VOLKSKRIEG – Der einzige Weg zu Befreiung

Im Folgenden dokumentiere ich hier einen wichtigen Artikel aus der Zeitschrift KLASSENSTANDPUNKT # 15 mit dem Titel Volkskrieg – Der einzige Weg zu Befreiung, der seit einiger Zeit im Internet kursiert (hier zum Download als PDF-Datei):

Volkskrieg – Der einzige Weg zu Befreiung

„Die Emanzipation des Proletariats wird

auch einen besonderen militärischen

Ausdruck haben, wird eine aparte, neue

Kriegsmethode erzeugen.“

– F. Engels

 

Das vorliegende Dokument ist ein Beitrag zur Debatte um die korrekte Militärlinie der zu rekonstituierenden Kommunistischen Partei Deutschlands. Zu Beginn werden wir den Text des Kommunistischen Aufbaus betrachten, der Anstoß dieser Debatte war. Anschließend werden wir, ausgehend von der Praxis und der Ideologie des internationalen Proletariats, einige Aspekte zur Frage der Militärlinie der Revolution in Deutschland grob umreißen.

 

Teil 1: Zur Kritik des Kommunistischen Aufbaus

 

Die Freunde vom Kommunistischen Aufbau haben anlässlich des 100. Jubiläums der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution den Text „1917-2017: Einhundert Jahre revolutionäre Strategie“ mit dem Untertitel „Aufstand, Stadtguerilla, Volkskrieg – oder dialektische Weiterentwicklung?“ veröffentlicht. Da der Kommunistische Aufbau die „Aufgabe der KommunistInnen in Deutschland in unserer historischen Periode in diesem Land“ in der „Schaffung einer Kommunistischen Partei Leninschen Typs“ sieht, halten wir die inhaltliche Auseinandersetzung mit ihnen für einen wichtigen Beitrag im Prozess des Kampfes um die Rekonstitution der Kommunistischen Partei Deutschlands.

 

Die Rolle des Guerillakriegs im Volkskrieg

 

Das Kapitel zum Volkskrieg wird mit einem Zitat der Herausgeber der deutschsprachigen Übersetzung des Dokuments „Urban Perspectives der Communist Party of India (Maoist)“ eingeleitet. Das da lautet:

„Der langandauernde Volkskrieg besteht aus einer Analyse der Gesellschaft, aus einem revolutionärenProgramm und einer politisch-militärischen Strategie, die sich aus Guerillakrieg, Bewegungskrieg und Stellungskrieg zusammensetzt. Strategisches Ziel ist der Aufbau von Stützpunktgebieten, die sich in einem langandauernden Kampf immer weiter ausdehnen und schließlich die metropolitanen Zentren umzingeln.“

Der Marxismus-Leninismus-Maoismus wurde vom Vorsitzenden Gonzalo systematisiert. Das weiß man beim Kommunistischen Aufbau. Es ist unsere Verantwortung, den Marxismus-Leninismus-Maoismus, hauptsächlich Maoismus als einzige Wegleitung und Befehl der Internationalen Kommunistischen Bewegung auf dem Weg der proletarischen Weltrevolution durchzusetzen. Dass hier nicht-maoistische Schriften stellvertretend zitiert werden, zeigt, wie viel wir noch zu leisten haben. Trotzdem wäre es dem Kommunistischen Aufbau sicher möglich gewesen, eine entsprechende Passage auch in unseren Schriften zu finden. Doch obwohl selbst der Revolutionäre Aufbau Schweiz versteht, dass der Volkskrieg mehr ist als Guerillakrieg, sieht die Erläuterung des Kommunistischen Aufbaus wie folgt aus:

„Der von Mao Tse-Tung als Führer der KP Chinas entwickelte „langandauernde Volkskrieg“ stellt eine Revolutionstrategie dar. Er kann nicht, wie das einige bürgerliche Autoren tun, auf eine Strategie des Guerillakriegs verkürzt werden, auch wenn das Militärische beim Volkskrieg zentralen Raum einnimmt.

Er stützt sich militärisch auf den Guerillakrieg und arbeitet ihn in all seinen Aspekten umfassend aus.

Die Guerilla war keine Erfindung von Mao. Historisch gesehen sind Guerillakriege in Europa erstmals im Partisanenkrieg der Spanier gegen Napoléon Bonaparte Ende des 18. Jahrhunderts aufgetaucht. Das Neue und Originelle bei Mao ist also nicht die Erfindung der Guerilla, sondern das er diese Kampfform (praktisch und theoretisch) vollständig erfasst, sie entwickelt und so die Potenziale der Guerilla erst mals voll ausschöpft. Der Volkskrieg bei Mao basiert auf einer Landguerilla. Das strategische Ziel und eine der wesentlichen Neuerungen des Guerillakriegs im Volkskrieg besteht in den Stützpunktgebieten.“

Im Bezug auf das Zitat weist der Kommunistische Aufbau sogar darauf hin, dass bürgerliche Angriffe die Strategie des Volkskriegs auf den Guerillakrieg reduzieren. Doch selbst erwähnen sie von der Militärtheorie des internationalen Proletariats nichts, außer die Rolle des Guerillakriegs in ihr und die Stützpunktgebiete. Die Rolle der Stützpunktgebiete haben sie, wie sich zeigen wird, unzureichend verstanden. Es geht um die Ergreifung der Macht. Auch begreift der Kommunistische Aufbau die Rolle des Guerillakriegs im Volkskrieg nicht. Der Guerillakrieg hat im Volkskrieg einen strategischen Charakter. Das bedeutet, er ist das Fundament auf dem der Aufbau der Streitkräfte und die Entwicklung von Bewegungs- und Stellungskrieg basiert. Vorher war der Guerillakrieg innerhalb der regulären Kriegsführung immer nur eine Ergänzung zum Bewegungs- und Stellungskrieg. Dann wird durch den Kommunistischen Aufbau der Zweck des Volkskriegs falsch bestimmt:

„Die Kriegsführung dient dem übergeordneten Ziel, die politische Macht im Staat zu erobern.“

Wie schon Marx in seiner Schrift „Über den Bürgerkrieg in Frankreich“ festgestellt hat, kann das Proletariat den alten Staat nicht einfach übernehmen, sondern muss ihn zerschlagen und einen neuen Staat aufbauen. Die Formulierung „Macht im Staat“ ist in dieser Hinsicht irreführend und suggeriert, dass der Marxismus-Leninismus-Maoismus von diesem marxistischen Prinzip abweichen würde. Nun erwarten wir nicht von allen Revolutionären „Über den Bürgerkrieg in Frankreich“ gelesen zu haben, aber das Vorwort vom Manifest der Kommunistischen Partei aus dem Jahr 1872, in dem diese Sache geklärt wird, sollte doch bekannt sein. Zwar hat Lenin diese Formulierung durchaus in den „Briefen aus der Ferne“ gebraucht, jedoch ist es kein Zufall, dass er sie in „Staat und Revolution“ nicht mehr gebraucht. Weiter schreibt der Kommunistische Aufbau:

„Dies geschieht, indem zunächst in entlegenen und geografisch geeigneten Gebieten (Gebirge, Flussmündungen, Urwälder) ein Territorium erobert und dauerhaft gegen den Feind gehalten wird.“

 

Im Volkskrieg geht es zunächst einmal nicht um das Halten von Gebieten, sondern die Volksmassen sind das Entscheidende, worauf wir später noch weiter eingehen werden. Das Grundprinzip des Krieges ist, die eigenen Kräfte zu erhalten und die gegnerischen Kräfte zu vernichten. Dies geschieht jedoch nicht, in dem die revolutionären Kräfte in einem Gebiet verharren, sich umzingeln und vernichten lassen. Dies propagiert lediglich jede Initiative und Flexibilität an den Feind abzugeben und in Passivität zu verfallen. Genau das Gegenteil hat sich als erfolgreich gezeigt: Versucht der Feind Truppenteile für den konzentrischen Angriff auf ein Stützpunktgebiet in Stellung zu bringen, sind mit Initiative seine einzelnen Abteilungen bereits beim Zusammenziehen zu umzingeln und zu vernichten. Es handelt sich also um ein grobes Missverständnis in Bezug auf den Gegenstand ihrer Kritik.

 

Das Prinzip der Zusammenziehung der Streitkräfte zur Einzelvernichtung der feindlichen Truppen zielt in der Hauptsache darauf ab, die lebende Kraft des Feindes zu vernichten, und nicht darauf, Gebiete zu halten oder einzunehmen. Unter gewissen Umständen ist es zulässig, gewisse Orte aufzugeben, damit wir unsere Kräfte zur Vernichtung der feindlichen Truppen konzentrieren, oder damit unsere Feldtruppen den schweren Schlägen der feindlichen Armee ausweichen können und es ihnen somit erleichtert wird, Ruhepausen, Konsolidierung und Ausbildung für weitere Kämpfe zu erlangen. Solange wir in großem Ausmaß die lebende Kraft des Feindes vernichten können, wird es uns möglich sein, verlorene Gebiete zurückzuerobern und neue Gebiete einzunehmen. Darum sollen alle jene ausgezeichnet werden, denen es gelingt, die lebende Kraft des Feindes zu vernichten.“[1]

 

Die Militärlinie des internationalen Proletariats

 

Die Freunde schreiben:

„Als Militär- und Revolutionsstrategie erfolgreich war der Volkskrieg auch in einer Reihe von antikolonialen und antiimperialistischen Kriegen unter Führung der nationalen Bourgeoisie.“

Der Volkskrieg ist die Militärtheorie des internationalen Proletariats für die neudemokratische, sozialistische und Kulturrevolution. Wenn das Proletariat nicht führt, ist es kein Volkskrieg. Darum kann die nationale Bourgeoisie auch keinen Volkskrieg führen. Die Bourgeoisie kann in bestimmten Situationen einzelne Aspekte anwenden, die in der Strategie des Volkskrieges enthalten sind, aber sie kann keinen Volkskrieg führen. Wenn die Bourgeoisie diese Aspekte erfolgreich anwendet, bestätigt das lediglich ihre Richtigkeit als Bestandteil unserer Militärtheorie.

„Ausgehend von dem Verständnis des Volkskriegs als ‚Einkreisung der Städte durch die Dörfer‘ versuchen verschiedene maoistische Strömungen bzw. Parteien, einerseits Stützpunkte der „Roten Macht“ aufzubauen und andererseits den Städten eine mehr oder weniger ausgedehnte Hilfsfunktion als „Nebenkriegsschauplatz“ zu geben. Das reicht von rein legaler politischer Unterstützungsarbeit, über logistische Unterstützung des Volkskriegs bis hin zu Elementen einer maoistischen Stadtguerilla in Verbindung mit lokalen Milizen, wie sie z.B. von der KP Perus unter ihrem Vorsitzenden Gonzalo entwickelt wurden.“

Dieser Absatz ist eine völlig falsche Darstellung der Massen- und Militärlinie der Kommunistischen Partei Perus, d.h. des Marxismus in dieser Frage, wie sie in ihrer Parteieinheitsbasis auch auf Deutsch zugänglich ist. Des Weiteren ist er auch ignorant gegenüber verschiedenen Dokumenten, die die Durchsetzung dieser korrekten Linie in der Praxis darstellen, in denen unter anderem auch die Rolle der Stadt im Rahmen des einheitlichen Volkskrieges in Peru als notwendiges Komplement dargelegt wird. Dieser Absatz setzt den Marxismus- Leninismus-Maoismus mit seinem Gegenteil, der Fokustheorie gleich. Dieser Absatz ersetzt die inhaltliche Auseinandersetzung mit rhetorischen Kniffen. Die Formulierungen „Nebenkriegsschauplatz“ und „Hilfsfunktion“ suggerieren rhetorisch, dass die Stadt für nicht so wichtig genommen wird, wie sie genommen werden sollte. Ein Argument dafür bleibt aus. So wird der Eindruck erweckt, dass der Kommunistische Aufbau nicht daran interessiert ist mit seinem Dokument für mehr Klarheit zu sorgen, sondern Verwirrung stiften will. Die Gleichsetzung des Volkskriegs mit dem Stadtguerillakonzept der Fokustheorie ist wahrlich eine grobe Verwirrung.

Weiter schreibt der Kommunistische Aufbau:

 

„Alle maoistischen Bewegungen stehen jedoch letztlich vor dem strategischen Problem der Eroberung der Städte. Die nepalesische maoistische Partei konnte nach der erfolgreichen Umzingelung der Hauptstadt durch einen zehnjährigen Volkskrieg zwischen 1996 und 2006 deshalb nicht von der Phase des strategischen Gleichgewichts in die Phase der strategischen Offensive und des bewaffneten Aufstands in den Städten übergehen. Das Endresultat war der offene Verrat durch den maoistischen Guerilla-Führer Prachanda, der dem Sozialismus abschwor und Premier der neu gebildeten bürgerlich-demokratischen Republik wurde.“

 

Der erste Satz ist zweideutig. Selbstverständlich stehen Kommunisten in unterdrückten Nationen, die vom Land her die Städte einkreisen, praktisch vor dem Problem, die Städte zu erobern, wenngleich sie auch in den Städten die Arbeit entwickeln. Vor einem grundsätzlichen theoretischen Problem steht hierbei allerdings kein Kommunist. Denn grundsätzlich wurde diese Frage vom Vorsitzenden Mao Tse-Tung und dem Vorsitzenden Gonzalo geklärt. Die Aufgabe der Kommunisten besteht in der schöpferischen Anwendung der Prinzipien des Marxismus-Leninismus-Maoismus und des Gonzalodenken auf die spezifischen Bedingungen ihrer konkreten Realität. Das Problem der Genossen in Nepal war, dass die revisionistische Führung ihrer Partei die Arbeiterklasse und das Volk verraten hat. Die Absurdität des „Mehrparteienwettbewerbs“ und der Inkorporation des Feindes in die Strukturen der Neuen Macht zieht sich durch den ganzen, auf Friedensverhandlungen mit dem alten Staat abzielenden, Prozess unter der Forderung des Endes der Monarchie. Ausschlaggebend war am Ende die Kapitulation vor der drohenden Intervention des US-Imperialismus mittels seines indischen Vasallen. All das sind Schlaglichter eines umfassenden und systematischen Revisionismus, der sich – ganz Revisionismus auf der Höhe der Zeit – als Maoismus verkleidet. Eine Tatsache, die hinlänglich von vielen Seiten denunziert wurde. Der „Prachandaismus“ ist entlarvt und bankrott.

Solche Revisionisten dann Maoisten zu nennen, heißt diese Verkleidung unterstützen, heißt Schmutz auf den Marxismus-Leninismus-Maoismus zu werfen. Weiterhin muss hier klar gestellt werden, dass der Grund für Revisionismus nicht darin besteht, dass nepalesische Parteiführer in der Selben Unkenntnis bezüglich der Antworten des Marxismus-Leninismus-Maoismus auf die Fragen der revolutionären Praxis wie unsere Freunde wären. Der Revisionismus ist die Bourgeoisie in unseren eigenen Reihen. Der Grund für den Revisionismus ist, dass auch Kommunisten in der bürgerlichen Gesellschaft formierte Subjekte sind. Als solche tragen sie die bürgerliche Gesellschaft in sich (und in den unterdrückten Nationen auch die feudale). Sie leben in ihr und man bekommt sie aus den Menschen auch nicht heraus, ohne die bürgerliche Gesellschaft zu zerstören. Folglich kann und wird es immer wieder passieren, dass Kommunisten sich und ihr Ego über die Klasse und das Volk stellen und Revisionisten werden – was nichts daran ändert, dass sie in diesem Falle unversöhnlich zu bekämpfen sind. Um diese Frage, die verschiedentlich verwirrt wurde, zu klären: der Revisionismus ist für uns die Hauptgefahr.

Die Situation in Nepal ist nur eine temporäre Niederlage, eine Krümmung des Weges. Wir sind fest davon überzeugt, dass die Genossen in Nepal auf Grundlage der gemachten Erfahrungen, mit ihrem bereits bewiesenen Heldenmut und der Ideologie des internationalen Proletariats den Sieg erringen werden! Nicht nur, weil die Geschichte diesen Weg gehen muss, sondern auch weil der Volkskrieg prägender Teil der nepalesischen Realität ist und sich dort immer wieder Genossen erheben. Zuletzt wurden bei den Wahlen im vergangenen November im ganzen Land Aktionen mit Sprengstoffen durchgeführt.

 

Die Universalität des Volkskriegs

 

Weiter schreibt der Kommunistische Aufbau:

„Der Mangel an Konzepten für diese Frage hängt in revolutionsstrategischer Hinsicht auch mit den geschichtlichen Besonderheiten des chinesischen Bürgerkriegs und seiner letzten Phase von 1945 bis 1949 zusammen. Militärisch eroberte Mao die Macht, indem er die Guerilla in eine reguläre Rote Armee verwandelte, die ganz klassisch einen konventionellen Krieg führte und gewonnen hat. Politisch konnte er 1948/49 die „Städte“ wie reife Früchte pflücken, da sein Gegner, die Kuomintang, politisch und moralisch völlig zersetzt war.“

In diesem Abschnitt greift der Kommunistische Aufbau die Universalität des Volkskriegs an, indem sie behaupten, dass er nur unter sehr bestimmten „geschichtlichen Besonderheiten“ Chinas erfolgreich sein konnte. Diese konstruieren sie so absurd, dass niemand ernstlich glauben kann, dies könne sich so wiederholen. Genauso wenig wie irgendjemand ernstlich glauben kann, es hätte sich tatsächlich so zugetragen.

Das Gerede von „reifen Früchten“ und der implizite Vorwurf, Mao Tse-Tung hätte eine bürgerliche Militärlinie angewandt, indem gesagt wird, er hätte „ganz klassisch einen konventionellen Krieg“ geführt, ist eine Verleumdung[2] der Leistung der chinesischen Massen, die ihr Blut vergossen haben im Klassenkampf, auf dessen Grundlage Vorsitzender Mao Tse-Tung die Ideologie des Proletariats weiter entwickeln konnte.

Im folgenden Abschnitt weist der Kommunistische Aufbau uns auf die vermeintlich entscheidende Schwäche des Marxismus-Leninismus-Maoismus hin:

„Auch die Frage der weltweiten Revolutionstheorie, das heißt wie die Hauptschlacht zu führen sei, nämlich die Eroberung der „Städte“ im Weltmaßstab und damit der imperialistischen Zentren, bleibt offen. Dies bleibt die entscheidende Schwäche der Revolutionstheorie des Maoismus!“

Hier stiftet der Kommunistische Aufbau erneut Verwirrung. Die Formulierung stammt von Lin Biao, der den Volkskrieg nicht so schnell wie möglich einleiten will und nicht den Weltvolkskrieg wie er von der Kommunistischen Partei Perus definiert wurde, vertritt. Deshalb ist Lin Biao ein Rechtsopportunist und kein Marxist-Leninist-Maoist. Dass der Marxismus-Leninismus-Maoismus, Gonzalodenken, noch nicht auf die spezifischen Bedingungen in den imperialistischen Ländern angewandt wurde, ist die Verantwortung der Kommunisten in eben diesen Ländern. Denn die Theorie wird auf Grundlage der Praxis entwickelt, alles andere wäre Idealismus. Folglich kann auch nur ein Idealist Vorsitzendem Mao Tse-Tung und Vorsitzendem Gonzalo vorwerfen, dies nicht getan zu haben. Da sie selbst noch immer kein Argument gegen die Universalität des Volkskrieges zu Papier gebracht haben, kommen unsere Freunde auf die gute Idee Mao Tse-Tung für sich sprechen zu lassen. Sie leiten ein längeres Zitat von Mao Tse-Tung wie folgt ein:

„Damit [der Behauptung der Universalität des Volkskriegs] gingen sie weit über die eigenen Auffassungen Maos hinaus. Er ging davon aus, dass Ursachen für Entstehen und Existenz von Stützpunktgebieten („Rote Macht“) den eigentümlichen Bedingungen in China entsprangen.“

Danach folgt ein längeres Zitat von Mao Tse-Tung aus dem Jahre 1928, in dem Mao Tse-Tung tatsächlich darstellt, die Gebiete der Roten Macht seien ein chinesisches Spezifikum, das sonst überall unmöglich wäre. 1928 tobt in China der erste Bürgerkrieg. Das ist vor dem antijapanischen Krieg und vor dem zweiten Bürgerkrieg. Von diesem Zeitpunkt aus sind es noch 21 Jahre bewaffneter Kampf bis zum Sieg der Revolution. Mao Tse-Tung war vieles, aber sicher nicht „Gott“. Und der Marxismus-Leninismus-Maoismus ist vieles, aber kein Idealismus. Also konnte Mao Tse-Tung nicht vor der revolutionären Praxis, also ohne sie, diese zur Theorie synthetisieren. Folglich sind wir auch nicht erschüttert darüber, dass er, bevor er die notwendige Praxis hatte, noch nicht die Theorie vom Volkskrieg entwickelt hat. Solche hegelschen Hoffnungen sind der Kommunisten Sache nicht, folglich sind wir von ihrer Widerlegung auch nicht enttäuscht. Denn als dialektische Materialisten wissen wir, dass die Theorie ausgehend von der Praxis entwickelt wird, und mithilfe der Theorie die Praxis auf ein höheres Niveau gehoben werden kann, von dem aus wieder die Theorie weiterentwickelt wird. Die Theorie entsteht nicht losgelöst von der Praxis, auch nicht die vom Volkskrieg. Wenn unsere Freunde an ihrem Argument festhalten wollen, müssen sie also einen idealistischen Standpunkt einnehmen.

Im Übrigen sind selbst in den Werken des Vorsitzenden Mao Korrekturen auf Basis der gemachten Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg zu finden. Ein Beispiel dafür liefert uns das Dokument „Strategische Probleme des Partisanenkrieges“. Dort wird in Kapitel VI, Unterkapitel 3, auf Seite 109 in der ersten Auflage der Ausgewählten Werke Band II festgestellt: „[…] in kleinen Ländern wie z.B. Belgien, wo diese Bedingung fehlt, ist eine solche Möglichkeit sehr gering oder gar ausgeschlossen.“ In der englischsprachigen Ausgabe gibt es an dieser Stelle die achte Endnote, in welcher es u.a. heißt: „In other words, guerilla war can be victoriously waged in a country which is not large in territory […]“ (zu dt.: „Mit anderen Worten, der Guerillakrieg kann in einem Land das über kein großes Territorium verfügt siegreich geführt werden […]“)

 

Danach springt der Kommunistische Aufbau wieder zur Internationalen Linie:

„Für die Frage der Strategie der proletarischen Weltrevolution bedeutet diese Antwort: Einkreisung der Welt-„Städte“ durch das Welt-„Dorf“. Die Perspektiven für die Revolution werden in den unterdrückten Ländern in Asien, Afrika und Lateinamerika gesehen: Erst wenn diese „gefallen“ seien, könne die Revolution in imperialistischen Zentren gelingen – auch weil somit die Möglichkeit der Bestechung der Arbeiterklasse durch Extraprofite wegfalle.“

Mit dem Marxismus-Leninismus-Maoismus hat das überhaupt nichts zu tun. Denn Mao Tse-Tung hält in seiner Schrift „Über den Widerspruch“ fest, dass der innere Widerspruch das Entscheidende ist:

„Im Gegensatz zur metaphysischen Weltanschauung vertritt die dialektisch materialistische Weltanschauung die Meinung, daß wir beim Studium der Entwicklung der Dinge von ihrem inneren Gehalt, von dem Zusammenhang des einen Dinges mit anderen ausgehen sollen, das heißt, daß wir die Entwicklung der Dinge als ihre innere, notwendige Selbstbewegung betrachten, wobei sich jedes Ding in seiner Bewegung mit den anderen, es umgebenden Dingen in Zusammenhang und Wechselwirkung befindet. Die Grundursache der Entwicklung eines Dinges liegt nicht außerhalb, sondern innerhalb desselben; sie liegt in seiner inneren Widersprüchlichkeit. Allen Dingen wohnt diese Widersprüchlichkeit inne,und sie ist es, die die Bewegung und Entwicklung dieser Dinge verursacht. Diese innere Widersprüchlichkeit der Dinge ist die Grundursache ihrer Entwicklung, während der Zusammenhang und die Wechselwirkung eines Dinges mit anderen Dingen sekundäre Ursachen darstellen.“

Zur Konkretisierung in der Internationalen Linie sei nur angemerkt, dass der Marxismus-Leninismus- Maoismus den Widerspruch zwischen Imperialismus und unterdrückten Nationen als den aktuellen Hauptwiderspruch auf Weltebene bestimmt – womit dieser die wichtigste äußere Bedingung für den inneren Widerspruch jeder Nation darstellt. Seine zunehmende Verschärfung führt dazu, dass die Völker der unterdrückten Nationen immer mehr zur Rebellion getrieben werden. Die Kommunistischen Parteien der unterdrückten Nationen müssen auf Grundlage des Marxismus-Leninismus-Maoismus diese Rebellionen führen, und den Volkskrieg überall so schnell wie möglich einleiten. Weil der relative „soziale Frieden“ in den imperialistischen Nationen insbesondere auch von den Kapitalexporten in die (und damit einhergehend die Ausplünderung der) unterdrückten Nationen abhängt, verschärfen solche Volkskriege den Widerspruch von Proletariat und Bourgeoisie in den imperialistischen Nationen. Folglich sind sie der Entwicklung des Volkskrieges in den imperialistischen Nationen zuträglich. Das heißt nicht, dass die Kommunisten in den imperialistischen Nationen die Hände in den Schoß legen und sich bis zum Tag X auf eine indifferente „internationale Solidarität“ beschränken.

Es gibt nur einen wirklichen Internationalismus: „die hingebungsvolle Arbeit an der Entwicklung der revolutionären Bewegung und des revolutionären Kampfes im eigenen Lande, die Unterstützung (durch Propaganda, durch moralische und materielle Hilfe) eben eines solchen Kampfes, eben einer solchen Linie und nur einer solchen allein in ausnahmslos allen Ländern. Alles andere ist Betrug […].“[3]

Der Volkskrieg hat universelle Gültigkeit. Vor der Einleitung des Volkskrieges dient alles dazu, ihn einzuleiten, und ist er eingeleitet, dient alles dazu, ihn zu entwickeln. Auch in den imperialistischen Nationen. Die Marxisten-Leninisten-Maoisten in den imperialistischen Nationen warten nicht auf den Volkskrieg in den unterdrückten Nationen, wie die Juden auf den Messias. Die Marxisten-Leninisten- Maoisten entwickeln die revolutionäre Praxis in Perspektive auf den Volkskrieg in ihrem Land, den proletarischen Internationalismus immer an erster Stelle, um der Weltrevolution zu dienen.

 

Der Volkskrieg in einem Land

 

„Selbst wenn nach diesen, sich im Detail durchaus unterscheidenden Revolutionsstrategien die unterdrückten Länder befreit werden könnten, was wir aus verschiedenen Gründen anzweifeln, könnte daraus kein Sozialismus im Weltmaßstab erwachsen. Schlicht und einfach, weil der Imperialismus nicht zuschaut, wie die (revolutionären) Dörfer seine Zentren (der Macht) einkreisen. Solange der Imperialismus aber in den Zentren die Macht innehat, hat er zugleich auch die Macht, die „Dörfer“ notfalls dem Erdboden gleich zu machen. Die letzten Jahrzehnte der Menschheitsgeschichte haben eindrücklich bewiesen, dass der Imperialismus keine Sekunde zögert, diese Option zu ziehen, wenn er ernsthaft auf irgendeinem Flecken dieses Planeten in die Enge getrieben wird. Die unverhohlene Drohung des US-Imperialismus durch Trumps Rede vor der UN-Generalversammlung, das nordkoreanische Volk mittels Atomkrieg zu vernichten, ruft dies eindringlich in Erinnerung!“

Ausgehend von der falschen Annahme, dass der Marxismus-Leninismus-Maoismus den Volkskrieg einseitig in den unterdrückten Nationen entwickeln wolle, schließt der Kommunistische Aufbau darauf, dass daraus kein Sozialismus im Weltmaßstab erwachsen könne. Wohl wahr, wenn man nicht weltweit um die Macht kämpft, kann man sie nicht weltweit gewinnen. Mit dieser tautologischen Feststellung rennen die Freunde bei uns offene Türen ein.

Allerdings bringen unsere Freunde so einiges durcheinander, wenn sie es so darstellen, als sei der Sozialismus in einem Land nicht möglich, angesichts des überlegenen Waffenarsenals der Imperialisten. Hat die Geschichte nicht etwas anderes gezeigt? Nämlich das der Sozialismus nicht gescheitert ist, weil er vom Ausland militärisch Angegriffen wurde? Was an dieser Stelle getan wird, ist die Frage der Restauration und Gegenrestauration mit einer rein militärische Sache zu verwechseln. Doch der Kampf zwischen Restauration und Gegenrestauration lässt sich nur mit einem äußerst verkürztem Verständnis allein auf militärische (und darüber hinaus externe) Faktoren reduzieren. Die Praxis des chinesischen Volkes unter der Führung des Vorsitzenden Mao in der Großen Proletarischen Kulturrevolution hat doch recht deutlich das Gegenteil bewiesen. Gegen den Sozialismus in einem Land im allgemeinen argumentieren in der Regel nur Trotzkisten[4]. Doch auch im besonderen ist dieser Standpunkt falsch. Hier offenbart sich ein metaphysisches Verständnis vom Widerspruch zwischen Imperialismus und unterdrückten Nationen. Zwar ist der Imperialismus noch die dominierende Seite des Widerspruchs, aber seine Macht hängt von der halbkolonialen Ausplünderung ab und zerfällt ohne diese. Der Imperialismus kann nicht sein, ohne die nationale Unterdrückung. Seine militärische Macht sichert zwar seine ökonomische Macht ab, aber beruht auch auf ihr. Wenn ihm Halbkolonien durch den Volkskrieg entzogen werden, dann schwächt das den Imperialismus. Doch auch wenn man den militärischen Aspekt isoliert betrachtet, liegt der Kommunistische Aufbau falsch. Die Geschichte hat zwar wirklich gezeigt, dass die Imperialisten zu jeder Grausamkeit bereit sind, um ihre Macht zu sichern, aber das heißt noch lange nicht, dass es ihnen gelingt. Die jüngere Geschichte von Vietnam, über Tschetschenien und Afghanistan, Somalia bis hin zum Irak, der Ukraine, Syrien und Mali zeigt deutlich, dass sie nicht in der Lage sind das Volk dauerhaft in „Ruhe und Ordnung“ zu halten. Im Gegenteil, sie erleiden eine Niederlage nach der anderen.

Das Schüren der Angst vor einem Atomkrieg blendet aus, dass der Imperialismus etwas mit den Halbkolonien vorhat. Er will sie nicht einfach bloß vernichten, er will sie benutzen. Etwas was man benutzen will, kann man nicht vernichten. Die Taktik des „dem Erdboden gleich machen“ kann vom Imperialismus höchstens vereinzelt eingesetzt werden, um ein Exempel zu statuieren, nicht aber als umfassende Taktik, weil es im Widerspruch zu ihrem strategischen Ziel steht. Außerdem stellen sich die Autoren ignorant dazu, was die Benutzung von Atombomben für die Verschärfung der Widersprüche bedeutet, so wie dem zwischen Proletariat und Bourgeoisie in den imperialistischen Nationen, als auch den interimperialistischen, und dem zwischen Imperialismus und unterdrückten Nationen. Wenn der Gebrauch von Atombomben gemäß diesem Zweck eingesetzt wird, dann wird der Kampf schwieriger, für das Land und in der Region, in der die Atombomben eingesetzt werden. Aber es ist kein Zufall, dass Atombomben nach ihrem Einsatz gegen den japanischen Imperialismus nie wieder eingesetzt wurden. Die Verschärfung der Widersprüche durch ihren Einsatz macht ihn sehr problematisch für die Imperialisten. Selbst der Einsatz von biologischen und chemischen Kampfstoffen ist nur unter sehr extremen Bedingungen möglich. Das Foto von der Erschießung Nguyễn Văn Léms sorgte für weltweite Empörung, und schon vor dem Foto von der durch Napalm verbrannten neunjährigen Phan Thị Kim Phúc wurden in den USA Demonstranten von der Nationalgarde erschossen[5]. Danach war der Krieg nicht nur moralisch verloren. Letztlich hat der Vorsitzende Mao Tse-Tung recht, wenn er sagt:

„Die Atombombe ist ein Papiertiger, mit dem die amerikanischen Reaktionäre die Menschen einschüchtern wollen. Sie sieht fürchterlich aus, aber in Wirklichkeit ist sie es nicht. Natürlich ist die Atombombe eine Massenvernichtungswaffe. Aber über den Ausgang eines Krieges entscheidet das Volk, nicht eine oder zwei neue Arten von Waffen.“[6]

Wir befürchten, dass ein gepflegtes Unverständnis über diese Wahrheit und die durch die bürgerlichen Medien in den vergangenen Jahrzehnten verbreitete Hysterie über den „Overkill“ beim Kommunistischen Aufbau ihren Niederschlag findet und wollen ausdrücklich davor warnen diesen Standpunkt zu entwickeln. In entwickelter Form ist das Teil des Chruschtschow-Revisionismus, indem er dazu dient, Angst zu schüren, die Revolutionäre von der Revolution abzuhalten und von friedlichem Übergang und friedlicher Koexistenz zu überzeugen. Indem unsere Freunde diese Angst annehmen, stehen sie am Abgrund, und wenn sie hier weiter gehen, stürzen sie unweigerlich hinab. Die Haltung der Revolutionäre muss stets sein, Mut zu haben zu kämpfen und Mut zu haben zu siegen.

Konsequent weiter gedacht würde das metaphysische Verständnis des Widerspruchs von Imperialismus und unterdrückten Nationen zu einer revolutionstheoretischen Variante der „white man‘s burden“. Im metaphysischen Verständnis des Widerspruchs von Imperialismus und unterdrückten Nationen ist ein metaphysischer Standpunkt zur Revolution, der letztlich imperialistischer Chauvinismus ist, angelegt. Denn den unterdrückten Völkern wird das Unvermögen ausgesprochen sich selbst zu befreien, weshalb sie auf den weißen Messias in den imperialistischen Zentren hoffen müssten. Wir hoffen sehr, dass der Kommunistische Aufbau diese falsche Idee nicht weiterentwickelt, sondern von ihr ablässt.

 

Foquismus oder Volkskrieg

 

Es ist nicht im geringsten unser Anliegen die Fokustheorie zu verteidigen. Denn auch wir haben eine Kritik an dieser Strategie. Der Fokus und das dazugehörige Abenteurertum sind auch Ausdruck einer Geringschätzung der Massen, eine kleinbürgerliche Militärlinie und nicht die Sache des Proletariats. Obgleich viele Revolutionäre, die gemäß dieser Linie gekämpft haben, zu den besten Kindern unserer Klasse und der Völker der Welt gehören.

Doch die Kritik des Kommunistischen Aufbaus an der Fokustheorie, insbesondere die Vermengung der Fokustheorie mit dem Volkskrieg, muss zurückgewiesen werden.

„Aufbauend auf lokalen Traditionen revolutionärer Volksführer und Aufstände vereinigt die Stadtguerilla Elemente des Foquismus (deutsch: Fokustheorie), wie er durch das Leben und den Kampf des Revolutionärs Che Guevara repräsentiert wird, mit dem maoistischen Volkskrieg. Militärisch werden bei der Stadtguerilla die Partisanen des langandauernden Volkskriegs in die Städte verpflanzt. Politisch wird die entschiedene Tat eines revolutionären Kerns (des Fokus), der losgelöst von den Massen durch sein Vorbild als „Funke einen Steppenbrand“ entfacht, in den Mittelpunkt der Strategie gerückt.“

Also erstens ist die Fokustheorie eine Theorie und nicht einfach nur das Beispiel Che Guevaras. Man sollte den Revisionismus ernst nehmen und sich nicht ignorant verhalten. Wiederum zu behaupten, es hätte etwas mit Volkskrieg zu tun, wenn kleinbürgerliche Revolutionaristen losgelöst von den Massen den bewaffneten Kampf einleiten, ist auch sehr ignorant. Zwar gab es in der Rhetorik mancher Stadtguerillagruppen Bezüge auf den Volkskrieg, doch eine Armee, die nicht durch die Kommunistische Partei geführt wird, kann überhaupt keinen Volkskrieg führen.

„Unser Prinzip lautet: Die Partei kommandiert die Gewehre, und niemals darf zugelassen werden, daß die Gewehre die Partei kommandieren.“[7]

Das ist einer der wichtigsten Grundsätze des Volkskriegs. Wie kann man also Volkskrieg führen ohne Kommunistische Partei? Weiterhin ist der Kernpunkt am Volkskrieg, dass er sich auf die Volksmassen stützt. Das ist das Gegenteil der Fokustheorie, diese stützt sich auf den Fokus, auf die Wenigen. Die Behauptung, dass das Stadtguerillakonzept der Versuch wäre, den Volkskrieg auf die imperialistischen Länder anzuwenden, bekommt der Kommunistische Aufbau zu Stande, indem der Volkskrieg erneut auf den Guerillakrieg reduziert wird, obwohl sie eingangs meinten, dass dies nur bürgerliche Autoren tun:

„Letztlich überträgt die Stadtguerilla nur die Militärstrategie Maos (Guerillakrieg) auf die imperialistischen Zentren, ohne eine umfassende Revolutionsstrategie zu entwickeln. Wie die Massen erobert und organisiert werden sollen, die für die Eroberung der politischen Macht im Bürgerkrieg unerlässlich sind, wird entweder falsch – im anarchistisch-idealistischen Sinne des Foquismus – oder gar nicht beantwortet.“

Es ist sehr schade, dass der Kommunistische Aufbau die marxistisch-leninistisch-maoistische Massenlinie,

deren Ansätze sich bei Marx und Lenin finden, die von Mao Tse-Tung weiter entwickelt und vom Vorsitzenden Gonzalo systematisch in der Parteieinheitsbasis der Kommunistischen Partei Perus dargestellt wurde, nicht zur Kenntnis genommen hat. Denn ansonsten müssten sie sich nicht damit begnügen, zu behaupten, es gebe keine Antwort auf die Frage danach, wie man die Massen „erobert und organisiert“, sondern könnten uns ihre kritischen Gedanken dazu darlegen.

 

Weiter schreiben die Freunde:

„Die DHKP-C in der Türkei ist heute eine Vertreterin des in den letzten Jahren wieder vermehrt diskutierten Konzepts der Stadtguerilla, an der sich auch einige neu entstehende Gruppen und Zirkel in  den imperialistischen Zentren vor allem in Europa orientieren.“

Es bleibt unklar, wie es zu verstehen ist, dass der Kommunistische Aufbau das Stadtguerillakonzept für eine Vermischung von Fokustheorie und Volkskrieg hält, die auf die imperialistischen Länder angewandt wird, und gleichzeitig behaupten, die DHKP-C wende diese Militärlinie an, die in der Türkei, einem halbkolonialen und halbfeudalen Land, kämpft. Wir gehen davon aus, dass das nur daran liegen kann, dass der Kommunistische Aufbau die Türkei nicht für ein halbkoloniales und halbfeudales Land hält. Zu dieser Debatte haben wir bereits vor einiger Zeit einen Artikel von „Partizan“ zur Kritik am dritten Parteitag der MKP übersetzt. Der Kern dieser Frage ist, ob der Imperialismus gesellschaftliche Entwicklung hervorbringt oder die Prinzipien des Marxismus[8] korrekt sind und bleiben. Wir sind davon überzeugt, dass es sich hierbei um einen Lapsus handelt und die Freunde nicht die Reihen mit Stefan Engels MLPD schließen[9].

Außerdem ist es zwar korrekt, die Fehler, die gemacht wurden, zu kritisieren und die Erfahrungen unserer Klasse zeigen, dass der Kampf gegen Anhänger der Fokustheorie, die ihren Kampf (als Revisionisten konsequenterweise) gegen die Kommunistische Partei richten, durchaus antagonistische Formen annimmt und (beispielsweise bei der MRTA) mit deren Vernichtung endete. Wir wollen aber an dieser Stelle hervorheben, dass viele Genossen und Teile der Massen mit ihren Taten (die Ausdruck des Dranges zum bewaffneten Kampf und seiner Notwendigkeit waren) Einzug gehalten haben in das ewige Heldenepos der proletarischen Revolution, obwohl sie diese Fehler begangen haben. Niemals können wir diese Genossen dem Feind überlassen.

 

Über das Vorbild des Kommunistischen Aufbaus

 

Am Ende des Textes zieht der Kommunistische Aufbau einige allgemeine Schlüsse. So zum Beispiel diesen:

„Uns geht es hierbei vielmehr um eine selten verstandene objektive gesellschaftliche Dialektik, die von den KommunistInnen aufgrund ihrer subjektiv stark wahrgenommenen Schwäche oft nicht erkannt wird. Dass die Konterrevolution so stark ist und ihre Herrschaftsmethoden immer weiter perfektioniert, bedeutet dialektisch zugleich, dass die kommunistische und revolutionäre Bewegung im politischen Kampf zur theoretischen wie praktischen Überwindung ihrer Schwäche, nämlich der fehlenden Revolutionsstrategie für die imperialistischen Zentren, gedrängt wird.“

Die Überschrift des Abschnitts lautet, dass die Praxis der Theorie vorauseile, doch das klingt eher als hinke die Theorie der Praxis hinterher. Es bleibt völlig unklar, warum der Kommunistische Aufbau es für eine ermutigende Botschaft hält, dass er offenbar keine Antworten auf die Fragen der Praxis hat.

Danach kommt der Kommunistische Aufbau nochmal auf den Volkskrieg zu sprechen und schreibt:

„Alle maoistischen Parteien, die heute noch kämpfen, müssen sich mit dem strategischen Dilemma des „blockierten Wachstums“ auseinandersetzen. Der Volkskrieg ist eine Revolutionsstrategie, in der der Partisanenkrieg der Bauernmassen darauf abzielt, die feindliche Macht taktisch zu vernichten, um so langfristig die eigene Macht zu akkumulieren. Das alles folgt der strategischen Maßgabe „Überleben, um zu wachsen“. Was aber, wenn die Guerilla ihre strategische Initiative verliert und der ganze Krieg zum „Stellungskrieg“ im strategischen Patt wird, den keine der beiden Seiten auf absehbare Zeit gewinnen kann? Was eine imperialistische Armee, vor allem wenn die Verluste und Kosten einen erträglichen Rahmen nicht übersteigen, auf Jahrzehnte durchhalten kann, ist für den Volkskrieg eine strategische Falle allerersten Ranges.“

Erstens gibt es keine maoistischen Parteien, die nicht kämpfen. Denn wenn sie nicht kämpfen, dann sind sie nicht maoistisch, sondern nennen sich höchstens so.

Zweitens ist der Volkskrieg die Militärtheorie, um die Macht des Proletariats (in der neudemokratischen Revolution die Macht unter der absoluten Führung des Proletariats, konkretisiert durch seine Kommunistische Partei, in der Diktatur der revolutionären Klassen des Volkes, die sich auf das Arbeiter- und Bauernbündnis stützt) zu erobern und zu verteidigen – bis zum Kommunismus.

Drittens vernichten im Volkskrieg die revolutionären Streitkräfte die lebendige Kraft des Feindes, dort wo der Feind entschieden geschlagen wurde, wird die Neue Macht mit der revolutionären Armee als ihrem Rückgrat aufgebaut, um die alte Macht zu zerstören. Die Zusammenfassung als „Überleben, um zu wachsen“ geht völlig an der Dialektik von Aufbau und Zerstörung vorbei. Das Grundprinzip des Krieges ist, dass wir immer alles tun müssen, um die eigenen Kräfte zu erhalten und auszubauen, sowie den Feind zu vernichten. Um unsere eigenen Kräfte zu erhalten, müssen wir die des Feindes vernichten. Aber um die des Feindes zu vernichten, müssen wir einen Preis bezahlen. Der Vorsitzende Gonzalo lehrt uns, dass man bereit sein muss, den höchsten Preis zu bezahlen, aber immer danach streben muss, ihn so gering wie möglich zu halten. Diesem Widerspruch muss die Führung in der Planung Rechnung tragen. Man kann den Feind nicht vernichten, ohne aus der Unterlegenheit heraus die eigenen Kräfte aufzubauen und die Neue Macht zu errichten. Im Widerspruch von Aufbau (mit seinem Kern, der Neuen Macht) und Zerstörung (des alten Staates) ist der Aufbau das Hauptsächliche! Der Aufbau der Neuen Macht ist also das Herz des Volkskrieges. Wenn man diesen Widerspruch korrekt handhabt, dann ist der Volkskrieg unbesiegbar, denn die objektiven Gegebenheiten sind auf der Seite des Volkes.

Die Strategie heißt langwieriger Volkskrieg, weil es genau darum geht, aus der Unterlegenheit heraus gegen einen überlegenen Feind, wenn nötig über Jahrzehnte zu kämpfen und letztlich zu siegen. Dass das Wort langwierig in der Regel das zentrale Prädikat ist, das dem Wort Volkskrieg beigelegt wird, ist dem Kommunistischen Aufbau sicherlich nicht entgangen. Dass die Langwierigkeit des Volkskriegs in den meisten Dokumenten über ihn einen prominenten Platz einnimmt sicherlich auch nicht. Schade ist nur, dass der Kommunistische Aufbau dieses Problem als ungelöst behauptet, statt sich mit den theoretischen und praktischen Antworten des Marxismus-Leninismus-Maoismus darauf auseinanderzusetzen. Daraufhin findet sich im Text ein Verweis auf einen vermeintlich positiven Bezugspunkt in der Praxis:

„Den teilweise umgekehrten Weg – Aufbau einer Landguerilla neben den Milizen in den Städten – geht bemerkenswerterweise eine Partei aus der Tradition des „hoxhaistischen“ Flügels der marxistisch-leninistischen Bewegung, die nicht im Sumpf der Etappentheorie samt Liquidation der illegalen Strukturen als Kern der Kommunistischen Partei versunken ist. Die MLKP Türkei/Kurdistan baut, neben ihren eigenen Parteimilizen, zusammen mit der kurdischen Befreiungsbewegung, mit der sie seit vielen Jahren in einem strategischen Bündnis verbunden ist, einen militärischen Arm auf. Zunächst in Rojava und seit 2016 mit der HBDH (Halklarin Birlesik Devrim Hareketi, dtsch: Vereinigte Revolutionsbewegung der Völker) in der Türkei selbst.

Last but not least muss der „kommunistische Flügel“ im Spektrum der Stadtguerillaströmung erwähnt werden. Die ‚Roten Brigaden‘ in Italien sind das vielleicht bekannteste Beispiel für den Versuch, die militärische Strategie der Stadtguerilla mit den Massenkämpfen und der ArbeiterInnenbewegung zu verknüpfen.“

Interessant wäre zu wissen, was der Kommunistische Aufbau glaubt, wer in dem Bündnis von PKK und MLKP führt – die stärkere PKK oder die schwächere MLKP; oder der Yankee-Imperialismus, der Rojava in sein Militärlager verwandelt hat und die Syrian Democratic Forces als seine Bodentruppen benutzt?[10], [11] Für uns stellt sich das „strategische Bündnis“ als Auflösung der Partei in der Front dar. Das ist, was wir rechtes Liquidatorentum[12] nennen. Vielleicht verstehen wir aber auch nicht richtig, was uns die Freunde sagen wollen.

Wir verstehen auch nicht und wüssten gerne, wie eine Kommunistische Partei für sich in Anspruch nehmen kann, die Aufgaben des Proletariats zweier Länder zu übernehmen. Immerhin ist die Kommunistische Partei nicht die Partei eines Volkes, sondern eben die Partei des Proletariats. Und dessen Kampf wird in unserem programmatischen Grunddokument – dem Manifest der Kommunistischen Partei – an durchaus prominenter Stelle sehr klar beschrieben:

„Obgleich nicht dem Inhalt, ist der Form nach der Kampf des Proletariats gegen die Bourgeoisie zunächst ein nationaler. Das Proletariat eines jeden Landes muß natürlich zuerst mit seiner eigenen Bourgeoisie fertig werden.“[13]

 

„Indem das Proletariat zunächst sich die politische Herrschaft erobern, sich zur nationalen

Klasse erheben, sich selbst als Nation konstituieren muß, ist es selbst noch national, wenn auch keineswegs im Sinne der Bourgeoisie.“[14]

 

Aber mit der gleichen Problematik mussten sich auch schon Lenin und Stalin herumschlagen und zwar mit dem „Allgemeinen Jüdischen Arbeiterverband in Litauen, Polen und Rußland“ (in der Regel als „Bund“ bezeichnet). Dieser beanspruchte in den Ländern Litauen, Polen und Russland die alleinige Vertretung des jüdischen Proletariats, statt diese Aufgabe z. B. in Russland der Partei Lenins zu überlassen, damit das jüdische Proletariat für die Revolution in Russland mobilisiert werden kann. Der „Bund“ stellte sich damit als eine Partei ohne regionale Grenzen dar und stellte sich auf den Standpunkt des bürgerlichen Nationalismus. Stalin rechnete damit folgendermaßen ab:

„Der„Bund“ befindet sich auf dem Wege zum Separatismus. Es bleibt ihm auch eigentlich gar kein anderer Weg. Allein schon seine Existenz als exterritoriale Organisation treibt ihn auf die Bahn des Separatismus. Der „Bund“ hat kein bestimmtes geschlossenes Territorium, er betätigt sich auf „fremden“ Territorien, während die mit ihm in Fühlung stehenden sozialdemokratischen Parteien, die polnische, die lettische und die Sozialdemokratie Rußlands, internationale Territorialkollektive sind. Das aber führt dazu, dass jede Erweiterung dieser Kollektive eine „Einbuße“ für den „Bund“, eine Einengung seines Tätigkeitsfeldes bedeutet.“[15]

 

Lenin führte zu den separatistischen Bestrebungen des „Bunds“ weiter aus:

 

„Diese Losung (die in Rußland von allen bürgerlichen Parteien des jüdischen Nationalismus unterstützt wird) widerspricht dem Internationalismus der Sozialdemokratie. Als Demokraten sind wir unbedingt gegen jegliche, selbst die geringste Unterdrückung irgendeiner Nationalität, gegen jegliche Privilegien der einen oder anderen Nationalität. Wir fordern als Demokraten die freie Selbstbestimmung der Nationen in der politischen Bedeutung dieses Wortes (siehe das Programm der SDAPR), d. h. die Freiheit der Lostrennung. Wir fordern unbedingte Gleichberechtigung aller Nationen im Staat und unbedingten Schutz der Rechte jeder nationalen Minderheit. Wir fordern weitgehende Selbstverwaltung und Autonomie der einzelnen Gebiete, die unter anderem auch nach nationalen Merkmalen abzugrenzen sind. Alle diese Forderungen sind für jeden konsequenten Demokraten und umso mehr für jeden Sozialisten obligatorisch. Doch die Sozialisten beschränken sich nicht auf allgemein-demokratische Forderungen. Die Sozialisten kämpfen gegen alle und jedwede Erscheinungsformen des bürgerlichen Nationalismus, gegen die plumpen wie gegen die raffinierten. Gerade eine solche Erscheinungsform ist eben die Losung der „national-kulturellen Autonomie“, die das Proletariat und die Bourgeoisie einer Nation, vereinigt und die Proletarier der verschiedenen Nationen voneinander trennt. Die Sozialdemokraten standen stets und stehen auf dem Standpunkt des Internationalismus. Wenn wir die Gleichberechtigung aller Nationalitäten gegen die Fronherren und den Polizeistaat schützen, so treten wir nicht für die „nationale Kultur“, sondern für die internationale Kultur ein, in die von jeder nationalen Kultur nur ein Teil, eingeht, nämlich nur das, was konsequent demokratisch und sozialistisch in einer jeden nationalen Kultur ist. Die Losung der „national-kulturellen Autonomie“ täuscht die Arbeiter mit dem Trugbild der kulturellen Einheit der einzelnen Nationen, während in Wirklichkeit in jeder Nation gegenwärtig die gutsherrliche, bürgerliche oder kleinbürgerliche „Kultur“ überwiegt. Wir sind gegen die nationale Kultur als eine der Losungen des bürgerlichen Nationalismus. Wir sind für die internationale Kultur des konsequent demokratischen und sozialistischen Proletariats. Die Einheit der Arbeiter aller Nationalitäten bei vollständiger Gleichberechtigung der Nationalitäten und konsequentestem Demokratismus des Staates – das ist unsere Losung, wie es auch die Losung der gesamten internationalen revolutionären Sozialdemokratie ist. Diese wahrhaft proletarische Losung erzeugt kein verlogenes Trugbild und keine Illusion über die „nationale“ Einheit des Proletariats und der Bourgeoisie, während die Losung der „national-kulturellen Autonomie“ unvermeidlich ein solches Trugbild erzeugt und unter den Werktätigen eine solche Illusion weckt.“[16]

Die separatistischen Bestrebungen, die die MLKP heute voran bringt, sind der gleichen Natur wie die des „Bunds“ vor über hundert Jahren. Statt den kurdischen Teil des Volkes in der Türkei zum Kampf gegen den türkischen Staat für die demokratische Revolution zu mobilisieren, erklärt sie sich zur Partei des kurdischen Volkes und stellt sich damit auf den Standpunkt des kleinbürgerlichen Nationalismus.

Interessant wäre auch zu wissen, ob die Roten Brigaden jetzt das Vorbild für die Revolution in imperialistischen Ländern sein sollen oder ob sie einfach nur pro forma erwähnt werden, weil man sich später nicht vorhalten lassen will, man hätte diesen Aspekt „vergessen“?

Dann folgt ein Zitat, das verwirrend ist, weil es weiter oben im Text so wirkte, als hätten die Freunde die Langwierigkeit des Volkskrieges nicht begriffen:

„Die Rolle der Partisanen im 2. Weltkrieg und vor allem der Sieg der KP Chinas 1949 nach 25 Jahren Bürgerkrieg waren strategisch gesehen dagegen der Super-GAU. Hier war etwas Undenkbares geschehen, nämlich dass der Schwächere den vielfach überlegenen Gegner besiegt hatte. Das Gesetz der Zahl im Krieg, auf das sich die Imperialisten mit ihrer überlegenen Feuerkraft regulärer Armeen samt modernster Kriegstechnologie stützen, schien durch Maos Revolutionsstrategie des langandauernden Volkskriegs außer Kraft gesetzt zu sein.“

In diesem Verweis auf die Praxis der Internationalen Kommunistischen Bewegung scheint es so, als hätte der Kommunistische Aufbau ein gewisses Verständnis davon, dass das Volk den Feind aus der Unterlegenheit heraus in einem langwierigen Volkskrieg vernichtet. Wenn sie über die Praxis des Marxismus-Leninismus-Maoismus sprechen, dann gestehen sie zu, was sie an der Theorie nicht gelten lassen wollen.

Allerdings offenbart der Kommunistische Aufbau hier auch einen Mangel. Dass sie sich so beeindruckt zeigen von bürgerlichen Armeen und ihrem schicken technischen Schnickschnack und meinen, dass die Irrelevanz technischer Überlegenheit nur scheinbar widerlegt worden wäre, ist ihr mangelndes Vertrauen in die Massen, letztlich Militarismus. Nicht die Gewehre machen die Geschichte, sondern die Massen. Wenn wir die Massen erst mobilisiert haben, dann sind die Gewehre das geringste Problem.

Dann meint der Kommunistische Aufbau, eine neue Dialektik von Politik und Krieg entdeckt zu haben:

„Der „hybride Krieg“ ist ein totaler Krieg, bei dem der Unterschied zwischen Soldaten und Zivilisten verschwindet und alle Mittel und Ressourcen eingesetzt werden zur Erreichung der militärischen Ziele und der politischen Zwecke des Krieges. Das gilt im Kampf gegen die revolutionäre Seite ebenso wie in der innerimperialistischen Konkurrenz mit gegnerischen Staaten.“

Das ist so neu nicht. So schrieb Clausewitz in „Vom Kriege“ im Jahre 1832:

„Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.“

Der Dialektik von Politik und Krieg ist sich der Klassenfeind also seit gut 200 Jahren bewusst. Der „revolutionären Seite“ ist darüber hinaus noch mehr bewusst:

„Mit dem Satz „Der Krieg ist eine Fortsetzung der Politik“ wird gesagt, daß der Krieg Politik ist, daß der Krieg selbst eine Aktion von politischem Charakter darstellt; seit alters gab es nie einen Krieg, der nicht politischen Charakter getragen hätte . . . Doch der Krieg hat seine Besonderheiten, und das will sagen, daß er nicht mit der Politik schlechthin gleichgesetzt werden kann. „Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.“ Wenn sich die Politik bis zu einer bestimmten Stufe entwickelt hat, wo sie nicht mehr auf die alte Weise fortgeführt werden kann, dann bricht der Krieg aus, mit dessen Hilfe die der Politik im Wege liegenden Hindernisse hinweggefegt werden . . . Sobald die Hindernisse aus dem Weg geschafft sind und die Politik ihr Ziel erreicht hat, ging der Krieg zu Ende. Sind aber die Hindernisse nicht gänzlich beiseite geräumt, dann muß der Krieg fortgesetzt werden, bis das Ziel völlig erreicht ist . . . Man kann deshalb sagen: Die Politik ist Krieg ohne Blutvergießen, der Krieg ist Politik mit Blutvergießen.“[17]

 

Zu den Schlussfolgerungen

 

Im letzten Abschnitt des Textes wird der Kommunistische Aufbau noch einmal eine Stufe abstrakter, und zieht philosophische Schlüsse.

„Vor allem aber muss die Antwort lauten, dass es keine in Stein gemeißelte Antwort gibt. Die Zukunft ist offen. Die gesellschaftlichen Widersprüche treiben die Entwicklung immer wieder in neue Richtungen voran, die keiner geschichtlichen Analogie folgen und sich keinen starren Schemata aufeinander folgender Etappen unterwerfen.“

Wir wollen dieser geschichtsphilosophischen These entschieden widersprechen. Die Zukunft ist überhaupt nicht offen, sie ist notwendig. Oder wie Marx und Engels sagen:

„Sie [die Bourgeoisie] produziert vor allem ihren eigenen Totengräber. Ihr Untergang und der Sieg des Proletariats sind gleich unvermeidlich.“[18]

Genauso wie die Geschichte festgelegt ist, gibt es auch eine festgelegte „in Stein gemeißelte Antwort“ nämlich den Marxismus-Leninismus-Maoismus, dessen Prinzipien universelle Gültigkeit haben. Es ist offensichtlich unser Mangel, dass wir die Unvermeidlichkeit der Revolution im Kampf um die Durchsetzung des Maoismus als neue, dritte und höchste Stufe der Ideologie des internationalen Proletariats noch nicht ausreichend behandelt haben. Die universelle Gültigkeit der Prinzipien der Ideologie des Proletariats stellen die Freunde in den Absätzen danach noch schärfer in Frage:

„Wir können weder ‚Was tun?!‘ noch den ‚Kurzen Lehrgang der Geschichte der KPDSU (B)‘ noch das Lehrbuch der KI zum Aufstand noch die militärischen Schriften Maos oder die Erfahrungen einzelner Volkskriege als „Kochrezepte“ begreifen, die wir einfach nur auf heute anwenden müssten.

Was wir aus der Oktoberrevolution im Besonderen und dem Marxismus-Leninismus im Allgemeinen lernen müssen, ist die dem bürgerlichen Denken schwer zugängliche abstrakte Wahrheit zu begreifen, dass die Revolutionsstrategie ein einheitliches Gesamtkunstwerk darstellt. Wir dürfen die politische „Kunst, Macht zu schaffen“ nicht in einzelne Etappen und getrennte Bereiche zerlegen.

Wir haben hier einige Grundzüge der Revolutionsstrategie auf abstrakter, teils fast schon philosophische Ebene, erörtert. Die praktisch orientierten GenossInnen werden jetzt vielleicht fragen: Was bedeutet das konkret? Wie sieht unsere Strategie für die sozialistische Revolution in Deutschland aus? Die Antwort darauf werden wir in keinem Buch der Weltgeschichte finden. Bücher, die die praktischen Erfahrungen unserer VorgängerInnen theoretisch verallgemeinern, liefern uns nur das Handwerkszeug, die allgemeinen Grundsätze der Strategie.

Wie der Weg zum Ziel unter den heutigen Bedingungen aussieht, das müssen wir – so wie Lenin und die Bolschewiki es vormachten – in der Praxis selbst herausfinden. Orientierung dafür mag uns ein dialektischer Merksatz bieten, mit dem wir den Kreis schließen möchten: ‚Revolutionäre Politik heißt Krieg führen, immer und überall – auch wenn wir in unserem ganzen Leben keinen einzigen Schuss abfeuern!‘“

In Anbetracht der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution und ihres 100. Jahrestages halten wir es für geboten, an dieser Stelle folgenden „dialektischen Merksatz“ des großen Lenin aus dem Jahre 1905 zu zitieren:

„Die Wahrheit ist immer konkret.“[19]

Die abfällige Formulierung „Kochrezepte“ für die Grundsätze der Ideologie des Proletariats, die von den Titanen des Denkens und des Handelns – Marx, Lenin und der Vorsitzende Mao Tse-Tung – aus der Praxis der Arbeiterbewegung entwickelt wurde, ist eine bodenlose Frechheit, die eines Kommunisten unwürdig ist. Die Anwendung dieser Grundsätze auf die konkreten Bedingungen aus der Praxis ist genau das, was Kommunisten zu tun haben! Fraglich ist, was der Kommunistische Aufbau ansonsten zu tun gedenkt? Die Ideologie des Proletariats auf einen ästhetischen Genuss zu reduzieren, indem man sie Gesamtkunstwerk schimpft, dies als abstrakte Wahrheit zu adeln, während man von der konkreten Wahrheit, der Anwendung dieser Ideologie, nichts wissen will, setzt dem Ganzen die Krone auf. Immerhin fällt ihnen selbst auf, dass ihr ganzes Papier für „an der Praxis interessierte Genossen“ (uns sind keine Genossen bekannt, die nicht an der Praxis interessiert sind und wir hoffen und sind auf Basis unserer Erfahrungen auch davon überzeugt, dass sich das auch bei den Freunden vom Kommunistischen Aufbau nicht anders verhält) untauglich ist, da es bloße Negation ist. Wir wollen hinzufügen: Obendrein noch schlechte Negation. Damit berauben sie ihre Kritik ihres ganzen kritischen Gehalts. Denn eine Kritik, die nicht mehr auf die Praxis abzielt, keine Anleitung zum Handeln ist, ist bloße intellektuelle Spielerei. Der Bezug zur Praxis in den letzten zwei Absätzen wirkt daher auch eher alibihaft, und der Merksatz satirisch. Darüber hinaus, und das erkennen die Freunde auch an, gibt es keinen Weg an der Praxis vorbei. Aber wie Lenin sagte:

„Ohne revolutionäre Theorie kann es auch keine revolutionäre Bewegung geben. Dieser Gedanke kann nicht genügend betont werden in einer Zeit, in der die zur Mode gewordene Predigt des Opportunismus sich mit der Begeisterung für die engsten Formen der praktischen Tätigkeit paart. Für die russische Sozialdemokratie aber wird die Bedeutung der Theorie noch durch drei Umstände erhöht, die man oft vergißt, nämlich: Erstens dadurch, daß sich unsere Partei eben erst herausbildet, erst ihr eigenes Gesicht herausarbeitet und die Auseinandersetzung mit den anderen Richtungen des revolutionären Denkens, die die Bewegung vom richtigen Wege abzulenken drohen, noch lange nicht abgeschlossen hat. In Gegenteil, gerade die allerletzte Zeit war durch eine Belebung der nichtsozialdemokratischen revolutionären Richtungen gekennzeichnet (wie das Axelrod den „Ökonomisten“ seit langem prophezeit hatte). Unter solchen Umständen kann ein auf den ersten Blick „belangloser“ Fehler die traurigsten Folgen haben, und nur Kurzsichtige können die fraktionellen Streitigkeiten und das strenge Auseinanderhalten von Schattierungen für unzeitgemäß oder überflüssig halten. Von der Konsolidierung dieser oder jener „Schattierung“ kann die Zukunft der russischen Sozialdemokratie für viele, viele Jahre abhängen.“[20]

 

Teil 2: Über den revolutionären Krieg

 

„Die Gesetze des Krieges sind Probleme, die jeder, der einen Krieg leitet, studieren und lösen muß. Die Gesetze des revolutionären Krieges sind Probleme, die jeder, der einen revolutionären Krieg leitet, studieren und lösen muß. […] Wenn man, womit immer man sich beschäftigt, die näheren Umstände der betreffenden Sache, ihren Charakter, ihren Zusammenhang mit anderen Dingen nicht begriffen hat, dann kennt man, wie jedermann weiß, auch nicht die Gesetze dieser Sache, weiß nicht, wie an sie heranzugehen, kann sie nicht erfolgreich bewältigen.“[21]

Wir müssen also die allgemeinen Gesetze des Krieges und die spezifischen Gesetze des revolutionären Krieges studieren und wir müssen darüber hinaus die besonderen Eigenheiten des revolutionären Krieges in einem imperialistischen Land und noch genauer des revolutionären Krieges in der imperialistischen BRD studieren und alle daraus resultierenden Probleme lösen. Dabei verbietet es sich – entsprechend der Lehren über den Widerspruch – dogmatisch Kopien zu erstellen und zu versuchen schablonenhaft an die konkrete Realität unseres Landes heran zu gehen; so würden wir unweigerlich scheitern.

 

Die Notwendigkeit revolutionärer Gewalt

 

Wir sind Anhänger der Allmacht des revolutionären Krieges, wie alle Kommunisten seit Marx:

„Die Gewalt ist der Geburtshelfer jeder alten Gesellschaft, die mit einer neuen schwanger

geht.“[22]

Die Emanzipation des Proletariats wird auch einen besonderen militärischen Ausdruck haben, wird eine aparte, neue Kriegsmethode erzeugen. Cela est clair. <Das ist klar>[23]

Für uns gilt, was der große peruanische Kommunist José Carlos Mariátegui festgehalten hat:

„Wenn die Revolution Gewalt, Autorität und Disziplin verlangt, dann bin ich für Gewalt, Autorität und Disziplin. Ich akzeptiere sie mit all ihren Schrecken ohne feige Vorbehalte.“[24]

Zu den allgemeinen Gesetzen des Krieges möchten wir an dieser Stelle den Vorsitzenden Mao zitieren und setzen, zwecks Vermeidung von Wiederholungen, das weiter vorn ausgeführte Zitat aus „Über den langwierigen Krieg“ bezüglich der Relation zwischen Politik und Kritik als gelesen voraus:

Kriege, die es seit dem Entstehen des Privateigentums und der Klassen gibt, sind die höchste Kampfform, die bei der Lösung der Widersprüche zwischen einzelnen Klassen, Nationen, Staaten und politischen Gruppen angewendet wird, sobald diese Widersprüche eine bestimmte Entwicklungsstufe erreicht haben.“[25]

„In der Klassengesellschaft sind Revolutionen und revolutionäre Kriege unvermeidlich; es ist sonst unmöglich, in der Entwicklung der Gesellschaft einen Sprung zu vollziehen und die reaktionären herrschenden Klassen zu stürzen, damit das Volk die Macht ergreifen kann.“[26]

„Ein revolutionärer Krieg ist ein Gegengift, das nicht nur das Gift des Feindes vernichtet, sondern auch unseren eigenen Schmutz hinwegsäubert.“[27]

„Jeder Kommunist muß diese Wahrheit begreifen: „Die politische Macht kommt aus den

Gewehrläufen.““[28]

„Die zentrale Aufgabe und die höchste Form der Revolution ist die bewaffnete Machtergreifung, ist die Lösung des Problems durch den Krieg. Dieses revolutionäre Prinzip des Marxismus-Leninismus hat allgemeine Gültigkeit, es gilt überall …“[29]

Marx und Engels haben sehr deutlich die revolutionäre Gewalt als unbedingte Notwendigkeit für die soziale Revolution des Proletariats unterstrichen:

„Die arbeitenden Klassen müßten sich das Recht auf ihre Emanzipation auf dem Schlachtfeld erkämpfen.“[30]

 

Aus der Praxis lernen: Die Entwicklung der Militärtheorie

 

Marx und Engels haben sich darüber hinaus auch mit der Ausarbeitung des Militärtheorie des Proletariats beschäftigt. Sie haben sich auch mit ihrer Ausarbeitung beschäftigt. Sie haben den Prozess ihrer Zeit und seine Aufstände analysiert. Sie haben das beste Geschaffene ihrer Zeit angenommen und es weiterentwickelt. Es ist der Aufstand innerhalb der Städte und die Taktik ist richtigerweise der Barrikadenkampf. Es wird Straße für Straße gekämpft. Wie beispielsweise in der Pariser Commune 1871. So ist die Hauptform des bewaffneten Kampfes bei Marx und Engels der Barrikadenkampf. Aber die Entwicklung der Militärtheorie ist damit nicht abgeschlossen.

Engels, im Vorwort zu Marx‘ „Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850“, hielt in seinem letzten Lebensjahr 1895 selbst fest, dass die „alte Kampfweise“, die „Rebellion alten Stils“ hoffnungslos veraltet ist. Anstelle aber daraus die Konsequenz zu ziehen, den bewaffneten Kampf an sich für gescheitert zu erklären, geht es Engels darum, neue Methoden des Kampfes unter den sich geänderten Bedingungen zu finden:

„Die Geschichte hat aber auch uns unrecht gegeben, hat unsere damalige Ansicht als eine Illusion enthüllt. Sie ist noch weiter gegangen: Sie hat nicht nur unseren damaligen Irrtum zerstört, sie hat auch die Bedingungen total umgewälzt, unter denen das Proletariat zu kämpfen hat. Die Kampfweise von 1848 ist heute in jeder Beziehung veraltet, und das ist ein Punkt, der bei dieser Gelegenheit näher untersucht zu werden verdient.“[31]

„Heißt das, daß in Zukunft der Straßenkampf keine Rolle mehr spielen wird? Durchaus nicht. Es heißt nur, daß die Bedingungen seit 1848 weit ungünstiger für die Zivilkämpfer, weit günstiger für das Militär geworden sind. Ein künftiger Straßenkampf kann also nur siegen, wenn diese Ungunst der Lage durch andere Momente aufgewogen wird. Er wird daher seltener im Anfang einer großen Revolution vorkommen als im weiteren Verlauf einer solchen und wird mit größeren Kräften unternommen werden müssen. Diese aber werden dann wohl, wie in der ganzen großen französischen Revolution, am 4. September und 31. Oktober 1870 in Paris den offenen Angriff der passiven Barrikadentaktik vorziehen.“[32]

Im Gegensatz dazu versuchten die Revisionisten schon damals, jeder Anwendung und dafür notwendigen Weiterentwicklung der Militärtheorie einenRiegel vorzuschieben. Revisionisten wie Bernstein versuchten den bewaffneten Kampf durch parlamentarischen Kretinismus zu ersetzen und so wurde etwa der soeben zitierte Absatz wegen den „‘umsturzvorlagenfurchtsamlichen Bedenken‘ des Berliner Parteivorstandes“ (Engels) zunächst gestrichen. Lenin aber griff die Notwendigkeit der Entwicklung der Militärtheorie erneut auf und leistete hierzu zwei entscheidende Beiträge:

 

Erstens, die Kampfabteilungen:

„1. Selbständige militärische Aktionen. 2. Leitung der Menge. Die Abteilungen können beliebig stark sein, von zwei bis drei Mann an. Die Abteilungen müssen sich selbst bewaffnen, jeder womit er kann (Gewehr, Revolver, Bombe, Messer, Schlagring, Knüppel, mit Petroleum getränkte Lappen, um Feuer anzulegen, Stricke oder Strickleitern, Schaufeln für den Bau von Barrikaden, Sprengpatronen, Stacheldraht, Nägel (gegen Kavallerie) usw. usf.). Unter keinen Umständen darf man von anderer Seite, von oben oder von außen Hilfe erwarten, sondern muß alles selbst beschaffen. Die Abteilungen müssen möglichst aus Personen gebildet werden, die nahe beieinander wohnen oder häufig, regelmäßig, zu bestimmten Stunden zusammentreffen (am besten beides, denn das regelmäßige Zusammentreffen kann durch den Aufstand unterbrochen werden). Ihre Aufgabe ist, es so einzurichten, daß sie in den kritischsten Augenblicken, in den unvorhergesehensten Situationen zusammenkommen können. Jede Abteilung muß daher im voraus Mittel und „Wege festlegen, um ein gemeinsames Vorgehen zu sichern: Zeichen an den Fenstern usw., um einander leichter zu finden; verabredete Rufe oder Pfiffe, um den Genossen in der Menge zu erkennen; vereinbarte Zeichen für den Fall eines nächtlichen Zusammentreffens usw. usf. Jeder energische Mann kann mit zwei bis drei Genossen eine ganze Reihe solcher Regeln und Methoden ausarbeiten, die zusammengestellt, auswendig gelernt und praktisch geübt werden müssen. Man darf nicht vergessen, daß die Ereignisse mit 99 Prozent Wahrscheinlichkeit überraschend eintreten werden und daß es nötig sein wird, unter außerordentlich schwierigen Verhältnissen zusammenzukommen. Sogar unbewaffnete Abteilungen können eine sehr wichtige Rolle spielen, wenn sie 1. die Menge leiten; 2. bei günstiger Gelegenheit einen Polizisten oder einen zufällig von seinen Kameraden getrennten Kosaken überfallen (ein Fall in Moskau) usw. und entwaffnen; 3. Verhaftete oder Verwundete retten, wenn die Polizeikräfte schwach sind; 4. auf Hausdächer, in obere Stockwerke usw. steigen und die Truppen mit Steinen bewerfen, mit kochendem Wasser begießen usw. Eine organisierte, geschlossen und energisch vorgehende Abteilung ist eine ungeheure Kraft. Unter keinen Umständen darf die Bildung einer Abteilung unter dem Vorwand des Waffenmangels verweigert oder aufgeschoben werden. Die Abteilungen müssen die Funktionen möglichst im voraus verteilen und den Leiter, den Abteilungsführer, manchmal im voraus wählen. Es wäre natürlich unvernünftig, in eine Spielerei mit Rangbezeichnungen zu verfallen, man darf aber die kolossale Bedeutung einer einheitlichen Führung, eines raschen und entschlossenen Vorgehens nicht vergessen. Entschlossenheit und kühner Angriff sind drei Viertel des Erfolgs. Die Abteilungen müssen sich sofort nach ihrer Bildung, also schon jetzt, an eine vielseitige Arbeit machen, und zwar keineswegs nur theoretische, sondern unbedingt auch praktische. Zur theoretischen Arbeit rechnen wir das Studium der Kriegswissenschaften, die Beschäftigung mit militärischen Fragen, Referate über militärische Fragen, Aussprachen mit Militärs (mit Offizieren, Unteroffizieren usw. usf., nicht zuletzt auch mit ehemaligen Soldaten aus der Arbeiterschaft); die Lektüre, Besprechung und Verarbeitung illegaler Broschüren und Zeitungsartikel über den Straßenkampf usw. usf. Wir wiederholen, mit den praktischen Arbeiten muß sofort begonnen werden. Sie zerfallen in vorbereitende und in militärische Operationen. Zu den vorbereitenden gehört die Beschaffung jeder Art von Waffen und Munition, die Auswahl günstig gelegener Wohnungen für den Straßenkampf (die geeignet sind für den Kampf von oben, für die Lagerung von Bomben, Steinen usw. oder von Säuren zum Begießen der Polizisten usw. usf., sowie für das Stabsquartier, für den Nachrichtendienst, als Zufluchtsort für Verfolgte, Unterkünfte für Verwundete usw. usf.). Zu den vorbereitenden Arbeiten gehört ferner rechtzeitige Aufklärung und Erkundung: Beschaffung von Plänen der Gefängnisse, Polizeireviere, Ministerien usw., Auskundschaftung der Arbeitseinteilung in den staatlichen Institutionen,in den Banken usw., sowie ihrer Bewachung; Anknüpfung von Beziehungen, die nützlich sein können (mit Polizei-, Bank-, Gerichts-, Gefängnis-, Post- und Telegrafenbeamten usw.), Feststellung von Waffenlagern, von sämtlichen Waffenläden der Stadt usw. Es gibt hier massenhaft Arbeit, und zwar solche, bei der jeder größten Nutzen bringen kann, sogar der zum Straßenkampf völlig Untaugliche, sogar körperlich ganz schwächliche Menschen, Frauen, Jugendliche, Greise u.a. Man muß bestrebt sein, schon jetzt unbedingt und ausnahmslos alle in den Abteilungen zusammenzuschließen, die sich am Aufstand beteiligen wollen, denn es gibt keinen Menschen und kann keinen geben, der nicht den größten Nutzen brächte, wenn er arbeiten will, auch wenn er keine Waffe hat, auch wenn er persönlich zum Kampf untauglich ist. Sodann dürfen sich die Abteilungen der revolutionären Armee keinesfalls nur auf vorbereitende Arbeiten beschränken, sie müssen sobald wie möglich auch zu militärischen Aktionen übergehen, um: 1. ihre Kampfkraft zu üben; 2. die schwachen Stellen des Feindes zu erkunden; 3. dem Feind Teilniederlagen beizubringen; 4. Gefangene (Verhaftete) zu befreien; 5. Waffen zu erobern; 6. Geldmittel für den Aufstand zu gewinnen (Regierungsgelder zu konfiszieren) usw. usf. Die

Abteilungen können und müssen unverzüglich jede Gelegenheit zu lebendiger Arbeit ergreifen, sie dürfen das keineswegs bis zum allgemeinen Aufstand verschieben, denn steht man nicht schon vorher im Feuer, so erwirbt man die Tauglichkeit auch zum Aufstand nicht.“[33]

Zweitens, die proletarische Miliz:

„[…] eine Miliz, die erstens wirklich aus der gesamten Bevölkerung, aus allen erwachsenen Bürgern beiderlei Geschlechts besteht und die zweitens die Funktion einer Volksarmee mit polizeilichen Funktionen, mit den Funktionen des wichtigsten und hauptsächlichen Organs der staatlichen Ordnung und der staatlichen Verwaltung verbindet.“ und weiter „[…] ohne die Frauen zum öffentlichen Dienst, zur Miliz, zum politischen Leben heranzuziehen, ohne die Frauen aus ihrer abstumpfenden Haus- und Küchenatmosphäre herauszureißen, kann keine wirkliche Freiheit gewährleistet werden, kann nicht einmal die Demokratie, vom Sozialismus ganz zu schweigen, aufgebaut werden.“[34]

Innerhalb der Kommunistischen Internationale gelangte man über dies nicht hinaus, auch wenn es, insbesondere im Partisanenkampf während des Zweiten Weltkrieges, Ansätze dazu gab. Diese entwickelt sich mit der chinesischen Revolution unter der Führung des Vorsitzenden Mao. Allgemein lässt sich konstatieren, dass häufig eine rassistische, sozialchauvinistische, eine imperialistisch-chauvinistische Haltung gegenüber der chinesischen Revolution besteht, die besagt, dass es sich um einen simplen Bauernkrieg in China gehandelt habe, der – weit weg – nichts mit uns und unserer Realität zu tun habe.

Zur chinesischen Revolution: Der Kampf gegen die Kriegsherren (die Feudalherren) im Norden und für den Aufbau der nationalen Einheit dauerte drei Jahre, von 1924 bis 1927. Die KPCh versuchte dabei die Theorie des bewaffneten Aufstandes umzusetzen (Schanghai (3x) und Kanton(1x)). Alle vier Aufstandsversuche wurden niedergeschlagen. So erwies sich die Umsetzung der Theorie in der Praxis als unmöglich, obwohl es große proletarische Städte gab. Tschiang Kai-schek übernahm die Führung der Kuomintang und beendet das Bündnis mit der Sowjetunion und der KPCh. Er errichtete einen Faschismus unter seiner Führung und es wurden Massaker in den großen Städten durchgeführt. Mit der Herbsternte begann 1927 der Guerillakrieg in China. Das von der Partei vorgegebene Zentrum dafür waren die Städte. Vorsitzender Mao aber ging gemeinsam mit Minenarbeitern zu den Bauern aufs Land und erreichte dort eine Verbindung der Arbeiter- mit der Bauernbewegung. Der Vorsitzende Mao war zu dieser Zeit nicht der anerkannte Führer der KPCh, aber in diesen Gebieten war er die Führung. Die Entwicklung verlief folgendermaßen: Niederlagen in den Städten und Siege auf dem Land. Daraufhin beschloss das ZK aufs Land zu gehen. Tschiang Kai-schek wollte die dort entwickelten Stützpunkte zerschlagen. Dies sollte in Form von Einkreisungs- und Vernichtungsfeldzügen geschehen. Vier Feldzüge gegen die südlichen Stützpunktgebiete wurden zurück geschlagen. Es wurden von der Kommunistischen Internationale Ratgeber nach China geschickt. Die Arbeit der Ratgeber bedeutete wieder Stellungskrieg statt Bewegungskrieg und Unterschätzung des Guerillakrieges, diesmal in Anwendung auf die Stützpunktgebiete. Die KI war der Meinung, dass die KPCh nicht proletarisch genug sei. Daher wurden 28 chinesische Genossen in der Sowjetunion ausgebildet, die „28 Bolschewiki“. Sie übernahmen die Führung der KPCh und setzten das gelernte „systematisch“, d.h. als mechanische Kopie, um. Dann kam der fünfte Feldzug gegen die Stützpunktgebiete und dieser ist erfolgreich, weil die Entwicklungen durch den Vorsitzenden Mao nicht befolgt wurden. Das Resultat war, dass 100.000 Kommunisten, Kämpfer und Massen auf den langen Marsch nach Yenan mussten. Sie marschierten 12.000 km unter konstantem Kampf. Dazu kam die Desertierung von Tschang Kao Tscho, dieser nahm zunächst den Hauptteil der Armee mit sich.

Später überfiel das imperialistische Japan China. Sie besetzten Nordchina und installierten ein Marionettenregime. 1936 begann der allgemeine Krieg gegen China. Die KPCh schlug eine Einheitsfront vor und Tschiang Kai-schek wurde von seinen eigenen Generälen dazu gezwungen (er wurde gefangen genommen und mit dem Tode bedroht) zu unterschreiben. Die revolutionären Streitkräfte teilten sich in die 8. Route Armee als Hauptstreitmacht und die Neue 4. Armee – die Guerillaeinheiten – auf. Die KPCh führte auch einen Kampf gegen den systematischen Bruch der Einheitsfront. Nach dem Sieg über Japan entwickelte die KPCh 1945 den Vorschlag für eine national-demokratische Regierung und machte ein Friedensangebot an die Kuomintang. Tschiang, eine Marionette der USA und der Bürokratkapitalisten, lehnte dieses Angebot ab und der Bürgerkrieg begann. Das revolutionäre chinesische Volk errang 1949 den Sieg im Bürgerkrieg. Es folgt der Korea-Krieg, mit einer großen Anzahl Freiwilliger aus der VR China. So gelang es, dass die USA und ihre Handlanger zurückgedrängt werden konnten, obwohl diese B- und C-Waffen einsetzten. Des weiteren gab es 1962 einen Grenzkrieg mit Indien, der vom Nehru-Regime angezettelt wurde und Konflikte an der Grenze mit der inzwischen sozialimperialistischen Sowjetunion.

Es gab Kriegshandlungen in kleinen (z.B. in der Umgebung Changshas), mittleren und großen (z.B. in der Liaoshen-Kampagne), sowie Millionenstädten (z.B. in der Pingjin-Kampagne), Kämpfe im Dschungel, in den Bergen und in den Ebenen, Aufstände (z.B. in Nanchang), Guerillakrieg, Bewegungskrieg und Stellungskrieg (z.B. in der Huaihai-Kampagne), Krieg gegen Gegner, die moderne Massenvernichtungswaffen (B- und C-Waffen) einsetzten (z.B. in Korea), Krieg gegen die nationalen Reaktionäre (z.B. Kriegsherren und Kuomintang) und imperialistische Angriffe (z.B. USA und Japan) – kurz, fast alle erdenklichen Formen des modernen Krieges gehören zu den Erfahrungen der chinesischen Revolution. Es ist wichtig, diese groben allgemeinen Hintergründe zu kennen, um zu verstehen, warum es diese Entwicklung gab, mit welchen Voraussetzungen und auf welcher Basis.

„Der Volkskrieg ist die militärische Theorie des internationalen Proletariats. Darin sind zum

ersten Mal in systematischer und vollständiger Form die theoretische und praktische Erfahrung der Kämpfe, militärischen Aktionen und Kriege die das Proletariat geführt hat und die lange Erfahrung des bewaffneten Volkskampfes und vor allem der Bauernkriege in China zusammengefasst. Die Klasse erhält durch den Vorsitzenden Mao ihre militärische Theorie. Trotzdem gibt es viel Verwirrung und Unverständnis in dieser Sache. Das rührt daher, wie der Volkskrieg in China betrachtet wird. Im allgemeinen wird er herabsetzend und verächtlich als einfacher Partisanenkrieg gesehen. Das beweist bereits das mangelnde Verständnis dafür, dass der Partisanenkrieg durch den Vorsitzenden Mao einen strategischen Charakter erhält. Aber dazu wird die Entwicklung des Partisanenkrieges nicht verstanden, wie er von seiner wesentlichen Fluidität Mobilität entwickelt, Bewegungskrieg, Stellungskrieg, wie er große Pläne zur strategischen Offensive und zur Eroberung kleiner, mittlerer und großer Städte mit Millionen von Einwohnern entfaltet, indem er den Angriff von außen mit dem Aufstand von innen verbindet. So zeigen als Schlussfolge die vier Perioden der chinesischen Revolution und hauptsächlich von dem Agrarkrieg bis zum Volksbefreiungskrieg, unter Berücksichtigung des Widerstandskrieges gegen Japan dazwischen, die unterschiedlichen Facetten und Komplexitäten des mehr als zwanzig Jahre geführten revolutionären Krieges, inmitten einer riesigen Bevölkerung und einer immensen Mobilisierung und Teilnahme der Massen. In diesem Krieg gibt es Beispiele aller Art. Und was die Hauptsache ist: der Vorsitzende Mao hat auf hervorragende Weise seine Prinzipien, seine Gesetze, seine Strategie, Taktik, Normen usw. studiert, herausgearbeitet und meisterhaft dargelegt. In diesem sagenhaften Schmelztiegel und auf dem etablierten Marxismus-Leninismus entwickelte der Vorsitzende Mao also die militärische Theorie des Proletariats, den Volkskrieg. Wir müssen uns besonders vergegenwärtigen, dass der Vorsitzende Mao selbst später, in Kenntnis der Existenz von Atombomben, Raketen und in ihrem Besitz, den Volkskrieg aufrechterhielt und ihn entwickelte, um ihn unter den neuen Bedingungen, des Besitzes von Atomwaffen und des Krieges mit Mächten und Supermächten weiterzuführen. In Synthese: der Volkskrieg ist die Waffe des Proletariats und des Volkes, um sich auch Atomkriegen zu stellen.

Eine entscheidende Frage ist das Verständnis der Allgemeingültigkeit des Volkskrieges und seiner konsequenten Anwendung, Berücksichtigung der unterschiedlichen Typen der Revolution und die besonderen Bedingungen jeder Revolution. Es wird einem besseren Verständnis dieses Problems dienen, wenn folgendes berücksichtigt wird: nämlich, dass sich ein Aufstand wie der in Petrograd nicht wiederholt hat, den antifaschistische Widerstand und die europäischen Partisanenkämpfe im zweiten Weltkrieg, sowie die bewaffneten Kämpfe die jetzt in Europa geführt werden. Aber dabei muss schließlich und endlich auch gesehen werden, dass die Oktoberrevolution nicht nur ein Aufstand, sondern ein revolutionärer Krieg war, der mehrere Jahre andauerte. Daraus folgt, dass die Revolution in den imperialistischen Ländern nur als revolutionärer Krieg zu verstehen ist und das bedeutet heute einfach ein Volkskrieg.

Schließlich müssen wir Kommunisten und Revolutionäre, das Proletariat und das Volk, uns heute schmieden in: „Jawohl, wir sind Anhänger der Theorie von der Allmächtigkeit des revolutionären Krieges. Das ist nichts Schlechtes, das ist gut, das ist marxistisch.“ Das heißt, wir müssen Anhänger der Unbesiegbarkeit des Volkskrieges sein.“[35]

 

Zur Anwendung

 

Das müssen wir konkretisieren, d.h. Ansätze zu einer militärischen Linie entwickeln, was vor allem aber auch durch die rekonstituierte Kommunistische Partei in diesem Land vorangetriebenen werden muss. Die Militärlinie sind die Gesetze, die den Volkskrieg für die Eroberung und die Erhaltung der Macht bestimmen. Sie besteht aus drei Elementen:

  1. Der Volkskrieg, der in unserem spezifischen Fall kein einheitlicher Volkskrieg ist, weil die Neue Macht lediglich in den Städten aufgebaut werden wird, während es auf dem Land nur zu Operationspunkten kommt.
  2. Der Aufbau der revolutionären, bewaffneten Kräfte, die in unserem spezifischen Fall eine Rote Guerillaarmee sind, die als Besonderheit die Inkorporation der Milizen hat, um zum Meer bewaffneter Massen fortzuschreiten.
  3. Die Strategie und Taktik, die sich in Einkreisungs- undVernichtungsfeldzügen des Feindes und unseren Gegenoperationen von Einkreisung und Vernichtung äußern, die mit der Anwendung politischer und militärischer Pläne spezifiziert werden müssen. Diese haben politische Strategie und militärische Strategie, sie konkretisieren sich in Feldzügen mit spezifischen Inhalten.

Dazu kommt, dass der Volkskrieg universell ist. Was aber heißt das? Nun, zunächst einmal muss definiert sein, was das universelle am Volkskrieg ist. Was ist sein Kern, seine Essenz? Bezüglich der grundlegenden theoretischen Aspekte, die ihn ausmachen, hat die Kommunistiche Partei Perus vier herausgearbeitet:

„1) die Ideologie des Proletariats, den Marxismus-Leninismus-Maoismus, welcher spezifiziert werden muss in einem leitenden Gedanken. Deshalb stützen wir uns auf den Marxismus- Leninismus-Maoismus, Gonzalodenken, hauptsächlich auf das Letztere;

2) die Notwendigkeit der KommunistischenPartei Perus, die den Volkskrieg führt;

3) den Volkskrieg, der als Bauernkrieg spezifiziert ist, der dem Weg folgt die Städte vom Land einzukreisen;

4) Stützpunktgebiete oder Neue Macht, der Aufbau der Stützpunktgebiete ist die Essenz des Weges der Einkreisung der Städte vom Land.“[36]

Wir schließen uns diesen vier Punkten vollständig an. Übertragen auf die Realität in der Bundesrepublik heißt dies für uns:

  1. Den Maoismus anwenden! Die Notwendigkeiteiner kreativen Anwendung des Marxismus-Leninismus-Maoismus, hauptsächlich Maoismus, (heute mit den Beiträgen des Vorsitzenden Gonzalo, d.h. Gonzalodenken) auf die konkreten Bedingungen, spezifische Ideen für ein spezifisches Land entwickelnd.
  2. Die Führung der Kommunistischen Partei, einer militarisierten Kommunistischen Partei.
  3. Der Volkskrieg ist ein Krieg der Massen.
  4. Errichtung der Neuen Macht. Der Hauptaspekt des revolutionären Krieges. Wir müssen den Feind zerstören, um das Neue zu schaffen, nicht weil wir Nihilisten sind. Lösungen für die Probleme generieren, die Realität verändern.

 

Die Frage der Ideologie steht an erster Stelle, weil nur durch die konsequente Anwendung der Ideologie unserer Klasse, das heißt heute Maoismus, der Weg bis zum Sieg der proletarischen Revolution gesichert ist. Das wichtige dabei ist die Anwendung auf die bestehenden Verhältnisse des jeweiligen Landes, das heißt für uns die Verhältnisse in Deutschland. Nur um ein Beispiel zu nennen (das offensichtlich sein sollte), während für die Parteien in den unterdrückten Nationen die demokratische Revolution auf der Tagesordnung steht, ist es für uns in einem imperialistischen Land die sozialistische Revolution. Das bedeutet aber nicht, dass es eine Ideologie für die unterdrückten Nationen gibt und eine für die imperialistischen. Das Proletariat ist weltweit eine Klasse und hat darum nur eine Ideologie. Die Frage, welcher Typ der Revolution für ein entsprechendes Land ansteht, ist darum eine Frage der Anwendung des Marxismus-Leninismus-Maoismus. Die Bedeutung der Ideologie besteht auch darin, dass selbst wenn die Reaktion die Führung physisch eliminieren kann, dann durch die Anwendung des Marxismus-Leninismus-Maoismus eine neue Führung entstehen kann, somit ist die stetige Generierung von Führung eines der wichtigsten Probleme der Kommunisten, besonders in den imperialistischen Ländern, wo wir aufgrund der Arbeit in den Städten räumlich immer sehr nah bei der Reaktion sind.

Der Vorsitzende Mao hat uns gelehrt, dass es auf der Welt nur ein grundlegendes Gesetz gibt, das Gesetz des Widerspruchs. Natürlich gibt es viele andere Gesetze, aber das eine ist das grundlegende. Der Vorsitzende Gonzalo hat diese Lehre aufgenommen und aufgezeigt, dass es bei der Analyse von Widersprüchen immer eine hauptsächliche Seite gibt, eine Seite überwiegt immer. Und da sich Wahrheit immer zu höheren Stufen entwickelt sprechen wir heute von Marxismus-Leninismus-Maoismus, hauptsächlich Maoismus. Denn mit der Entwicklung auf eine höhere Stufe, also heute Maoismus, macht die Ideologie einen Sprung zu einer höheren Wahrheit. Darum gibt es auch Widersprüche zu den niedrigeren Stufen der Wahrheit, heißt das Hauptsächliche in diesem Widerspruch heute ist, auch wenn der Marxismus immer ein geschlossenes System ist, der Maoismus. Engels hat zum Beispiel zum Ausdruck gebracht, die Legalisierung und Teilhabe der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands am Wahlzirkus würde die „Ordnungsparteien“ zu Grunde gehen lassen, während „wir bei dieser Gesetzlichkeit pralle Muskeln und rote Backen bekommen [37].

Lenin hat das dieses Verständnis auf eine höhere Ebene gebracht. Sollten wir dann sagen, dass beide Aussagen gleich wahr sind? Nein. Lenin hat eine höhere Stufe der Wahrheit erreicht. Und genau so hat der Vorsitzende Mao gegenüber Lenin Probleme gelöst, wie z.B. die Frage der Einheitsfront, und mit diesen Entwicklungen eine höhere Wahrheit erreicht. Darum ist der Maoismus heute der hauptsächliche Aspekt. Sonst würden wir in eine Situation kommen, in der Marx gegen Lenin und Lenin gegen Mao gestellt würde. Statt die Entwicklung des Marxismus zu sehen, würden wir ihn gegen sich selbst richten. Weil die Ideologie des Proletariats stets von den besten Kindern ihrer Klasse angewandt wird, wird sie stetig um neue Erfahrungen bereichert. Jede Lösung neuer Probleme der Proletarischen Weltrevolution bedeutet einen Beitrag zum Marxismus. Die Titanen des Denken und Handelns haben uns den Marxismus-Leninismus-Maoismus gegeben, der allmächtig ist, weil er unserem Kriterium von Wahrheit entspricht: Er bewahrheitet sich jeden Tag aufs neue in der Praxis von Millionen von Menschen. Und nur auf der Basis der Praxis können wir auch theoretisch voranschreiten. Folglich ist klar, dass sich durch die Anwendung unserer Ideologie auf den Klassenkampf, d.h. durch die Praxis in diesem Land, ein leitender Gedanke, der die Gesetze des Klassenkampfes des Landes systematisiert, entwickelt. In der Geschichte können wir sehen, dass selbst wenn die Kommunisten ein Programm und eine allgemeine Politische Linie und hervorragende Bedingungen für die Entwicklung der Revolution hatten, sie daran scheiterten ihrer Verantwortung vor dem Proletariat und den Völkern der Welt gerecht zu werden, weil sie die spezifischen Probleme der Revolution im jeweiligen Land, über die allgemeinen Formen hinausgehend, nicht lösten. Wir haben ein sehr bezeichnendes Beispiel in Deutschland, wo die damalige Führung der zweitgrößten Kommunistischen Partei der Welt mit eigenem klandestinen und hoch entwickelten Militärapparat nicht über die allgemeinen Richtlinien der Kommunistischen Internationale hinaus ging und den Marxismus nicht kreativ anwandte um neue Probleme zu lösen. So scheiterte sie daran den revolutionären bewaffneten Kampf einzuleiten und aufrechtzuerhalten.

 

Die Frage der Partei ist die Frage der Organisation unserer Klasse. Sie vereint die besten Kinder unserer Klasse. Und wie bereits gesagt: Die Partei muss immer die Gewehre führen, niemals umkehrt, sonst gerät die Revolution auf Abwege. Wenn von der militarisierten Partei die Rede ist, bedeutet das dann, dass jeder Kommunist ein Rambo sein muss? Nein. Aber jedes Mitglied der Kommunistischen Partei muss Kombattant sein und in der Lage, in Praxis und Theorie den revolutionären Krieg führen zu können. Denn die Militarisierung der Partei beschreibt die Summe aller Justierungen und Anpassungen die gemacht werden müssen, um in der Lage zu sein den Volkskrieg unter allen Bedingungen zu führen. Es ist die Militarisierung der Partei, die es den Genossen in Peru überhaupt ermöglicht hat, den Volkskrieg einzuleiten und zu entwickeln.

„Der konzentrische Aufbau der drei Instrumente ist die organisatorische Erfüllung der Militarisierung der Partei und in Synthese ist es zusammengefasst in dem was der Vorsitzende Gonzalo lehrt: „Die Partei ist die Achse von allem, sie führt die drei Instrumente allumfassend, ihren eigenen Aufbau, führt absolut die Armee und den neuen Staat als eine gemeinsame Diktatur, auf die Diktatur des Proletariats zielend.“[38]

 

Zur Frage des Volkskrieges als ein Krieg der Massen

 

Zur Frage des Volkskrieges als ein Krieg der Massen. Der Volkskrieg ist die Konkretisierung der revolutionären Gewalt als universelles Gesetz. Die Frage, die sich stellt, ist die nach der Anwendung. Der Volkskrieg kann keine mechanische Kopie aus anderen Ländern sein. Auch wenn unterschiedliche Revisionisten es gerne versuchen so darzustellen, als sei der Volkskrieg ein Bauernkrieg oder ein Krieg „zur Einkreisung der Städte vom Land“ (was letztendlich den gleichen Versuch der Verfälschung darstellt, nur in anderen Worten) sind dies nicht die essentiellen Aspekte des Volkskriegs. Der Volkskrieg ist ein Krieg der Massen und Massen gibt es auch in den imperialistischen Ländern. In den unterdrückten Nationen sind hauptsächlich arme Bauern, unter Führung des Proletariats, die Hauptkraft der Revolution. In unserer Situation in Deutschland ist dies das Proletariat und besonders dessen tiefste und breiteste Massen, auf die wir uns stützen müssen, als Hauptkraft der Revolution. Die Frage hier ist nicht die nach der Einkreisung der Städte vom Land, sondern der Arbeit in den Städten, wobei der Unterschied zwischen großen, mittleren und kleinen Städten beachtet werden muss. Die Revisionisten versuchen, also den Volkskrieg als etwas zu verklären was er nicht ist, um ihn dann als unmöglich für Deutschland zu erklären. Doch unsere Frage ist nicht die einer „dialektischen Weiterentwicklung“, sondern einer dialektischen Anwendung der Prinzipien zur Führung des Volkskrieges, eine Anwendung entsprechend der Bedingungen des Landes, in dem wir unsere Arbeit entfalten. Das Hauptsächliche im Volkskrieg ist der Mensch, gibt es Genossen die mit dem Marxismus-Leninismus-Maoismus, hauptsächlich Maoismus bewaffnet sind, dann lässt sich das Problem der Waffen ganz einfach lösen.[39] „Die Massen machen die Geschichte“ ist kein leeres Mantra, im revolutionären Krieg wird es sehr deutliche Realität. Die Frage, ob der revolutionäre Krieg in den imperialistischen Ländern bestehen kann oder nicht, ist eine Frage der Politisierung, Mobilisierung, Organisierung und Bewaffnung der Massen. Nur mit der Unterstützung der Massen wird die Armee, geführt von der Partei, in der Lage sein, den revolutionären Krieg zu führen und durchzuhalten. Dass es möglich ist, revolutionären Krieg in den imperialistischen Ländern und städtischen Gebieten zu führen, dass es möglich ist, bewaffnete Aktionen über einen längeren Zeitraum in Großstädten durchzuführen, dafür gibt es genug Beweise und Erfahrungen des internationalen Proletariats und der Völker der Welt.

Alle bewaffneten Befreiungskämpfe in den imperialistischen Ländern, ob im spanischen Staat, in Irland, durch die Partisanen im Zweiten Weltkrieg, haben gezeigt, dass sie dort und dann bestehen können, wenn sie die Unterstützung der Massen genießen.[40] Es zeigte sich zum Beispiel, dass die IRA in der Lage war einen bewaffneten Kampf über 30 Jahre lang zu führen ohne militärisch besiegt zu werden. In einem Land kleiner als ein deutscher Bundesstaat und einer Bevölkerung von unter zwei Millionen, gegen eine der stärksten imperialistischen Armeen der Welt, weil sie die Unterstützung der Massen hatten und eigene Machtstrukturen aufgebaut haben. Auch in Frankreich war es im Widerstand gegen die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg möglich mitten in Paris bewaffnete Aktionen durchzuführen:

„Am 23. August 1941 tötete der der legendäre französische Patriot Pierre Georges [der Mann war Kommunist] der unter dem Namen Oberst Fabien bekannt wurde, mitten in Paris, auf der U-Bahn- Station Barbes, einen Nazioffizier. 21 offiziell registrierte Aktionen wurden im Juli gegen die Eisenbahnlinien durchgeführt. Von Juni bis Dezember 1941 konnten die FTPF 107 Sabotageakte, 41 Sprengstoffanschläge und 8 Zugentgleisungen auf ihr Erfolgskonto buchen. In einem faschistischen Bericht werden allein für Dezember 221 ‚Attentate‘ im Pariser Gebiet angeführt.“ Und weiter: „Selbst in Paris kämpften Partisanen so daß sich die deutschen Soldaten in den Pariser Außenbezirken nachts kaum mehr auf die Straßen trauten.“[41]

Bei den Aufständen in den französischen Vororten 2005 wurden Polizisten in Hinterhalte gelockt, heftig mit Steinen beworfen und teilweise sogar mit Schrotflinten beschossen.

 

Das ist Frankreich im Oktober 2016: „An einer Straßenkreuzung nahe der berüchtigten Vorstadt La Grande Borne im Süden von Paris waren am Wochenende zwei Polizeifahrzeuge in einen Hinterhalt gelockt worden. Die Straßenkreuzung ist als Umschlagsplatz für Rauschgift- und Waffengeschäfte bekannt und wird von Videokameras überwacht. Kriminelle haben wiederholt versucht, die Videokameras zu beschädigen. Um dies zu verhindern, werden regelmäßig Polizeistreifen an die Kreuzung beordert. Die Patrouille wurde auf diese Weise am Samstagabend zur Zielscheibe von Kriminellen. Die Täter warfen Brandsätze in die Polizeiautos und hinderten die Insassen – jeweils zwei Beamte – zunächst am Aussteigen aus ihren brennenden Fahrzeugen. Die vier Polizisten, darunter zwei Frauen, erlitten schwere Brandverletzungen. Ein Beamter schwebt noch immer in Lebensgefahr. ‚Sie wollten uns töten‘, sagte einer der leichter verletzten Polizisten am Dienstag im Radiosender RTL. Er schilderte, wie die Angreifer ‚in wenigen Sekunden‘ die Autos umstellt hatten, die Scheiben zertrümmerten und Molotowcocktails ins Innere warfen. ‚Mein Kollege aus dem Wagen hinter mir stand in Flammen. Ich habe mich auf ihn gestürzt und ihm das Hemd vom Leib gerissen‘, berichtete der Polizist. Er hätte nie gedacht, dass es eines Tages so weit kommen könnte.“[42]

Das Beispiel Belgiens, dessen sich auch der Vorsitzende Mao bedient, haben wir bereits weiter oben angesprochen. Wir wollen hier darstellen, welche konkreten Erfahrungen es in Belgien, dessen reguläre Truppen von der faschistischen Wehrmacht, ebenso wie in den Niederlanden, einfach überrannt wurden, gab:

„In Belgien war auf Initiative der Kommunistischen Partei bereits Ende 1940 die belgische Partisanenarmee gebildet worden. Belgien widerlegt die von vielen bürgerlichen Autoren über die Partisanenbewegung vertretenen Meinungen, daß die Ursachen für die Entwicklung des Partisanenkrieges hauptsächlich in geographischen Bedingungen und in rassischen und nationalen Eigenarten zu suchen seien. Die geographischen Bedingungen waren in Belgien sicherlich bedeutend ungünstiger als beispielsweise in Jugoslawien oder Albanien. Das Land ist zumeist flach und wenig bewaldet. Es gibt kein ausgeprägtes Hochgebirge. Die Bevölkerungsdichte ist groß, so daß man annehmen könnte, die Bildung von Partisanenabteilungen und -gruppen wäre unmöglich. Die belgische Widerstandsbewegung hat jedoch sehr wohl bewiesen, daß sie auch unter so ungünstigen Umständen in der Lage war, eine starke Partisanenbewegung zu entwickeln. Den Verhältnissen entsprechend, wurde für die Organisation der belgischen Partisanenarmee ein illegales System geschaffen, das sich wie folgt aufbaute: Dreiergruppen, die Zusammenfassung mehrerer Dreiergruppen zu Kompanien, dreier Kompanien zu Bataillonen und der Bataillone zu Partisanenkorps, an deren Spitze ein Kommandeur mit seinem Stab stand. Außerdem gab es noch Mobilgruppen, die mit Kraftwagen so beweglich wie möglich gehalten wurden. Mit einer so aufgebauten Organisation des Partisanenkampfes war es möglich, eine Untergrundarmee zu schaffen. Die Partisanen blieben, wenn sie nicht illegal lebten, gewöhnlich an ihrem Wohnort. Das gesamte Land war in 5 Sektoren eingeteilt, in denen 16 Partisanenkorps operierten.“[43]

 

„Sie [der belgische Widerstand] brachten Züge zum Entgleisen, führten Zugzusammenstöße herbei, unterbrachen die Gleisanlagen, störten die Produktion kriegswichtiger Betriebe, überfielen Okkupanten und ihre belgischen Vasallen, sprengten Brücken und Schleusen, zerstörten Telefon- und Telegrafenkabel. Im Jahre 1941/1942 führten die belgischen Partisanen 1757 Aktionen durch, darunter 246 Sprengungen und Zugentgleisungen. Allein in der Wintermonaten 1941 wurden 125 Züge zum Entgleisen gebracht.“[44]

„Bei den Endkämpfen um die Befreiung Belgiens besetzten die Partisanen einige Gebiete noch vor dem Eintreffen der alliierten Truppen und nahmen Tausende von Okkupanten gefangen. Vom 3. bis 12. September 1944 nahm die belgische Partisanenarmee allein im Gebiet der Borinage 23 000 Soldaten und Offiziere der Naziwehrmacht gefangen,erbeutete 6 Geschütze, mehr als 100 Kraftwagen, Hunderte von Schützenwaffen und verlor dabei selbst nur 85 Kämpfer.“[45]

In den Jahren 1943 bis 1945 entwickelten bewaffnete Einheiten der Kommunistischen Partei enorme Schlagkraft gegen die faschistischen Kräfte. Auf dem Land kämpfte die Garibaldi-Brigade, in der Stadt die GAP[46] – beide unter direkter Führung der Kommunistischen Partei. Letzterer kamen dabei nicht nur logistische Unterstützungsaufgabe wie Meldetätigkeiten u.dgl.m. zu, um dem Partisanenkampf auf dem Land zu unterstützen. In Rom, Florenz, Bologna, Genua, Turin und Mailand gab es jeweils eigene Sektionen der GAP mit mehreren Zellen, die dem faschistischen Regime enormen Schaden zufügten, durch Hinterhalte auf Truppen, Sprengung von Bahnschienen und Militärinstallationen, Bestrafungsaktionen von Folterern und Offizieren und Aktionen des Proletariats, wie etwa Streiks, militärisch unterstützt. Die GAP, deren Mitglieder fast ausschließlich Mitglieder der Kommunistischen Partei waren, wurde später durch die SAP[47] komplementiert, deren Aufgabe breitere Unterstützungstätigkeiten für die GAP bis hin zur direkten Teilnahme an bewaffneten Aktionen bestand und eine größere Inkorporation des Massen in den bewaffneten Kampf in den Städten erlaubte.

„In der Provinz Cuneo und im Lanzotal, wo der Partisanenkampf eine besondere Intensität angenommen hat, leisteten Partisanenformationen und die Abteilungen der Garibaldi-Brigade „Cuneo“ ihren vollen Beitrag zur Unterstützung sowohl der Streikenden der Stadt und Provinz Turin als auch in den von ihnen direkt kontrollierten Gebieten. Alle Züge, die aus den Alpentälern nach Turin fuhren, wurden angehalten, besonders in der Umgebung von Pinerolo. Die Züge, die mit evakuierten Arbeitern besetzt waren, wurden an der Weiterfahrt gehindert. Auf den Stationen improvisierten die Militärkommandeure der Partisanen Versammlungen und entfachten eine große Anteilnahme für den Streik. Man verhaftete „republikanische“ Milizangehörige, die als Geiseln festgehalten wurden.

Im Lanzotal hielten Partisanengruppen die Züge an, kontrollierten die Reisenden, verteilten und verklebten Flugblätter, während die Funktionäre der Formationen mit der Bevölkerung über die Ziele des Streiks sprachen und Zustimmung und Begeisterung erweckten.“[48]

„Um die Straßenbahner zu unterstützen, griffen die Garibaldi-Kämpfer mit Sabotageaktionen ein und sprengten die Weichen der wichtigsten Depots (Leonvacallo, Vittoria usw.).“[49]

„Die Partisanen benutzten den Sonntag, an dem die Werke geschlossen sind, um die Straßenbahnlinien erneut zu unterbrechen. Tatsächlich können nur einige Linien befahren werden, während die Direktion fieberhaft um die Reparatur der Schäden bemüht ist. Es erfolgen Sabotageversuche auf den Überlandlinien; eine Gruppe Jugendlicher geht daran, die elektrischen Straßenbahnleitungen zu zerschneiden, während eine kleine Gruppe von den Faschisten bei der Entfernung eines Gleises überrascht wird. Am Sonnabend und Sonntagabend greifen Partisanen „republikanische“ Milizpatrouillen an; es gibt Tote und Verwundete, worüber die Presse strengstes Stillschweigen bewahrt.“[50]

 

„Die Bergleute von Pieve und die Zementfabrik treten in den Streik. Die Partisanen legten die Seilschwebebahn still, um die Rohstoffzuführung aus den Bergen für die Zementfabrik zu verhindern.“[51]

„Wir haben über die Aktionen der GAP in Norditalien berichtet. In allen anderen Regionen waren diese Aktionen intensiv und wirksam. Haupt- und Nebenlinien der Eisenbahnen wurden in Venetien, in der Emilia und in Toskana unterbrochen. In Patro wurde ein mit Sprengstoff beladener Zug in die Luft gejagt. Drei Masten der elektrischen Hochspannungsleitung in den Provinzen Vicenza und Verona sowie zahlreiche elektrische Leitungen in Belluno und in der Provinz erlitten das gleiche Schicksal. Das deutsche Kommando setzte für Denunzianten der Partisanen eine Summe von 100.000 Lire aus.“[52]

Diese Form der Auseinandersetzung, der bewaffnete Streik, d.h. Streik plus die anderen Aktionsformen der Guerilla, sind ein wichtiger Aspekt der Arbeit im Volkskrieg, der auch den Volkskriegen in Indien und Peru entwickelt wird.

Es wurden aber in den Städten auch unabhängig von Massenprotesten bewaffnete Aktionen durchgeführt, die unter anderem auch auf die Vernichtung der lebendigen Kräfte der deutschen und italienischen Faschisten zielten.

„Der Schlag der Gruppen der Patriotischen Aktion erfolgte nicht weniger prompt. Eine deutsche Artillerieabteilung wurde im Zentrum der Stadt selbst (in der Straße des 20. September) angegriffen, und zwei berittene Offiziere wurden durch Bomben getötet; vor dem Hafen wurden die deutschen Patrouillen angegriffen, die Tote und Verwundete hatten. Zwei Schwarzhemden wurden in Sestri gerichtet, und als Vergeltung für die Tötung eines Arbeiters wurde eine Bombe in die Kaserne der Stadtmiliz geworfen.

Aber nicht nur das Eingreifen der Gruppen der Patriotischen Aktion verlieh dem Kampf offensiven Charakter. In den Proletariervierteln griffen Arbeitertrupps ein, die in einigen Fällen Gruppen von unorganisierten Arbeitern zur offensiven Aktion mitrissen. An mehreren Stellen wurden die Straßenbahnanlagen beschädigt, verschiedene Straßenbahnwagen wurden durch Bombenwürfe beschädigt, andere zum Halten gezwungen und unbrauchbar gemacht; in zwei Fällen handelte es ich um Wagen, die von Polizeibeamten bewacht waren. Die Arbeitertrupps entwaffneten die Polizisten und sperrten sie in den Hausfluren ein.“[53]

„Am Abend des 23. Dezember veranstalteten die Faschisten mit den Deutschen ein Bankett: sie hatten ihr Brot. Aber sie bekamen auch Blei: eine Bombe beendete das Bankett mit 7 Toten und 15 Verwundeten.“[54]

„Gleichzeitig organisierte die Partei in den verschiedenen Städten Italiens die Gruppen der patriotischen Aktion, die Sturmsoldaten des nationalen Befreiungskrieges. Diese Gruppen, die sich aus den besten Genossen und Sympathisierenden, aus den Kühnsten, aus den Ergebensten, aus denjenigen zusammensetzten, die bereit waren, alles für die Zukunft des Vaterlandes zu geben, begannen sofort mit der Jagd auf die Deutschen und die faschistischen Verräter. Bereits am 26. September des vergangenen Jahres wurde auf der Strecke Florenz-Bologna ein deutscher Militärzug zum Entgleisen gebracht, am 27. steckten die GAP von Arezzo einen mit Benzin beladenen Zug in Brand, am 29. sprengten sie in Mailand eine Flakbatterie und ein Munitionsdepot der Deutschen in die Luft, dann wurden am 15. Oktober deutsche Soldaten auf den Straßen Livornos angegriffen, am 20. Oktober wurde eine faschistische Kaserne in Sampierdarena angegriffen, und so folgte während des ganzen laufenden Jahres ein Schlag auf den anderen. In Mailand, Turin, Genua, Bologna, Florenz, Padua und Triest wurden deutsche Kommandos am Tage angegriffen, Polizeipräsidenten erschossen, deutsche Offiziere liquidiert, Verräter gerichtet und Genossen, wie unser teurer Giovanni Roveda, aus den Kerkern befreit.“[55]

Doch die Kommunistische Partei Italiens schlug nicht nur immer wieder die Faschisten nieder, sondern versuchte auch – selbst wenn sie es nicht explizit so nannte – dort wo die Faschisten geschlagen wurden eigene Macht aufzubauen. Macht auf Basis von Strukturen, die keine prinzipienlosen Bündnisse verschiedener Parteien sind, sondern auf den breitesten Massen basieren und unter Führung der Kommunistischen Partei stehen.

 

„Diese Organe sind die Nationalen Befreiungskomitees, Bauernkomitees, Dorfkomitees, Partisanen- und patriotische Formationen usw. Wir haben gezeigt, daß diese Organe die Nationalen Befreiungskomitees sind, aber zweifellos nicht die gegenwärtig bestehenden, die in den meisten Fällen bloße Komitees der Parteikoalition sind, sondern Massenkomitees, die die Massen direkt in den Betrieben, in den Bezirken, in den Dörfern und in den Städten organisieren, ihre Bestrebungen und ihren Willen direkt und unmittelbar zum Ausdruck bringen und deshalb nicht Instrumente einer Regierung sind, die ihren willen von oben durchsetzt, sondern Organe der Regierung des Volkes, die Organisation der breitesten und direkte Demokratie. In diesen Nationalen Befreiungskomitees werden die verschiedenen Parteien und die verschiedenen Antifaschistischen Strömungen zusammen mit den parteilosen Massen vertreten sein und in dem gleichen Geist der Einheit und des Kampfes handeln, in dem sie bereits jetzt handeln.“[56]

„Während dieser ganzen Aktion wird der Kampf von den Kampfkomitees, dem Gewerkschaftskomitee und der kommunistischen Bezirksleitung überwacht, organisiert und geleitet. […] Die Erfahrungen der Streikwoche haben gezeigt, daß die Massen wollen und zu kämpfen verstehen und das sie im Bewußtsein ihrer Kraft erneut bereit sind, in den Kampf zu gehen, sobald das Gewerkschaftskomitee, die Kommunistische Partei und das Befreiungskomitee es beschließen werden“[57]

Aber nicht nur in Norditalien wurde der bewaffnete Kampf in den Städten geführt, auch in Rom wurden durch die bewaffneten Formationen der Kommunistischen Partei bewaffnete Aktionen entfaltet.[58]

Auf diese Erfahrungen konnten in der jüngeren Geschichte Italiens auch die Roten Brigaden zurück greifen. Die Erfahrungen der Roten Brigaden sind reich an Lehren, die wir zu studieren und uns anzueignen haben. Eine Sache, die wir in Zukunft weiter entwickeln müssen. Es umfasst Kämpfe wie zum Beispiel in Mailand in den frühen 1980er Jahren. Im Alfa Romeo Werk war neben anderen auch eine Abteilung der Roten Brigaden („Kolonne Walter Alasia“) aktiv. Diese konnte sich innerhalb des Betriebs relativ frei bewegen und genoss offenbar die Unterstützung vieler Arbeiter, so überstand die Organisation auch die große Repressionswelle 1979/80. Die Struktur setzte sich zu 80% aus jungen Fabrikarbeitern zusammen und lebte mehrheitlich legal. Im März 1981 beginnt ein Arbeitskampf in den die Brigate Rosse (kurz BR) eingreifen:

„Im Juni 1981 entführten die BR den Generaldirektor für Arbeitsorganisation des Konzerns, Sandrucci. Gleichzeitig halten die BR drei andere Geiseln. … Es handelt sich um einen oberen Kader des Petrochemiewerks von Proto Marghera, um einen wichtigen Mann der DC [Christdemokratische Partei; Anmerkung der Autoren] in Neapel und um den Bruder des Verräters Peci.“[59]

Zu den Ergebnissen dieser Aktion: „Sehr verbreitet war aber auch die Ansicht, daß sich die Kolonne Walter Alasia mit dieser Aktion als Gegenkraft zur Gewerkschaft qualifiziert habe. Man sprach von einer bewaffneten Gewerkschaftsbewegung … Bestätigt wurde diese Einstellung durch das Ergebnis der Entführung: im September wurde die Cassa Integrati [eine Form der Kurzarbeit; Anm. d. Aut.] wieder voll eingestellt.“[60]

Aber das Proletariat in Deutschland muss nicht nur auf andere Länder schauen für Erfahrungen des bewaffneten Kampfes. Es hat auch viele eigene Erfahrungen gesammelt. So zum Beispiel die Rote Ruhr Armee und den Hamburger Aufstand von 1923.[61]

Organisationen wie die RAF, hatten zwar (zumindest zeitweilig) die Sympathien eines nicht unerheblichen Teils der Massen, aber sie konnten vernichtet werden, weil sie die Massen nicht organisierten. Es stellt sich also die Frage, wie die Massen gewinnen, wie die Massen organisieren? Dies führt uns zum Problem der „drei Mit“. Das heißt, dass die Kommunisten mit den tiefsten und breitesten Massen leben, arbeiten und kämpfen müssen. Jeder Kommunist muss an seinem Wohnort die Möglichkeit haben, sich mit den Massen zu verbinden, an ihren Kämpfen teilzuhaben und besonders ihren Kämpfen Orientierung zu geben, die Richtung zu weisen. Überall müssen sie die Initiative der Massen fördern. Die „drei Mit“ zu verwirklichen, heißt den Grundsatz das ganze Leben der Revolution zu widmen, wirklich anzuwenden. Wer wirklich die „drei Mit“ umsetzt, der weiß, dass die tiefsten und breitesten Massen viel eher die alleinerziehenden Mütter am Stadtrand sind, als die Jungmänner mit Pitbull im Kiez. Wer wirklich die „drei Mit“ umsetzt, der weiß, dass der Aufbau einer proletarisch feministischen Massenorganisation viel wichtiger ist, als ein Rapvideo mit maskulinen Posen. Wer wirklich die „drei Mit“ umsetzt, baut keine Jugendbande auf, sondern die Partei, die Armee und die Front. Für die Massen müssen die Kommunisten normal sein. Für die Massen muss es normal sein, die rote Fahne wehen und Hammer und Sichel prangen zu sehen. In dieser Normalisierung besteht der strategische Aspekt kommunistischer Propaganda. Denn wenn die Massen kämpfen, dann kämpfen die Kommunisten mit ihnen – mit roter Fahne und Hammer und Sichel und es ist normal. Das geht nur, wenn die „drei Mit“ verwirklicht sind. Die „drei Mit“ verwirklichen heißt auch seine kleinbürgerlichen Genossen zu proletarisieren. Nicht als kurzweiliger Abenteuerurlaub, nicht als Praktikum für die Kaderakte, sondern als Lebensweg, den man einschlägt. Das heißt, das Leben der tiefsten und breitesten Massen zu leben, mit all ihren Problemen und Nöten. Das heißt, dass am Ende des Monats das Geld nicht reicht, die Arbeit krank macht, der Arzt sich nicht darum kümmert, und die Kinder auf einer schlechten Schule sind. Das heißt, sein Leben der Revolution zu widmen. Nicht weniger heißt es, dass die Genossen in der Praxis den richtigen Klassenstandpunkt einnehmen. Das ist für die Revolution unentbehrlich, damit gewährleistet ist, dass die Avantgarde wirklich zu allem bereit ist, und jede Wahrheit des Marxismus-Leninismus-Maoismus wirklich annehmen kann – so bitter sie für das bürgerliche Ego auch sein mag. Und die fundamentale Wahrheit für die Praxis der proletarischen Revolution ist folgende:

„In Synthese, die ganze Massenarbeit der Partei in der Rekonstitution war für die Vorbereitung der Einleitung des Volkskrieges, weil wie Vorsitzender Mao uns lehrt, vor der Einleitung des Krieges ist alles da um ihn vorzubereiten und ist er eingeleitet ist alles da um ihn zu entwickeln. Der Vorsitzende Gonzalo hat mit Festigkeit dieses Prinzip angewendet und entwickelt.“[62]

Zur Frage der Prinzipien der Kommunisten in der Kriegsführung sagte der Vorsitzende Gonzalo:

„Jede Klasse hat immer seine eigene Form der Kriegsführung und seine eigene Strategie hervor gebracht. Und immer hat die überlegene Strategie die unterlegene Strategie besiegt, und die neue Klasse hat immer die überlegene Strategie, und genau das ist Volkskrieg. Es gibt Beweise, die das belegen. Es gibt militärische Analysten die es so ausdrücken: Kommunisten, die ihre Prinzipien anwendeten, haben niemals einen Krieg verloren, sie haben nur Kriege verloren wenn sie nicht ihre Prinzipien anwendeten.“[63]

Besonders hervorzuheben sind jedoch die Erfahrungen in Peru. Dort zeigt sich zum einen die Möglichkeit, zum anderen widerlegt die KPP dort den Irrglauben, dass der Volkskrieg ein Krieg sei, der ausschließlich die Städte vom Land aus einkreise.

 

Der Aufbau der Neuen Macht

 

Damit haben wir die Frage des Kriegs der Massen zumindest soweit behandelt, als das wir zum nächsten Punkt, der Frage der Neuen Macht bzw. der Stützpunktgebiete übergehen können. Neue Macht ist im Sinne staatlicher Macht, d.h. eines neuen Staates, zu verstehen. Im Falle der BRD heißt das, die Errichtung der Diktatur des Proletariats. Dabei ist es vorrangig, zu zeigen, dass der Aufbau der Neuen Macht in den Städten der imperialistischen Länder tatsächlich möglich ist. Wir bedienen uns erneut der verschiedenen Erfahrungen, welche in der Weltrevolution bislang gemacht wurden. Einige Erfahrungen wurden auch ohne die Führung des Proletariats gemacht, wie z. B. in Nordirland. Marx sagt über die Diktatur des Proletariats, sie „sollte nicht eine parlamentarische, sondern eine arbeitende Körperschaft sein, vollziehend und gesetzgebend zur gleichen Zeit.“[64] Die Volkskomitees in Peru sind zwar ein Regierungssystem des neudemokratischen Staats in Entwicklung, also der gemeinsamen Diktatur der revolutionären Klassen des Volkes in den unterdrückten Nationen, aber können auch auf den sozialistischen Staat, also die Diktatur des Proletariats, angewendet werden. Das Staatssystem bestimmt sich nach der Frage, welche Klasse herrscht? Es ist der Inhalt der Politik. Das Regierungssystem bestimmt sich an der Frage, wie die Klasse herrscht? Es ist die Form der Politik.

„Er etabliert, dass die Volkskomitees Materialisierungen des neuen Staates sind, sie sind Komitees der Einheitsfront; geführt von Kommissaren, die ihre Staatsfunktionen als Aufgabe übernehmen, gewählt von den Repräsentantenversammlungen und der Entlassung [Kritik und Selbstkritik voraussetzend, Anm. d. Aut.] unterworfen. Sie sind, bis jetzt, klandestin, sie marschieren mit Kommissionen, geführt von der Partei, die Regel der „drei Drittel“ anwendend: ein Drittel von ihnen sind Kommunisten, ein Drittel sind Bauern und ein Drittel sind Fortschrittliche und sind gestützt von der Armee. Sie wenden die Diktatur des Volkes, Zwang und Sicherheit an, üben fest und entschlossen revolutionäre Gewalt aus, zur Verteidigung der Neuen Macht gegen ihre Feinde und zum Schutz der Rechte des Volkes.“[65]

Zur Frage, wie die Neue Macht sich konkretisiert oder in einer Form konkretisieren kann, betrachten wir die Erfahrungen aus Peru:

„Diese Komitees bestehen aus fünf Mitgliedern, die Kommissare genannt werden, denn sie sind von den Massen bemächtigt und unterworfen jederzeit abberufen zu werden. Sie werden von Repräsentativen Versammlungen ausgewählt, welche wiederum, wenn möglich, durch Volksversammlungen von allen Massen eines bestimmten Dorfes gewählt werden. Sie werden von der Partei geführt und bestehen aus Kommunisten, gewöhnlichen Bauern und anderen lokalen fortschrittlichen Kräften. Ihre Tätigkeit ist es damit zu beginnen eine neue Politik, neue Ökonomie und neue Kultur auf dem Land zu schaffen, als Teil der Vorbereitung dazu in der Lage zu sein dies im ganzen Land zu tun. Der Sekretär unter den fünf Kommissaren repräsentiert die Partei und das Proletariat (welches auf dem Land hauptsächlich durch die Partei vorhanden ist). Der Kommissar für Sicherheit, ebenso ein KPP-Mitglied, ist verantwortlich für die Verteidigung dieser neuen politischen Macht, durch die lokale Bevölkerung im Ganzen, organisiert als Milizen, zusammen mit den lokalen Guerillakräften und den Hauptkräften der Volksguerillaarmee. Dies bedeutet auch die Vorbereitung des organisierten Rückzugs der Dorfbewohner aus dem Gebiet, falls das notwendig wird. Der Sicherheitskommissar ist auch verantwortlich für Polizeifunktionen, Maßnahmen gegen Konterrevolutionäre zu treffen, die die neue politische Macht angreifen, oder gewöhnliche Kriminelle, die den Massen schaden zufügen. Raub, Drogen, dauernde Trunkenheit, Prostitution, Glücksspiel,Verprügeln von Ehefrauen und Kindern, Vergewaltigung und andere Geißeln, die lange unter dem Schutz der alten bestehenden Herrschaft gediehen, werden nun unterdrückt. Der Kommissar für die Produktion und Ökonomie leitet die Entwicklung einer neuen Ökonomie, basierend auf einer neuen Art von Beziehungen zwischen den Menschen.“[66]

„Der Kommissar für öffentliche Angelegenheiten ist verantwortlich für die Handhabung des Rechts. Das bedeutet die Organisation von Volksgerichten: ein Ankläger präsentiert den Fall des Volkskomitees, der Beschuldigte hat das Recht sich selbst zu verteidigen und Beweise zu präsentieren, während die Massen des Volkes zuhören und entscheiden. Ein weiteres Beispiel ist die Schaffung eines Schadenskomitees […]. Dieser Kommissar hat auch den Vorsitz über Hochzeiten. Die beiden Menschen die sich wünschen zu heiraten müssen zwei Zeugen bringen, um zu bezeugen, dass keiner der beiden mit jemand anderem verheiratet ist – das ist die einzige Voraussetzung. Öffentliche Angelegenheiten beinhaltenauch die Registrierung von Geburten, die Ausstattung der Volksapotheke (mit Medikamenten die vom Feind konfisziert wurden und mit pflanzlicher Medizin) und Gesundheitsuntersuchungen von frisch Verheirateten und anderen. Die Bildung wird geleitet von der kommunistischen Anschauung und verbunden mit Arbeit. […] Der Kommissar organisiert auch die Rekreation, einschließlich Sport und Kultur[…]. Es gibt auch einen Kommissar, der dafür verantwortlich ist Treffen der von der Partei geführten Massenorganisationen zusammenzurufen und zu planen.“[67]

Gebiete der Neuen Macht bzw. Stützpunktgebiete ist nicht gleichbedeutend mit einem „befreiten Gebiet“, in der Frage, dass die Reaktion nicht mehr in der Lage ist in diese Gebiete reinzukommen. Das ist die Frage der Fluidität des Volkskrieges, es geht nicht darum, Gebiete zu erobern und zu halten, sondern darum, Formen der Neuen Macht zu etablieren, also das Leben der Menschen zu regeln. In der BRD ist davon auszugehen, dass sich diese Arbeit vor allem in den proletarischen Vierteln der Städte konzentrieren muss. Hat man in so einem Viertel die Arbeit so weit entwickelt, dass man anfängt das Leben im Viertel zu regeln und das Leben der Massen so gut wie möglich zu gestalten, heißt das aber noch lange nicht, dass der alte Staat zerschlagen wurde. Hier ist es notwendig die Massen zu mobilisieren und eine Bewegung zu schaffen. Sonst besteht die Gefahr sich als Komplement zum alten Staat zu entwickeln und Sozialarbeit zu entwickeln.

Im antifaschistischen Kampf in Italien im 2. Weltkrieg wurden hier auch wertvolle Erfahrungen gesammelt, so organisierte die Kommunistische Partei neben den Betriebszellen auch Straßenzellen in den Städten[68] und es wurden Gruppen gebildet um leere Häuser an Bombengeschädigte zu verteilen[69] und um Brennholz zu beschaffen und zu verteilen.

„Von den Kampfkomitees organisiert, gingen Arbeitergruppen von Breda, Falk und anderen Betriebe daran, die Bäume der Alleen zu fällen, und sie verteilten das gefällte Holz systematisch an die Bevölkerung, die die Operation unterstützte und sich aktiv an ihr beteiligte. SAP- und GAP Gruppen wachten, um die Arbeitergruppen gegen das Eingreifen der deutschen und faschistischen Schergen zu verteidigen.

Die Kampfkomitees und die Befreiungskomitees ergriffen nicht nur beim Holzfällen die Initiative, sondern sie versuchten auch, die Lebensmittelfrage direkt zu lösen. Die Losung lautete „die Lebensmittel, das Holz und die Kohle dort holen, wo sie sich befinden“, nämlich in den deutschen und faschistischen Lagern, und den „den direkten Austausch zwischen Stadt und Land organisieren“. Durch diese praktischen Maßnahmen entwickelten sich die örtlichen Befreiungskomitees und setzten sich als Einheitsorgane des Kampfes und der Volksmacht durch.“[70]

Und das alles inmitten der faschistischen Besatzung. Die Möglichkeiten für die Schaffung der Neuen Macht sind also auch in den Städten gegeben. Neben diesen gewaltigen Erfolgen gibt es aber auch sehr mahnende negative Erfahrungen und Mängel aus Italien in der gleichen Periode. So heißt es unter anderem: „… wir können nicht verlangen, daß überall nur wir und immer wir die ersten sind. … Es ist besser ein Zugeständnis zu machen, um zur Vereinigung zu gelangen …“

Und weiter wird explizit kritisiert: „In vielen Partisaneneinheiten, in vielen befreiten Ortschaften ist der Gruß mit der geballten Faust üblich, gibt es Hammer und Sichel und eine ganze Reihe kommunistischer Symbole an Stelle der Symbole der CLN [Nationale Befreiungskomitees; Anm. d. Aut.].“

Und das obwohl in den Streiks von Mailand analysiert wurde: „Es genügt, „die Partei“ zu sagen, denn es ist klar, daß nur eine Partei wirklich auf dem Plan ist: die Kommunistisch Partei, die Partei der Werktätigen.“[71]

Hier zeigt sich die Gefahr im Kampf alles der Front unterzuordnen und am Ende nicht die Diktatur des Proletariats aufzubauen. So wurde durch den Kampf der zu einem großen Teil durch die Kommunistische Partei geführt wurde und vielen guten Genossen das Leben kostete eine bürgerliche Republik erreichtet und kein Staat der Diktatur des Proletariats.

Auch die Arbeit von verschiedenen Organisationen in der Türkei, beispielsweise in einigen Vierteln Istanbuls, heute, beweist die Möglichkeit des Aufbaus der Neuen Macht in den Städten.

Die größten Erfahrungen über den Aufbau der Neuen Macht in großen Städten kommen von der Kommunistischen Partei Perus. In Lima, wo fast ein Drittel der Bevölkerung des Landes leben, hatte sie ursprünglich vorgesehen keine Neue Macht aufzubauen, sondern bloß Widerstandszentren mithilfe der Revolutionären Verteidigungsbewegung des Volkes (MRDP), in denen die Partei agiert. Doch diese Arbeit entwickelte sich so gut, dass die Partei in der Lage war auch hier neue Macht aufzubauen. Diese Erfahrungen fasst die KPP folgendermaßen zusammen:

„Vor etwa drei Jahren diskutierten wir auf dem Treffen von Limas MRDP die Namen der Organisationsformen, die die neuen Formen des Kampfes leiten werden, die den Kampf der Arbeiter mit dem Kampf in den Armenvierteln verbinden: Volkskomitees, Volkskampfkomitees oder einfach Kampfkomitee. Wir haben gesehen, dass Volkskomitee unpassend war, da es mit dem Volkskomitee, das wir aufgrund des Charakters der demokratischen Revolution nur auf dem Land bilden verwechselt werden könnte. Später diskutierten wir, wie wir Formen der Macht in der Stadt finden werden, weil wenn wir die Macht im ganzen Land erobern werden, müssen wir die Städte organisieren, um sie aus dem Untergrund zu kontrollieren und alles leiten bis die Zeit für den finalen Aufstand kommt. Wir schlussfolgerten, dass ein Kampfkomitee passend war. Wie auch immer, dies geschieht um den alten Staat zu untergraben und die Massen einer organisierten Richtung folgen zu lassen. Es ist die Keimzelle, die die Ausübung der Macht ermöglicht. Die Angelegenheit dient der Erstellung von Mitteln der vereinten Aktion unter der Führung der Partei oder gemeinsamen Aktionen organisch vereint mit der Ausübung von Autorität. Wir können es daher als eine andere Form der Volksmacht verstehen, zusammen mit den fünf Formen, als noch eine Form der Macht, aber in der Stadt, das Kampfkomitee wäre eine sechste Form der Macht und die Keimform in der Stadt. Es würde 3 Meilensteine haben. Das Treffen 1988 des MRDP ist dazu da die Zweite Sitzung des Kongresses anzuwenden: Kampfkomitee um die Arbeiter und Massen in den Vierteln und Armenvierteln zu koordinieren, Funktionen ausüben; Vorbereitungssitzung des zweiten Plenums des Zentralkomitees Oktober-November 1990: Kampfkomitee, um Einheit, Organisierung und Autorität herzustellen; und heute 1991 das Kampfkomitee, die sechste Form und erste Keimzelle in der Stadt. Warum ist das heute so? Wegen der Entwicklung der materiellen Realität. Das sind die Fakten, die Tatsachen selbst, die Entwicklung unserer Massenarbeit im und für den Volkskrieg hat es so generiert. Die Frage ist es die Prinzipien anzuwenden und nicht den Kurs zu verlieren. Ideen kommen aus der Praxis. Wir würden nicht so viel erreicht haben, wenn wir 1988 über Hirngespinste diskutiert hätten, noch würden wir es erreicht haben, wie wir es heute haben. Zu der Zeit war es korrekt es zu diskutieren und das ist wie wir den allgemeinen Weg entworfen haben. Jetzt ist der Moment gekommen und die Realität zeigt uns wie wir es aufbauen müssen. Es ist die sechste und die erste Form der Macht in der Stadt, eine Form der Keimzellen der Neuen Macht in den Städten zu organisieren. Besteht darauf, dass es nicht die Form der Macht ist, die wir auf dem Land aufgebaut haben. Beachtet ihren Entwicklungsprozess:

ERSTES KAMPFKOMITEE: UM ARBEITER UND ARMENVIERTELMASSEN ZU KOORDINIEREN.

ZWEITES KAMPFKOMITEE: EINHEIT-ORGANISATION-AUTORITÄT

DRITTES KAMPFKOMITEE: SECHSTE FORM UND ERSTE KEIMZELLENFORM IN DER STADT. ES IST NICHT DIE NEUE MACHT WIE AUF DEM LAND. UM ZU VERHINDERN UND DEM ENTGEGENZUSTELLEN, DASS ES IN DER GLEICHEN ART WIE AUF DEM LAND AUSGEÜBT WIRD. UM ES ALS KEIMZELLENFORM, EINE NEUE UND SECHSTE FORM, DIE IN DER STADT ENTSTEHT, VERBUNDEN MIT DER VORBEREITUNG DES AUFSTANDES UND

IM DIENST DER EROBERUNG DER MACHT IM GANZEN LAND, ZU BETRACHTEN. EINE

ERRUNGENSCHAFT DES AUFBAUS DER MACHTEROBERUNG IN DER STADT, ES IST KEIN GEGENSTÜCK ZU DER AKTION DES ALTEN STAATES. GANZ IM GEGENTEIL, ES ZIELT DARAUF IHN ZU NEGIEREN, ZU UNTERGRABEN UND IHN IN PERSPEKTIVE ZU ZERSTÖREN, UM DIE DIE NEUE MACHT ZU FORMIEREN.“[72]

Das erste Kampfkomitee koordiniert also die Massen in den Vierteln. Das zweite Kampfkomitee organisiert einheitliche Aktionen der verschiedenen Massenorganisationen in einem Viertel, beginnt damit, das Leben der Massen in den Vierteln zu organisieren und beginnt damit Autorität auszuüben, also Staatsmacht aufzubauen. Das dritte Kampfkomitee ist dann die erste Form der ausgeübten Neuen Macht in den Städten, deren Ziel es ist, den alten Staat und seine Herrschaft zu beseitigen. So wird vom Kleinen zum Großen aufgebaut und die Neue Macht aus dem Untergrund ausgeübt. Diese Arbeit entwickelte sich in manchen Vierteln von Lima sogar so gut, dass die Partei offen die Kontrolle ausübte, doch sie kam später zu dem Schluss, dass dies etwas zu weit gegangen war.[73]

Das ist ein ganz anderes Verständnis, eine ganz andere Praxis, als beispielsweise in Nepal:

„Die CPN(M) [Kommunistische Partei Nepals (Maoistisch); Anm. d. Aut.] entsandte ein hochrangiges Verhandlungsteam … Es wurde sogar bereits ein Büro in Kathmandu eröffnet, Pressekonferenzen abgehalten, Gespräche mit den anderen Parteien und AkteurInnen der Zivilgesellschaft geführt sowie Massenkundgebungen organisiert. … Nach eigenem Ermessen kontrollierten die Maobadi bereits 80% des Landes. Ziel war es, die Städte einzukreisen und gleichzeitig in den Städten durch Aufbau einer Einheitsfront gegen den König, einen Aufstand zu organisieren.“[74]

Volkskrieg auf dem Land und hauptsächlich legale demokratische Arbeit in der Stadt, mit dem Ziel den König durch eine bürgerliche Republik zu ersetzen – das ist die Basis der temporären Niederlage des Volkskrieges in Nepal.

Nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch wurden die vier genannten Punkte in der Geschichte der internationalen kommunistischen Bewegung angewandt. Nicht nur theoretisch, sondern auch in der Praxis der Weltrevolution ist dies in den imperialistischen Ländern anwendbar.

 

Die Prinzipien des Volkskriegs

 

Abschließend sollen die zehn Militärprinzipien des Vorsitzenden Mao Tse-Tung, die es anzuwenden gilt, zitiert werden:

„1. Erst den zersplitterten und isolierten Feind, dann den konzentrierten und starken Feind

angreifen.

  1. Erst kleine Städte, mittelgroße Städte und ausgedehnte ländliche Gebiete, dann die Großstädte einnehmen.
  2. Das Hauptziel ist, die lebende Kraft des Feindes zu vernichten, nicht Städte und Gebiete zu halten oder einzunehmen. Die Behauptung oder Einnahme von Städten und Gebieten ist das Ergebnis der Vernichtung der lebenden Kraft des Feindes, und häufig kann eine Stadt oder ein Gebiet erst endgültig gehalten oder eingenommen werden, nachdem sie mehrere Male den Besitzer gewechselt hat.
  3. Für jede Kampfhandlung muß eine absolut überlegene Truppenstärke zusammengezogen werden (das Zwei-, Drei oder Vierfache, manchmal sogar das Fünf oder Sechsfache der feindlichen Stärke), die feindlichen Kräfte müssen lückenlos umzingelt werden, man muß sich bemühen, sie völlig zu vernichten und niemand aus dem Netz entschlüpfen zu lassen. Unter besonderen Umständen wird die Methode angewandt, den Feind vernichtend zu schlagen, das heißt, wir führen unter Konzentration aller unserer Kräfte einen Frontalangriff und gleichzeitig auch einen Angriff auf eine oder beide

Flanken, mit dem Ziel, den einen Teil seiner Streitkräfte zu vernichten und den anderen in die Flucht zu schlagen, so daß unsere Armee ihre Verbände rasch zur Zerschlagung anderer gegnerischer Kräfte einsetzen kann. Wir müssen auf alle Fälle Ermattungsgefechte vermeiden, bei denen wir mehr verlieren als gewinnen oder sich Gewinn und Verlust gerade die Waage halten. Auf diese Weise sind wir wohl im ganzen gesehen (zahlenmäßig) unterlegen, aber bei jeder Teilaktion, in jeder konkreten Schlacht sind wir absolut überlegen, womit uns der Sieg in der Schlacht sicher ist. Mit der Zeit werden wir auch im ganzen gesehen die Oberhand gewinnen und schließlich den Feind gänzlich vernichten.

  1. Keine Schlacht darf ohne Vorbereitung geschlagen werden, und man darf sich auf keine Schlacht einlassen, ohne daß der Erfolg verbürgt ist; wir müssen alle Anstrengungen unternehmen, Vorbereitungen für jede Schlacht zu treffen und uns den Sieg bei dem gegebenen Verhältnis zwischen unseren Bedingungen und denen des Feindes zu sichern.
  2. Wir müssen unseren Kampfstil voll entfalten, d.h. mutig kämpfen, keine Opfer scheuen, keine Erschöpfung fürchten und unablässig Kämpfe führen (in einem kurzen Zeitraum ohne Ruhepause ein Gefecht nach dem anderen austragen).
  3. Alle Anstrengungen sind zu unternehmen, um den Feind, während er sich noch auf dem Marsch befindet, zu vernichten. Zugleich muß auch der Taktik der Angriffe auf befestigte Stellungen Aufmerksamkeit gewidmet, müssen feindliche Stützpunkte und Städte erobert werden.
  4. Was die Angriffe auf Städte betrifft, sind alle nur schwach verteidigten Stützpunkte und Städte dem Feind entschlossen zu entreißen. Stützpunkte und Städte, die vom Feind nur mit Kräften mittlerer Stärke verteidigt werden und deren Einnahme die Bedingungen erlauben, sind im gegebenen Augenblick zu erobern. Bei allen vom Feind stark verteidigten Stützpunkten und Städten soll man warten, bis die Bedingungen herangereift sind, und sie dann erobern.
  5. Alle Waffen, die wir dem Feind entreißen, und ein Großteil der Soldaten, die wir gefangennehmen, dienen der Ergänzung unserer eigenen Bestände. Die wichtigste Quelle von Menschen und Kriegsmaterial für unsere Armee ist die Front.
  6. Die Zeitspanne zwischen zwei Schlachten muß gut genutzt werden, um die Truppen ausruhen zu lassen, sie auszubilden und zu konsolidieren. Die Zeit der Ruhe, der Ausbildung und Konsolidierung darf im allgemeinen nicht zu lang bemessen sein, und dem Feind soll nach Möglichkeit keine Atempause gegeben werden.“[75]

Der Volkskrieg ist langwierig. Deutschland ist ein imperialistisches Land, dessen Wohlstand auf der Ausbeutung des Proletariats und den Extraprofiten aus den unterdrückten Nationen beruht. Der deutsche Imperialismus, unser Feind, ist stark. Die Kommunisten in Deutschland sind schwach, und werden es auch nach der Rekonstitution der Kommunistischen Partei Deutschlands erst mal bleiben. Die Kommunistische Partei Deutschlands wird sich auf Grundlage des Marxismus-Leninismus-Maoismus rekonstituieren, und einen Leitgedanken für die Revolution in Deutschland hervorbringen. Der deutsche Imperialismus bringt sich in Widerspruch zum Volk in Deutschland, und dieser Widerspruch verschärft sich immer mehr, und wird es im Zuge der Volkskriege in den Halbkolonien noch viel mehr tun. Die Kommunistische Partei Deutschlands wird Ausdruck der Ideologie des Proletariats sein, die wahr ist und deshalb allmächtig. Daraus folgt, dass der Volkskrieg in Deutschland siegreich sein wird. Aber noch ist der deutsche Imperialismus stark und die Kräfte der Revolution sind schwach. Daraus folgt, dass die proletarische Revolution nicht schnell siegen kann. Also ist der Volkskrieg langwierig, aber unbesiegbar. Der langwierige Volkskrieg teilt sich in drei Perioden, die strategische Defensive, das strategische Gleichgewicht und die strategische Offensive.

„Aber der objektive Fakt ist, dass es eine große Ungleichheit zwischen den Kräften des Feindes und unseren Kräften gibt und es eine Zeitspanne für uns benötigt, um von schwach zu stark zu gehen, in der die Mängel des Feindes aufgedeckt und unsere Überlegenheiten entwickelt sind. Deshalb sagen wir, dass unsere Armee scheinbar schwach, aber im Wesen stark ist und die Armee des Feindes scheinbar stark, aber im Wesen schwach ist. Um von schwach zu stark zu gehen müssen wir den langwierigen Krieg vorwärtstreiben und dies hat drei Phasen: Die erste ist die Periode der strategischen Offensive des Feindes und unserer strategischen Defensive. Die zweite wird die Periode der strategischen Konsolidierung des Feindes und unserer Vorbereitung für die Gegenoffensive. Die dritte wird die Periode unserer strategischen Gegenoffensive und der strategische Rückzug des Feindes sein.“[76]

Das strategische Problem, dass die Kommunisten einer gegen zehn stehen, wird durch die Taktik gelöst, dass man sich zu zehnt gegen einen stellt. Ein Grundsatz des Marxismus-Leninismus-Maoismus, den Li Tso Peng[77] wie folgt zusammenfasste:

„Die Methode der Konzentration einer Übermacht zu einzelnen Zerstörung der feindlichen Kräfte verkörpert auch die Idee den Gegner strategisch geringzuschätzen. Denn nur durch die strategische Geringschätzung des Feindes und durch das an den Tag legen eines revolutionären und militanten Geistes „Einen gegen Zehn zu stellen“ können wir im Angesicht eines mächtigen Gegners einen kühlen Kopf bewahren und nicht durch seine Grausamkeit eingeschüchtert oder durch eine komplexe Situation verwirrt werden; nur in dieser Art und Weise werden wir es wagen unsere Kräfte zu konzentrieren und dem Feind Schläge zu versetzen. Andererseits werden Siege in einer Reihe von Feldzügen und Schlachten – unter Anwendung dieser Methode – das Volk und seine Armee weiterbilden und sie in die Lage versetzen durch ihre eigene Erfahrung klar zu sehen, dass der Feind besiegt werden kann und dass es gänzlich richtig ist ihn strategisch geringzuschätzen. Dies wird zwangsläufig das Vertrauen des Volkes und seiner Armee in ihrem Kampf gegen den Feind stärken und sie ermutigen zu kämpfen und noch größere Siege zu erringen.“[78]

Wir hoffen, dass wir mit dieser Arbeit einen kleinen Beitrag dafür leisten konnten, dass sich die große und ruhmreiche Kommunistische Partei Deutschlands auf der korrekten Basis und mit der korrekten Perspektive rekonstituieren wird.

[1] Mao Tse-Tung, „Eine überlegene Streitmacht konzentrieren, um die feindlichen Truppenteile einzeln zu vernichten“ in Ausgewählte Werke Band IV, 1946

[2] Siehe dazu den weiter unten entwickelten Passus über die wirkliche, im Gegensatz zur eingebildeten bzw. vom imperialistischen Chauvinismus verblendeten, Realität der chinesischen Revolution.

[3] Lenin, „Die Aufgaben des Proletariats in unserer Revolution“ in Lenin Werke Band XXIV, 1917

[4] Wir wollen an dieser Stelle kurz unsere Ansichten mit einem Zitat des Genossen Stalin in „Über die Mängel der Parteiarbeit und die Maßnahmen zur Liquidierung der trotzkistischen und sonstigen Doppelzüngler“ darstellen: „Unsere Parteigenossen haben nicht bemerkt, daß der Trotzkismus aufgehört hat, eine politische Strömung in der Arbeiterklasse darzustellen, daß der Trotzkismus sich aus einer politischen Strömung in der Arbeiterklasse, die er vor 7-8 Jahren war, in eine hemmungslose und prinzipienlose Bande von Schädlingen, Diversanten, Spionen und Mördern verwandelt hat, die im Auftrage von Spionageorganen ausländischer Staaten handeln.“

[5] u..a. Kent-State-Massaker; am 4. Mai 1970 wurden bei einer Demonstration in Ohio vier Studenten erschossen und weitere neun teilweise schwer verletzt

[6] Mao Tse-Tung, „Gespräch mit der amerikanischen Korrespondentin Anna Louise Strong“ in Ausgewählte Werke Band IV, 1946

[7] Mao Tse-Tung, „Probleme des Krieges und der Strategie“ in Ausgewählte Werke Band II, 1938

[8] „[…] zu den politischen Besonderheiten des Imperialismus die Reaktion auf der ganzen Linie sowie die Verstärkung der nationalen Unterdrückung in Verbindung mit dem Druck der Finanzoligarchie und mit der Beseitigung der freien Konkurrenz gehören […].“, in Lenin, „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“

[9] Stefan Engel (langjähriger MLPD-Monarch), „Über die Herausbildung der neuimperialistischen Länder“

[10] Siehe „Zur Haltung der Antiimperialisten zur PKK“.

[11] Dass in der aktuellen Situation der Yankee-Imperialismus seine „Verbündeten“ fallen und den Massakern der türkischen Armee überlässt, ändert nichts an der Richtigkeit dieser Ausführungen.

[12] Nicht nur wir. Vergleiche dazu das Dokument des Zentralkomitees der TKP/ML zur Spaltung der Partei vom Oktober diesen Jahres; veröffentlicht unter anderem auf demvolkedienen.org

[13] Marx; Engels, „Das Manifest der Kommunistischen Partei“ in MEW Band IV, 1848

[14] Ebenda

[15] Stalin, „Marxismus und nationale Frage“ in Stalin Werke Band II, 1913

[16] Lenin, „Entwurf einer Plattform zum IV. Parteitag der Sozialdemokratie Lettlands“ in Lenin Werke Band XIX, 1913

[17] Mao Tse-tung, „Über den langwierigen Krieg“ in Ausgewählte Werke Band II, 1938

[18] Marx; Engels, „Das Manifest der Kommunistischen Partei“ in MEW Band IV, 1848

[19] Lenin, „Zwei Taktiken der Sozialdemokratie in der demokratischen Revolution“ in Lenin Werke Band IX, 1905

[20] Lenin, „Was tun?“ in Lenin Werke Band V, 1902

[21] Mao Tse-Tung, „Strategische Probleme des revolutionären Krieges in China“ in Ausgewählte Werke Band I, 1939

[22] Marx: „Das Kapital“, Band I, 1867

[23] Engels: „Bedingungen und Aussichten eines Krieges der Heiligen Allianz gegen ein revolutionäres Frankreich im Jahre 1852“ in MEW Band VII, 1951

[24] zitiert nach „Let us retake Mariategui and reconstitute his party“ Kommunistische Partei Perus, unsere Übersetzung

[25] Mao Tse-Tung, „Strategische Probleme des revolutionären Krieges in China“ in Ausgewählte Werke Band I, 1939

[26] Mao Tse Tung, „Über den Widerspruch“ in Ausgewählte Werke Band I, 1937

[27] Mao Tse Tung, „Probleme des Krieges und der Strategie“ in Ausgewählte Werke Band II, 1938

[28] Ebenda

[29] Ebenda

[30] Marx: „Rede auf der Feier zum siebenten Jahrestag der Internationalen Arbeiterassoziation am 25. September 1871 in London“ in MEW Band XXVI, 1871

[31] Engels, Einleitung zu Marx` „Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850“

[32] Ebenda

[33] Lenin, „Die Aufgaben der Abteilungen der revolutionären Armee“ in Lenin Werke Band XIX, 1905

[34] Lenin, „Über die proletarische Miliz“, Brief Nr.3 vom März 1917 in „Briefe aus der Ferne“; Lenin Werke Band XXIII, 1917

[35] Kommunistische Partei Perus, „Über Marxismus-Leninismus- Maoismus“, 1988

[36] Kommunistische Partei Perus, „Militärlinie“, 1988

[37] F. Engels: „Die Ironie der Weltgeschichte stellt alles auf den Kopf. Wir, die „Revolutionäre“, die „Umstürzler“, wir gedeihen weit besser bei den gesetzlichen Mitteln als bei den ungesetzlichen und dem Umsturz. Die Ordnungsparteien, wie sie sich nennen, gehen zugrunde an dem von ihnen selbst geschaffenen gesetzlichen Zustand. Sie rufen verzweifelt mit Odilon Barrot: la légalité nous tue, die Gesetzlichkeit ist unser Tod, während wir bei dieser Gesetzlichkeit pralle Muskeln und rote Backen bekommen und aussehen wie das ewige Leben.“, Einleitung zu Marx` „Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850“

[38] Kommunistische Partei Perus, „Aufbaulinie der drei Instrumente der Revolution“, 1988

[39] Im Volkskrieg gibt es drei Möglichkeiten an Waffen zu kommen: 1.) Waffen vom Feind erbeuten, 2.) Waffen selber herstellen, 3.) Waffen kaufen. Dabei ist die hauptsächliche Methode die erste. Der Vorsitzende Mao sagte über Tschiang Kai-schek, dass er eine Medaille verdient hätte, weil er als guter Waffenlieferant gedient hat.

[40] Und dabei hatte die IRA größtenteils nur in der katholischen Bevölkerung Rückhalt und wurde nur teilweise von protestantischen Kräften unterstützt.

[41] Heinz Kühnrich, „Der Partisanenkrieg in Europa 1939-1945“, S. 142

[42] faz.net „Rechtlose Zonen in Paris“, 11.10.2016

[43] Heinz Kühnrich, „Der Partisanenkrieg in Europa 1939-1945“, S. 142

[44] Heinz Kühnrich, „Der Partisanenkrieg in Europa 1939-1945“, S. 209 f.

[45] Heinz Kühnrich, „Der Partisanenkrieg in Europa 1939-1945“, S. 330

[46] Gruppen der Patriotischen Aktion

[47] Aktionsgruppen der Patriotischen Aktion.

[48] Luigi Longo, „Generalstreik im ganzen besetzten Italien“, in „Der Kampf des italienischen Volkes für seine nationale Befreiung 1943-1945“

[49] Ebenda

[50] Ebenda

[51] Ebenda

[52] Luigi Longo, „Generalstreik im ganzen besetzten Italien“, in „Der Kampf des italienischen Volkes für seine nationale Befreiung 1943-1945“

[53] Pietro Secchia, „Die großen Streiks von Genua und Savona“, in „Der Kampf des italienischen Volkes für seine nationale Befreiung 1943-1945“

[54] Ebenda

[55] Pietro Secchia, „Die Partei, der Motor des Aufstands“, in „Der Kampf des italienischen Volkes für seine nationale Befreiung 1943- 1945“

[56] „La Nostra Lotta“ Nr. 5/6, Zitiert nach „Der Kampf des italienischen Volkes für seine nationale Befreiung 1943-1945“, S. 107

[57] „La Nostra Lotta“ Nr. 2, Zitiert nach „Der Kampf des italienischen Volkes für seine nationale Befreiung 1943-1945“, S. 48 & 58

[58] Vgl. Fußnote Nr. 1 in Pietro Secchia, „Der Aufstand in Norditalien“, in „Der Kampf des italienischen Volkes für seine nationale Befreiung 1943-1945“

[59] Siehe das Buch „Rote Brigaden Fabrikguerilla in Mailand 1980-81“

[60] Ebenda

[61] Zu den Erfahrungen des Hamburger Aufstandes siehe Klassenstandpunkt #3, „Die Erfahrungen des Hamburger Aufstands leben“

[62] Kommunistische Partei Perus, „Massenlinie“, 1988

[63] Interview mit dem Vorsitzenden Gonzalo, unsere Übersetzung

[64] Marx, „Der Bürgerkrieg in Frankreich“

[65] Kommunistische Partei Perus, „Aufbaulinie der drei Instrumente der Revolution“, 1988

[66] „Our red flag is flying in Peru“, Übersetzung entnommen aus dem Klassenstandpunkt #12 in „Einiges zu Fragen der demokratischen Revolution“

[67] „Our red flag is flying in Peru“, Übersetzung entnommen aus dem Klassenstandpunkt #12 in „Einiges zu Fragen der demokratischen Revolution“

[68] Vgl. Pietro Secchia, „Das Volk für den Aufstand mobilisieren“, in „Der Kampf des italienischen Volkes für seine nationale Befreiung 1943-1945“

[69] Vgl. Luigi Longo, „Nach einem Jahr der Kämpfe und Siege“, in „Der Kampf des italienischen Volkes für seine nationale Befreiung 1943-1945“

[70] Pietro Secchia, „Der Aufstand in Norditalien“, in „Der Kampf des italienischen Volkes für seine nationale Befreiung 1943-1945“

[71] Luigi Longo, Pietro Secchia in „Der Kampf des italienischen Volkes für seine nationale Befreiung 1943-1945“

[72] Kommunistische Partei Perus, „Mai Direktiven für das Lima Metropolitan“, 1991, unsere Übersetzung und Hervorhebungen

[73] Einige eindrucksvolle Bilder davon zeigt die Dokumentation „You must tell the world“, zu finden auf demvolkedienen.org

[74] Cornelia Schöler, „Revolution in Nepal“

[75] Mao Tse-Tung, „Die gegenwärtige Lage und unsere Aufgaben“ in Ausgewählte Werke Band II, 1939

[76] Kommunistische Partei Perus, „Militärlinie“, 1988

[77] Li Tso Peng war General und hoher politischer Kader der Volksbefreiungsarmee. Später war er Teil der Verschwörung Lin Biaos gegen die Führerschaft des Vorsitzenden Mao und wurde für seine Verbrechen verurteilt. Was nichts ändert an der Korrektheit des hier dargestellten Standpunktes.

[78] Li Tso Peng, „Strategie einer gegen zehn – Taktik zehn gegen einen“ in Hongqi Nr. 23-24, 1964

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