeidschan/Iran geboren, wo er auch später seinen Beruf als Lehrer ausübte. Er konnte sehr schnell die Gesellschaft verstehen und erkennen und brachte dies in seinen Geschichten und Erzählungen „für Kinder“ zum Ausdruck. Wie ein Gelehrter sagte: „Seine Werke sind für Kinder geschrieben, aber die Erwachsenen sollen daraus lernen!“

Samad Behranghi wuchs in seiner Familie in Armut und Elend auf – wie der größte Teil seines Volkes. Dadurch erkannte er sehr früh, dass sein Schicksal mit dem aller Unterdrückten eng verbunden ist. Er war sich der Aufgabe bewusst, seine Erkenntnisse – trotz der damit für ihn verbundenen Gefahren – weiterzugeben. Dadurch, dass er es meisterhaft verstand, die Wahrheit in Märchen oder Erzählungen zum Ausdruck zu bringen, wurde vom iranischen Schahregime erst später die „Schädlichkeit“ seiner Aufklärung erkannt. Dann aber handelte man schnell: 1968 verschwand er spurlos. Seine Leiche fand man später am Arras-Fluss in Persien.

Die Erzählung „Der kleine schwarze Fisch“ findet sich auch als Hörbuch auf Youtube:

US-Monopole wachsen – Bevölkerung verarmt

Nachfolgend wird eine nicht autorisierte deutsche Übersetzung eines Artikels der Nachrichtenagentur ETHA aus der Türkei/Nordkurdistan abgedruckt:

Nicht nur Elon Musk: In den USA gibt es 989 Milliardäre:

Während die Monopole in den USA wachsen, verarmt die Bevölkerung

Nachrichtenagentur ETHA vom 3. September 2026

Während die Gewinne der Monopole in der imperialistischen USA Rekordhöhen erreichen, ist der Anteil der Arbeiter am Gesamteinkommen auf den niedrigsten Stand aller Zeiten gesunken. Die Einkommensungleichheit führt unter Arbeitern und Werktätigen zu täglich wachsender Wut und politischen Reaktionen.

Nach den kürzlich vom Büro für Wirtschaftsanalyse veröffentlichten Daten beliefen sich die Gewinne der Unternehmen in den USA vor Steuern im zweiten Quartal auf 4,8 Billionen Dollar, was 18 Prozent des Bruttosozialprodukts entspricht.

Dies entspricht dem höchsten Anteil, den Unternehmen seit dem Ende des Zweiten Imperialistischen Weltkriegs erzielt haben. Der Anteil der Arbeiter an Löhnen und Zusatzleistungen sank hingegen auf 60 Prozent und erreichte damit den tiefsten Stand seit den 1950er Jahren.

KÜNSTLICHE INTELLIGENZ UND DER KRIEG GEGEN DEN IRAN

Dieser Anstieg ist darauf zurückzuführen, dass der zunehmende Einsatz künstlicher Intelligenz die Gewinne der Technologiekonzerne steigerte und US-Aktien auf Rekordhöhen trieb. Auch der vom Faschisten Trump gegen den Iran geführte Krieg trug dazu bei, die Kraftstoffpreise und die Gewinnmargen der Ölkonzerne anzukurbeln und zu vergrößern.

Diese außergewöhnlichen Gewinne der Unternehmen haben jedoch die Einkommensungleichheit im Land weiter verschärft. Von den hohen Renditen profitieren vor allem die Reichen, die einen erheblichen Teil ihres Einkommens aus Kapitalanlagen beziehen. Haushalte der Mittel- und Arbeiterklasse sind hingegen auf Löhne angewiesen.

Die Inflation überholte zudem die Lohnsteigerungen und führte dazu, dass die realen Stundenlöhne im Juli im Vergleich zum Vorjahr um 0,2 Prozent sanken.

„ES HABEN SICH ZWEI GETRENNTE WIRTSCHAFTEN ENTWICKELT“

Elizabeth Pancotti, Vizepräsidentin für Politik bei der Organisation „Groundwork Collaborative“, die sich in den sozialen Medien zu diesem Thema äußerte, sagte: „Die Gewinne der obersten Schicht übertreffen die Gewinne der untersten Schicht – sofern es solche überhaupt gibt – bei weitem, bei weitem, bei weitem.“ Pancotti fügte hinzu: „Was wir heute beobachten, ist die Entstehung von zwei wirklich getrennten Volkswirtschaften – einer für Menschen, die ihr Haupteinkommen aus Investitionen und passivem Einkommen beziehen, und einer anderen für normale Arbeiter, die jeden Tag zur Arbeit gehen.“

Der Faschist Trump führte umfassende Steuersenkungen durch, von denen Unternehmen und Reiche profitierten, während er gleichzeitig die Mittel für Sozialhilfeprogramme wie „Lebensmittelmarken“ kürzte.

Eine aktuelle Studie ergab, dass die Gehälter der bestbezahlten CEOs (Geschäftsführer) in den USA zwischen 2019 und 2025 um 41 Prozent gestiegen sind, während das Einkommen eines durchschnittlichen Arbeiters um 21 Prozent zulegte. Diese Steigerungsrate lag unter dem Preisanstieg von 26 Prozent im gleichen Zeitraum.

989 MILLIARDÄRE, 9,2 BILLIONEN VERMÖGEN

Die reichsten 0,00001 Prozent der US-Bevölkerung – etwa 20 Personen – verfügen über ein Vermögen, das 12 Prozent des BIP entspricht. Nicht nur Elon Musk: In den USA gibt es 989 Milliardäre. Das Gesamtvermögen dieser Personen stieg im Jahr 2026 auf über 9,2 Billionen Dollar und wuchs damit im Vergleich zu 2025 um 31,8 Prozent.

DER ANTEIL DER ARBEIT AM EINKOMMEN SINKT, DIE VERÄRGERUNG STEIGT

Der Rückgang des Anteils der Arbeit am Einkommen hat sich in den letzten fünf Jahren und insbesondere in den letzten 12 Monaten beschleunigt.

Im Jahr 2025 sank der Anteil der Arbeiter am BIP in den USA auf den niedrigsten Stand seit 1947. Die Inflationsrate in den USA erreichte im Mai 2026 4,2 Prozent und hat damit die Lohnsteigerungen des letzten Jahres in Höhe von 3,4 Prozent aufgezehrt.

Die einzelnen Wirtschaftszweige wachsen zwar, doch dieses Wachstum vertieft die Ungleichheit und schürt die Wut. Etwa die Hälfte der Arbeiter in den USA, also 66 Millionen Menschen, verdient weniger als den existenzsichernden Stundenlohn von 25 Dollar.

Quelle: http://www.etha57.com/haber/abd-de-tekeller-buyurken-halk-yoksullasiyor-1788436979566

Die sterbende „alte Welt“

Nachfolgend wird ein Artikel des cubanischen Kundschafters Raul Antiono Capote aus der Zeitung des ZK der KP Kubas (PCC) „Granma“ abgedruckt:

Die “alte Welt”, die stirbt: Die Metapher des Interregnums

Die Krise des Neoliberalismus ist nicht vorübergehend, sondern organisch im Gramscianischen Sinne: Kapital kann weder Stabilität, menschenwürdige Beschäftigung, Fürsorge noch eine ökologische Zukunft bieten.

Autor: Raúl Antonio Capote | informacion@granmai.cu Granma Internacional vom 30. April 2026

Seit den 1980er Jahren hat der globale Kapitalismus unter neoliberaler Hegemonie einen „historischen Block“ gefestigt: Globalisierung der Märkte, Deregulierung des Finanzsektors und Schwächung der Gewerkschaften.
 Trotz Versprechungen von Entwicklung und wachsendem Wohlstand hat der Neoliberalismus mehrere Entwicklungen hervorgebracht, die zu seiner eigenen Erschöpfung geführt haben: eine Krise der Repräsentation traditioneller Parteien, zunehmende Ungleichheit und die Prekarisierung breiter Bevölkerungsschichten. 
Nach Lage der Dinge verlagerte das System die Profite von der Produktion hin zur Spekulation und das führte so zu immer heftigeren Krisen.
 Der neoliberale Kapitalismus hat sich somit nicht nur nicht stabilisiert, sondern auch den Reichtum von den Arbeitern zu den Rentiers umverteilt. Arbeitsmarktreformen erleichterten Entlassungen, Gewerkschaften wurden geschwächt, und eine Masse prekär Beschäftigter entstand.
 Transnationale Konzerne teilten die Welt in Zonen maximaler Ausbeutung auf. Diese Phase geriet jedoch in eine Krise, als die finanzielle Überakkumulation ohne massive staatliche Rettungsaktionen nicht mehr aufrechterhalten werden konnte (2008). Wie Lenin sagen würde: Der Kapitalismus hat seine Fähigkeit zur geografischen Expansion erschöpft; nun frisst er sich nur noch selbst auf.

Die Verlagerung der Produktion nach China, Mexiko und Südostasien vervielfachte das globale Arbeitskräfteangebot, doch die strukturelle Arbeitslosigkeit wurde als funktionales Merkmal verstärkt.
 Der Neoliberalismus intensivierte die rücksichtslose Ausbeutung der Natur: Wasserprivatisierung, genmanipulierte Agrarindustrie, Tagebau und „Freihandelsabkommen“, die Umweltauflagen aushebeln. 
Öffentliche Dienstleistungen, Kinderbetreuung, Altenpflege und Gesundheitsversorgung wurden gekürzt, während die Privatisierung von Wasser, Strom, Eisenbahn und Post in den 1980er und 90er Jahren zu höheren Preisen, schlechterer Qualität und Korruption führte. 

Um das Finanzsystem 2008 zu retten, verschuldeten die Staaten künftige Generationen, verhängten Sparmaßnahmen, die nicht von den Banken, sondern von den Arbeitnehmern bezahlt wurden, und die sogenannten „peripheren“ Länder wurden dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und Heuschreckenfonds unterworfen.

Diese Elemente zeigen, dass die Krise des Neoliberalismus nicht vorübergehend, sondern im Gramscianischen Sinne organisch bedingt ist. Kapital kann weder Stabilität noch menschenwürdige Arbeit, Fürsorge oder eine ökologische Zukunft bieten. So hat die Prekarität sogar ehemals privilegierte Bereiche wie Technik und Ingenieurwesen erreicht, und ein Teil der Arbeiterklasse, der von der Situation hart getroffen wurde, tendiert zu rechtsextremen Positionen. 
Wie Lenin bereits feststellte, handelt es sich dabei nicht um eine echte „Radikalisierung“, sondern um die verzweifelte Reaktion von Schichten, die ihre relativen Privilegien verlieren, ohne ein internationalistisches Klassenbewusstsein zu entwickeln.

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Wohnungsfrage im Kapitalismus

Die grundsätzlichen Antworten auf die Wohnungsfrage im Kapitalismus gibt Friedrich Engels in seiner Schrift „Zur Wohnungsfrage“ (Mai 1872 – Januar 1873, in Marx-Engels-Werke (MEW) Band 18, S. 209-287). Hier einige Auszüge aus dieser Schrift:

„Wie ist nun die Wohnungsfrage zu lösen? In der heutigen Gesellschaft gerade wie eine jede andere gesellschaftliche Frage gelöst wird: durch die allmähliche ökonomische Ausgleichung von Nachfrage und Angebot, eine Lösung, die die Frage selbst immer wieder von neuem erzeugt, also keine Lösung ist.“ Dies sollten sich die Ökonomisten, Reformisten und Revisionisten hinter die Ohren schreiben, anstatt mit ihren Appellen an den heutigen imperialistischen Staatsapparat, doch endlich mehr in den „sozialen Wohnungsbau“ zu investieren und für „bezahlbare Mieten“ zu sorgen, immer neue Illusionen in eben diesen imperialistischen Staat zu erzeugen. Dagegen setzt Friedrich Engels klar auf die proletarische Revolution, wenn er weiter ausführt:

„Wie eine soziale Revolution diese Frage lösen würde, hängt nicht nur von den jedesmaligen Umständen ab, sondern auch zusammen mit viel weitergehenden Fragen, unter denen die Aufhebung des Gegensatzes von Stadt und Land eine der wesentlichsten ist. Da wir keine utopistischen Systeme für die Errichtung der künftigen Gesellschaft zu machen haben, wäre es mehr als müßig, hierauf einzugehn. Soviel aber ist sicher, daß schon jetzt in den großen Städten hinreichend Wohngebäude vorhanden sind, um bei rationeller Benutzung desselben jeder wirklichen „Wohnungsnot“ sofort abzuhelfen. Dies kann natürlich nur durch Expropriation der heutigen Besitzer, resp. durch Bequartierung ihrer Häuser mit obdachlosen oder in ihren bisherigen Wohnungen übermäßig zusammengedrängten Arbeitern geschehen, und sobald das Proletariat die politische Macht erobert hat, wird eine solche, durch das öffentliche Wohl gebotene Maßregel ebenso leicht ausführbar sein, wie andere Expropriationen und Einquartierungen durch den heutigen Staat.“ (Friedrich Engels, Zur Wohnungsfrage. In: MEW Band 18, S. 226-227)

 Wie die siegreiche Große Sozialistische Oktoberrevolution, dieses Problem gelöst hat und welche Politik die siegreichen Bolschewiki auf dem Gebiete des Wohnungswesens eingeschlagen haben, zeigt ein Blick in Punkt 17. des „PROGRAMM DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI RUSSLANDS (BOLSCHEWIKI)“ von 1919 (Link zum gesamten Programm der KPR):

„Um die Wohnungsfrage zu lösen, die während des Krieges besonders akut geworden ist, hat die Sowjetmacht alle Häuser der kapitalistischen Hausbesitzer restlos enteignet und sie den städtischen Sowjets übergeben; sie hat eine Massenumsiedlung der Arbeiter aus den Randgebieten in die Häuser der Bourgeoisie vorgenommen; sie hat die besten davon den Arbeiterorganisationen zur Verfügung gestellt und festgelegt, daß diese Gebäude auf Kosten des Staates instand gehalten werden; sie hat begonnen, die Arbeiterfamilien mit Möbeln usw. zu versorgen.

Die Aufgabe der KPR besteht darin, auf dem obengenannten Wege weiterzuschreiten und sich – ohne die Interessen der nichtkapitalistischen Hausbesitzer zu verletzen – mit allen Kräften einzusetzen für eine Verbesserung der Wohnverhältnisse der werktätigen Massen, für die Überwindung der zu engen Besiedlung sowie der gesundheitswidrigen Zustände in den alten Stadtvierteln für den Abriß nicht benutzbarer sowie den Umbau alter und die Errichtung neuer, den neuen Lebensbedingungen der Arbeiter entsprechender Wohnstätten, für eine rationelle Ansiedlung der Werktätigen.“

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Kampf gegen den modernen Revisionismus im Jahr 1960

Im Jahr 1960 verschärft sich der Kampf zwischen dem modernen (Chruschtschow-)Revisionismus und den marxistisch-leninistischen Kräften in der internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung. Die Prinzipien des Marxismus-Leninismus verteidigen in diesen Jahren vornehmlich die Kräfte, die sich um die Partei der Arbeit Albaniens (PAA) und die Kommunistische Partei Chinas (KPCh). Hier steht die Feindschaft zu den revisionistischen Thesen des XX. Parteitags der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) unter Chruschtschow im Vordergrund. Um einen groben Überblick über diesen Kampf zwischen Marxismus-Leninismus und dem modernen Revisionismus zu bekommen, ist die Lektüre des fünften Kapitels „Die Partei der Arbeit Albaniens im Kampf für die Vollendung des Aufbaus der Wirtschaftsbasis des Sozialismus (1956-1960)“ der „Geschichte der Partei der Arbeit Albaniens“ (2. Auflage, Tirana, 1982, S. 296-342) recht hilfreich:

Die Dokumente des genauen Ablaufs des Kampfes der PAA gegen die Chruschtschow-Revisionisten des Jahres 1960 sind in dem Band Enver Hoxhas „Der Kampf der Partei der Arbeit Albaniens gegen den Chruschtschow-Revisionismus. Aus dem 19. Band der Werke Enver Hoxhas“ (Dortmund, 1976) zu entnehmen. Link: http://www.enver-hoxha.net/content/content_deutsch/buecher/buecher-kampf_der_paa_gegen_chruschtschow-revisionismus.htm

Eine Zusammenfassung der inhaltlichen Kritik der PAA am modernen Chruschtschow-Revisionismus findet sich in der Rede Enver Hoxhas im Namen des Zentralkomitees der PAA auf der Beratung der 81 kommunistischen und Arbeiterparteien in Moskau vom 16. November 1960 in dem o.g. Band (S. 212-277).

Eine erste öffentliche und im wesentlichen marxistisch-leninistische Kritik an der KPdSU und dem revisionistischen Kurs seit ihrem XX. Parteitag (vom Februar 1956) der KP Chinas ist der Artikel „Es lebe der Leninismus“ aus der Zeitschrift „Hongqi“ (Rote Fahne) vom 16. April 1960, der anlässlich des 90. Geburtstages von W.I. Lenin erschien:

Weitere tagebuchartigen Bemerkung und Einschätzung der Politik und Praxis der Chruschtschow-Revisionisten der Jahre 1953 (März) bis Dezember 1961 liefert Enver Hoxha in seinem Buch „Die Chruschtschowianer. Erinnerungen“ (Tirana, 1980):

Was sagt uns Clara Zetkins Rede von vor 94 Jahren heute?

Von Zîlan Kaplan

Clara Zetkin hatte in ihrer historischen Rede vor dem Reichstag im Jahr 1932 zu einer Einheitsfront gegen den Faschismus aufgerufen. 94 Jahre später scheinen die Probleme, auf die Clara Zetkin hingewiesen hat, angesichts des Aufstiegs faschistischer Parteien wie der AfD wie aus der heutigen Zeit zu stammen.

Clara Zetkin hatte 1932 in ihrer historischen Rede im Reichstag zu einer Einheitsfront gegen den Faschismus aufgerufen. 94 Jahre später, angesichts des Aufstiegs faschistischer Parteien wie der AfD, scheinen die Probleme, auf die Clara Zetkin hingewiesen hat, die heutige Zeit zu beschreiben. Wir dürfen weder die Last der kapitalistischen Krise tragen noch faschistische Rechtsverletzungen hinnehmen. Mit Zetkins Gedanken „Die Jugend, die keine andere Zukunft hat, muss kämpfen“ organisiert sich heute die antifaschistische Jugend gegen neue faschistische Kräfte und geht ihren Weg, indem sie von ihr lernt.

Am 30. August 1932, also vor genau 94 Jahren, hielt die 75-jährige kommunistische Vorkämpferin Clara Zetkin trotz ihrer schweren Krankheit und der massiven Drohungen der Faschisten in Berlin als ältestes Mitglied und „Alterspräsidentin“ des Reichstags die Eröffnungsrede. Einen Monat zuvor, im Juli 1932, wurden die Völker der Welt Zeugen, wie die faschistische Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) im Reichstag zur stärksten Partei gewählt wurde. Einen Monat später, an der Schwelle zum deutschen Faschismus, in einem entscheidenden historischen Moment, wendet sich Clara Zetkin an die Öffentlichkeit und ruft dazu auf, gegen den Faschismus vorzugehen und die proletarische Revolution zu organisieren.

In ihrer Rede weist Zetkin darauf hin, dass die sich verschärfende kapitalistische Krise die Massen in den Hunger treibt, dass Arbeitslosigkeit und Elend immer weiter zunehmen, und erklärt, dass die Außenpolitik das Land in einen neuen Weltkrieg treibt. Gleichzeitig betont sie, dass der Liberalismus und die reformistische Sozialdemokratie verrottet seien, dass die Massen außerhalb des Parlaments aktiv werden müssten und dass nur die Sowjetrevolution die Lage ändern könne.

Clara Zetkin stellt den Kampf gegen den Faschismus in den Mittelpunkt ihrer Rede und ruft dazu auf, alle politischen, gewerkschaftlichen und religiösen Differenzen beiseite zu lassen und die Arbeiter, Frauen, die Jugend und die Intellektuellen als eine einzige Einheitsfront („Einheitsfront“) zu organisieren. Clara Zetkin verwendet in ihrer Rede folgende Formulierungen:

Die Auflehnung von Millionen werktätiger Männer und Frauen in Deutschland gegen Hunger, Entrechtung, faschistischen Mord und imperialistische Kriege ist ein Ausdruck der unzerstörbaren Schicksalsgemeinschaft der Schaffenden der ganzen Welt. Diese internationale Schicksalsgemeinschaft muß ehern geschmiedete Kampfesgemeinschaft der Werktätigen in allen Herrschaftsgebieten des Kapitalismus werden, eine Kampfesgemeinschaft, die sie mit den vorausgestürmten befreiten Brüdern und Schwestern in der Sowjetunion verbindet. Streiks und Aufstände in den verschiedensten Ländern sind lodernde Flammenzeichen, die den Kämpfenden in Deutschland zeigen, daß sie nicht allein stehen. Überall beginnen die Enterbten und Niedergetretenen zur Eroberung der Macht vorzustoßen.“

Das 1932 beschriebene politische Umfeld weist Parallelen zur heutigen Situation auf. Während der Rüstungswettlauf zwischen den imperialistischen Mächten und die Bemühungen zur Stärkung der NATO weitergehen, dauern in Deutschland auch weiterhin faschistische Angriffe auf Pride-Paraden, rassistische Polizeigewalt, Versuche, antifaschistische Gruppen zu kriminalisieren, sowie die Gefahr von Massenentlassungen in bis zu 100.000 Fällen bei Kapitalriesen wie VW an. Während einerseits die Vorbereitungen für den Dritten Weltkrieg vorangetrieben werden, wird andererseits über eine Verlängerung des 8-Stunden-Arbeitstages diskutiert, der ein Ergebnis des Kampfes der Arbeiterklasse war. Die AfD, eine neue faschistische Partei, die für ihre rechte und migrationsfeindliche Propaganda bekannt ist, rechnet damit, bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt am 6. September die stärkste Partei zu werden.

Migranten, Jugendliche und Arbeiter protestieren seit Tagen. Auch wenn es heute weltweit keine „vorauseilenden, befreiten Brüder“ mehr gibt, wie zu Zetkins Zeiten, so zeigen doch die Organisation des Schülerstreiks am 8. Mai unter der Führung sozialistischer und antifaschistischer Jugendlicher in Italien, Deutschland und der Türkei sowie der erneute Aufruf zu Boykott und Streik am 20. November den internationalen antifaschistischen Jugendkampf und die Solidarität gegen die neuen faschistischen Kräfte.

Zetkin fährt in seiner Rede mit folgenden Worten fort:

In der auch in Deutschland sich formierenden Einheitsfront der Werktätigen dürfen die Millionen Frauen nicht fehlen, die noch immer Ketten der Geschlechtssklaverei und dadurch härtester Klassensklaverei ausgeliefert sind. In den vordersten Reihen muß die Jugend kämpfen, die freies Emporblühen und Ausreifen ihrer Kräfte heischt, aber heute keine andere Aussicht hat als den Kadavergehorsam und die Ausbeutung in den Kolonnen der Arbeitsdienstpflichtigen. In die Einheitsfront gehören auch alle geistig Schaffenden, deren Können und Wollen, den Wohlstand und die Kultur der Gesellschaft zu mehren, heute in der bürgerlichen Ordnung sich nicht mehr auszuwirken vermag.“

Und er schließt seine Rede mit folgendem Aufruf und dieser Hoffnung:

In die kämpfende Einheitsfront alle, die als Lohn- und Gehaltsangehörige oder sonstwie Tributpflichtige des Kapitals zugleich Erhalter und Opfer des Kapitalismus sind! Ich eröffne den Reichstag in Erfüllung meiner Pflicht als Alterspräsidentin und in der Hoffnung, trotz meiner jetzigen Invalidität das Glück zu erleben, als Alterspräsidentin den ersten Rätekongreß Sowjetdeutschlands zu eröffnen.“

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